Agile Coach (Bild: Pexels)

Agiles Arbeiten: Was gute Team Coaches ausmacht

Agilität ist – gerade in StartUps – eine wichtige Basis. Welche Eigenschaften sollte ein guter Team Coach besitzen? Und welche besser nicht?

Ein Gastbeitrag von Edgar Ehlers

Agilitätsexperten sind gefragt

Die heutige Gesellschaft ist durch die Digitalisierung einem so starken Wandel unterworfen wie selten zuvor. Die Digitalisierung schreitet in großen Schritten voran. In diesem Zusammenhang ist der Begriff Agilität in aller Munde. Die Mehrheit der Unternehmen organisiert sich aber nach wie vor hierarchisch. Deshalb reagieren sie in modernen Prozessen tendenziell zu langsam.

Und auch die Suche nach den ohnehin schon knappen Fachkräften gestaltet sich so schwierig. Manche Unternehmen haben deshalb begriffen, dass sie in ihr Personal investieren müssen, bevor es zu spät ist und niemand mehr für sie arbeiten möchte. Deswegen schießen an jeder Ecke Agile Coaches aus der Erde, und selbsternannte Scrum-Master bieten ihre Dienste an. Doch kaum jemand kann sicher definieren, was einen solchen Digitalisierungshelfer schlussendlich ausmacht.

Wichtig sind sie allemal: Den Grundgedanken, Eigenverantwortung in Teams zu bringen, ergänzen Agile Coaches durch Flexibilität, Schnelligkeit, Anpassung, Vernetzung, Dynamik, Selbstorganisation und Vertrauen.

Zwei verschiedene Paar Schuhe

Auch Empathie ist eine wichtige Fähigkeit. Ausgebildete Agile Coaches und Scrum Master beherrschen die theoretischen Grundlagen des Coachings perfekt. Stolz zählen sie sämtliche Theorien und Werte auf, die den agilen Standards zugrunde liegen. Wenn es aber an die Umsetzung geht, hapert es oft.

In Kursen schrecken Teilnehmer beispielsweise davor zurück, eigene Gruppenstrukturen aufzubrechen und in anderen Team-Konstellationen zusammenzuarbeiten, obwohl sie genau das ihren späteren Zöglingen vermitteln müssen. Andere angehende Coaches haben große Probleme, sich Kollegen zu öffnen oder ihr eigenes Tun öffentlich zu reflektieren.

Die Mischung macht‘s

Um später erfolgreich zu arbeiten, ist es natürlich unumgänglich die Theorie auswendig zu können. Viele unterschätzen jedoch, wie wichtig es ist, persönliche Fähigkeiten mit einzubringen. Empathie-Fähigkeit ist zum Beispiel ein Faktor, den man nur bedingt erlernen kann, der aber eine große Rolle im Berufsfeld spielt. Genauso verhält es sich mit Erfahrungswerten.

Klar ist: Jeder fängt mal klein an, Erfahrung muss man erst sammeln. Aber durch kleinere Projekte und Workshops stellen sich angehende Coaches hier besser auf als gleichzeitig lernende Kollegen. Frisch von der Uni fehlt den meisten Trainern schlicht das Gespür für bestimmte Situationen und gleichzeitig auch eine gewisse Form der Autorität, die als Lehrperson jedoch zwingend von Nöten ist.

Der Coach an erster Stelle

Bevor sich Studenten oder Quereinsteiger deshalb für eine Laufbahn als Coach entscheiden, sollten sie eruieren, ob sie in der Lage sind, die Werte, die sie lehren wollen, auch selber zu leben. Genauso wichtig ist es, eigene Defizite oder persönliche Probleme mit Fremd-Therapien auszugleichen.

Als Selbsttherapie Klienten zu coachen und dabei die eigenen Schwierigkeiten zu verdrängen, führt niemals zu einem optimalen Ergebnis. Der Coach muss in dem, was er vermittelt, selbst gut sein. Lehrt er Anpassungsfähigkeit, muss er selbst Agilität leben. Ist er ein Networker, kann er Vernetzungsfähigkeit vermitteln.

Und besitzt er ein gesundes Maß an Selbstvertrauen, so strahlt er diese Fähigkeit in seinen Coachings aus und gibt sie ohne große Probleme an seine Nachfolger und Mitstreiter weiter. Ein guter Coach ist eben mehr als die Summe seiner Methoden.


Über den Autor:

Edgar Ehlers hat jahrelange Erfahrung im Umgang mit agilem Coaching. Ein Master in systemischer Beratung und über 100 zertifizierte Aus- und Weiterbildungen im Bereich Systemische Beratung, Scrum, Agile Kompetenz, gewaltfreie Kommunikation, Psychologie, NLP und Personalentwicklung bilden ein ungewöhnlich vielfältiges Fundament für ein von Klarheit und Respekt geprägtes Coaching und Training nah am Menschen. 

 

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2 Kommentare

  1. Ich habe selbst jahrelang im Softwareumfeld gearbeitet. Stichwort: SCRUM. Da wurde oft agiles Entwickeln als Label benutzt, um dem Chaos einen Namen zu geben. Und am Ende waren die wenigsten bereit, tatsächlich agil zu arbeiten. Man wollte das Beste aus beiden Welten: Agilität und Wasserfall. Das hat aber meist dazu geführt, dass alle negativen Eigenschaften vereint und die positiven meist kompensiert wurden.
    Darum: Wer es schafft, agile Strukturen umzusetzen in einem Unternehmen – Hut ab!

  2. Ja, da sprichst du einen guten Punkt an, Andrea. Wenn man versucht, das Beste aus beiden Welten zu nehmen, kann das schnell dazu führen, dass man das Schlechteste aus beiden Welten nimmt bzw. es sich so einschleift. Wir Menschen sind eben Gewohnheitstiere.

    Wir haben deswegen die Erfahrung gemacht: Radikal auf Agile setzen. Oder einen Plan für eine hybride Arbeitsweise (z.B. klassische Meilenstein-Planung fürs Budget, aber Produktentwicklung agil) entwickeln.

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