Apps für Entrepreneure (Bild: Copyright urbanbuzz/Shutterstock.com, Sergey Nivens/Shutterstock.com, Klaus Reichert)

Apps und Tools für Entrepreneure

Der Erfolg von Selbstständigen und StartUps basiert unter anderem auf den richtigen Collaboration-Tools. Diese sind empfehlenswert.

Ein Gastbeitrag von Dr. Klaus Reichert, Berater & Coach

Tools für mehr Produktivität

Jeder gute Handwerker hat ausgewählte Werkzeuge und beherrscht und pflegt sie. Smartphones wie das iPhone gehören zu den Werkzeugen von Entrepreneuren und Managern, die wir kennen und beherrschen müssen, um ihr volles Potential nutzen zu können. Und damit unser eigenes Potential besser entfalten können. Mit dieser technischen Verbindung in die Welt, hat der Nutzer oder die Nutzerin plötzlich “mehr Hände”, wird produktiver, informierter und vernetzter, gerade wenn sie helfen, Teams, Partner und den Startup Coach mit einzubeziehen.

Die zunehmende Digitalisierung unserer Welt hat im Smartphone seine (vorläufige) Entsprechung gefunden. Das iPhone und seine Smartphone-Kollegen sind ein sehr persönliches Element des vernetzten Lebens und Arbeitens. Sie sind eine gute Antwort auf die Anforderungen der zunehmenden Flexibilisierung und Mobilisierung unserer Tätigkeiten und lösen nach und nach herkömmliche Geräte für viele Aufgaben ab, angefangen bei PC und Laptop, über Navigationsgeräte, Bahntickets bzw. Bordkarten bis zu Fernsehern und Bücher. Und zum Glück gibt es eine riesige Auswahl Apps, die ein iPhone für einen Entrepreneur unersetzlich macht. So wird der hohe Anschaffungspreis des Geräts durch den Produktivitätsgewinn leicht wieder aufgewogen.

Die Kernaufgaben von Entrepreneuren

Abhängig vom Stadium, in dem sich das StartUp befindet, verändert sich der Schwerpunkt der Aufgaben. Zentrale Themen – gerade am Anfang – sind die Entwicklung einer Vision und von Zielen, eines nachhaltigen Geschäftsmodells sowie die Entwicklung von ersten Angeboten zusammen mit den zukünftigen Kunden. Je nachdem, welche Methode du für dein Vorhaben bevorzugst, werden die Begriffe abweichen. Die Aufgaben werden aber immer eine ähnliche Abfolge haben: Nach dem Erkennen von Chancen für eine unternehmerische Tätigkeit wirst du ein prototypisches Angebot erarbeiten, dieses im kontinuierlichen Austausch mit vielen Personen weiterentwickeln und ab einem bestimmten Zeitpunkt auf den Markt bringen.

Der Ausbau dieses Angebots wird dann idealerweise auf den Erkenntnissen aus dem intensiven Austausch mit deinen Kunden und Interessenten stattfinden. So entsteht ein Kreis bzw. Spirale und der ursprüngliche Ansatz wird idealerweise ständig weiterentwickelt.

Zusammengefasst ergeben sich daraus diese Kernaufgaben von Entrepreneuren:

• Identifikation von unternehmerischen Chancen: Finden, Bewerten & Vision entwickeln
• Deren kreative Umsetzung: Gestalten, Austauschen & Organisieren
• Geschäftliche Anwendung: Kommunizieren, Messen & Weiterentwickeln

Was hat das mit dem iPhone und einer Wand zu tun?

Alle diese Aufgaben haben sehr viel mit Kommunikation und der zielgerichteten Kombination von Skills zu tun. Ein Grund, warum Investoren vorzugsweise auf gute Teams setzen. Und Teams brauchen Führung in Form einer Vision mit echten Zielen, erreichbaren Schritten auf dem Weg zu diesem Ziel und kontinuierlichem Austausch zur Bündelung der Energie der einzelnen Mitglieder.

Das iPhone und eine Wand bieten dafür die Grundlage:
⁃ Mit dem iPhone überwinden wir sehr mobil Distanzen in der Zusammenarbeit, fokussieren auf Details und haben den direkten und ortsunabhängigen Zugriff auf unsere Ergebnisse
⁃ Mit der Wand haben wir einen Platz für den lokalen Austausch, können Zusammenhänge darstellen und schaffen (auch kurzfristig) Überblick

Um beides richtig nutzen zu können brauchen wir vor allem Apps. Im Folgenden stelle ich je drei Apps als Anregung vor, sortiert nach den oben genannten Kernaufgaben von Entrepreneuren.

Apps für die Identifikation unternehmerischer Chancen

Dieser Bereich umfasst das Finden, Bewerten von Chancen und die Entwicklung einer Vision für das Unternehmen und seine Angebote. Am Beispiel Google wird deutlich, was ich meine: Angefangen hat es mit einer Idee für bessere Suchergebnisse im wachsenden Internet. Diese Beobachtung einer unternehmerischen Chance wurde in vielen Varianten durchdacht und bewertet. Schlussendlich stand die Vision, alle Informationen der Welt zu organisieren und immer un überall zugänglich zu machen. Diese wurde Antrieb für neue Google Angebote, gibt sie doch einen Kontext für die Tätigkeit und eine grobe Richtung vor.

Finden: Feedly

Feedly erlaubt es, eine Vielzahl von Newsquellen an einem Ort zu sammeln, zu lesen und zu teilen. Es nimmt Inhalte von Google News auf, von RSS-Feeds und Blogs. Zudem schlägt es eigene Nachrichtenthemen vor. Feedly macht das Teilen über Twitter, Facebook, Buffer und Hootsuite sehr einfach. Interessante Artikel können leicht in Evernote oder OneNote gespeichert werden, Automatisierungen sind über Zapier möglich.

Bewerten: Google Trends

Die Google Trends-App zeigt wofür sich die Gesellschaft interessiert, indem ausgewertet wird, welche Themen auf Google und Youtube gesucht werden. Zudem können Nachrichten zu selbst gewählten Themen und Trends abonniert werden.

Vision entwickeln: Mindmeister

Mindmeister ist das geniale Cloud-Tool für Mindmaps. Es ermöglicht gleichzeitige Brainstormings von mehreren Teilnehmenden, auch ortsunabhängig. Die Nutzung erfolgt über App oder Browser. Mit der „Geistesblitz“ Funktion können einfach Ideen per E-Mail gesammelt werden. Zudem arbeitet Mindester mit Meistertask für die Umsetzung zusammen (siehe weiter unten). Uneingeschränkte Empfehlung!

Apps für das Umsetzen der Chancen

Bei der Umsetzung der gefundenen unternehmerischen Chancen nimmt das Gestalten einen großen Raum ein. Dazu gehört die Gestaltung des Geschäftsmodells, des Angebotsportfolios, erster Prototypen und natürlich auch der Website. Mit allen diesen Aktivitäten ist ein reger Austausch verbunden mit einer Vielzahl Menschen: Partner, potentielle Kunden und Investoren, Teammitglieder, Dienstleister. Damit kein Kommunikations- und Organisationschaos entsteht, kommen hier idealerweise Managementsysteme zum Einsatz.

Gestalten: IDEO Method Cards

Die IDEO Method Cards stammen von den Entwicklern des Design Thinkings und sind eine Sammlung von 51 Methoden. Sie geben Anregungen für Designprozesse, Kommunikation und regen an, um die Ecke zu denken nach den Kategorien: Lernen, Beobachten, Fragen, Versuchen.

Austauschen: zoom.us

Teams müssen sich austauschen, z.B. bei Produktbesprechungen, Sprint Reviews oder Kundengesprächen. In vielen Fällen können sie dazu nicht gemeinsam im selben Raum sein, sondern müssen verteilte Teilnehmende zusammenbringen. Für diese Video-, Web- oder Telefonkonferenzen gibt es eine Vielzahl von Tools wie z.B. Skype, Google Hangouts, Webex, GoToMeeting. Besonders einfach zu nutzen ist zoom.us. Der Dienst verbindet auf einfache Weise diese Welten, sodass an derselben Konferenz Teilnehmende via Telefon, App, klassischem Videokonferenzraum und Browser ganz unkompliziert teilnehmen können. Es hat die bekannten Features wie Whiteboard und Chat und kann auf sehr große Teilnehmerzahlen erweitert werden.

Organisieren: Meistertask

Meistertask ist ein Aufgaben- und Produktivitätstool für Einzelpersonen und kleine Teams aus München. Als Management-System basiert es auf der Kanban-Methodik und ist dadurch sehr übersichtlich und leicht zu nutzen. Über die direkte Anbindung an das Mindmapping Tool Mindmeister können Brainstormings direkt in Aufgaben umgewandelt und einzelnen Teammitgliedern zugewiesen werden. Trello ist eine bekannte Alternative nach dem Kanban-Prinzip. Es gibt eine riesige Anzahl an Management-Systemen mit unterschiedlichem Fokus, z.B. Asana, OpenProject oder Basecamp.

Apps für die geschäftliche Anwendung unternehmerischer Chancen

Bei der geschäftlichen Anwendung der gefundenen und ausgestalteten unternehmerischen Chancen trifft das neue Produkt oder Dienstleistung auf einen breiten Markt. Neben dem Kommunizieren spielt das Messen und das darauf folgende Weiterentwickeln des Angebots eine zentrale Rolle. Browser- oder App-basierte Angebote können sehr leicht dann optimiert und angepasst werden.

Kommunizieren: Mailchimp

Ein zentrales Kommunikationselement ist Ihre Mailing-Liste. Hier sammelst du Interessenten, potentielle Kunden, Kunden, Partner, Fans und machst diese erreichbar für Ihre Geschichte und Produkte. Sehr einfach zu nutzen ist Mailchimp mit seiner App, die alle Newsletter-Basisfunktionen abdeckt. Der Service integriert sich in WordPress, einer Reihe von CRM-Apps und über Zapier in viele weitere Dienste. Wer den Service ausbauen möchte, kann zusätzliche Automatisierungsmöglichkeiten direkt von Mailchimp nutzen oder auf Dienste wie Hubspot erweitern.

Messen: Analytiks

Wer schnell seine Website Statistik prüfen will, nutzt einfach Analytiks. Gut gestaltete Infografiken zeigen übersichtlich die wichtigsten Website-Daten auf Basis der Google-Analytics-Werte. Warum also nicht gleich, die Google-Analytics-App mehmen? Analytiks macht durch seine Gestaltung die Daten einfacher erfassbar.

Apps für das Weiterentwickeln

Spätestens beim Weiterentwickeln der gefundenen unternehmerischen Chancen kommt die erwähnte Wand ins Spiel. Mit einer Wand haben wir einen Platz für den lokalen Austausch. Geschickt genutzt können wir hier Zusammenhänge darstellen und (auch kurzfristig) Überblick schaffen. Die Wand wird zum gemeinsamen Entwurfsplatz für Websites, Prozesse, Marketingkampagnen, ein Ort für Dokumentation und Präsentation kreativer Ergebnisse. Das dafür übliche Tool ist das Whiteboard: eine weiße, meist auch magnetische Tafel, die mit speziellen, leicht abwischbaren, Stiften einfach beschrieben werden kann.

Klassische Größen sind ca. 90 x 180 cm. Die Wand um das Whiteboard herum ist meist größer und bietet noch mehr Platz. Zudem gibt es meist weitere Flächen, die sich theoretisch zum Beschreiben eignen würden: Schränke, Wände in Fluren oder Teeküchen, große Pfeiler. Hier kommt Ideapaint ins Spiel, eine Farbe, die man erfinden müsste, wenn es sie nicht bereits geben würde. Sie verwandelt jede Fläche in ein weißes oder transparentes Whiteboard. Firmen wie Evernote haben damit auch Flure gestrichen, so dass man auch bei zufälligen Treffen schnell eine Frage klären kann. Jetzt geht der Platz am Whiteboard (fast) nicht mehr aus und es können auch Teams gemeinsam an der Ideapaint-Wand gemeinsam arbeiten. Eine solche Wand kann zudem leicht kombiniert werden mit Design-Thinking-Prozessen und als sehr flexibles Kanban-Board oder für Scrum-Burndown-Charts genutzt werden.

Die Ergebnisse lassen sich dann leicht fotografieren und mit der Bounce-App oder besser Evernote weiter nutzen und teilen.

Was ist, wenn gerade keine gemeinsame Wand da ist? Die Wand als Platz für das gemeinsame Arbeiten verliert seinen Charme, wenn die Teilnehmenden nicht am selben Ort sind. Hier kommen Dienste ins Spiel, die als Web-App auch im iPhone laufen: Dazu gehören Conceptboard aus Stuttgart, Realtimeboard oder Mural. Alle drei bilden das gemeinsame Entwerfen, bearbeiten, dokumentieren und präsentieren am Whiteboard digital nach und erweitern den Funktionsumfang, z.B. durch Aufgabenmanagement. Als Teilnehmender braucht man nur einen Browser und schon ist man dabei, live oder zeitversetzt. Ideal für Storyboards, zur Weiterentwicklung von Websites oder anderen digitalen Produkten, Abstimmung von Produktentwürfen oder schnelles Feedback. Eine kurze Übersicht zum Thema liefert ein Blogbeitrag von mir.

Viel Erfolg!


Hinweis:

Bild: Copyright urbanbuzz/Shutterstock.com, Sergey Nivens/Shutterstock.com, Klaus Reichert

Dieser Fachbeitrag basiert auf dem Buch „Apps für Entrepreneure – Startups führen mit dem iPhone & einer Wand“ – ein Praxisbuch mit über 50 App-Empfehlungen. Gerade für Entrepreneure in den Frühphasen gibt das Buch wertvolle Hilfestellung und Orientierung beim Aufbau der Organisation und der persönlichen Produktivität. Verfügbar im iBook Store und bei Amazon.

Über den Autor:

Dr. Klaus Reichert ist als Berater und Coach mit Herzblut fokussiert auf Zukunft & Innovation: „what’s next“, „what if“ & „let’s do this“ sowohl für große Unternehmen als auch KMUs und Startups. Er ist Fachbuchautor, Redner bei zahlreichen Events und Organisator von TEDxBodensee.

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