Finanzplan (Bild: Unsplash)

So sieht ein Finanzplan aus, der überzeugt

Du möchtest den Finanzplan für dein eigenes Unternehmen schreiben, weißt aber nicht genau, wie du das anstellen sollst? So geht’s.

Ein Gastbeitrag von Tobias Bug

Businessplan und Finanzplan gehören zusammen

Der Finanzplan ist das Herzstück deines Businessplans. Er stellt die Entwicklung deines Unternehmens in Zahlen dar und zeigt auf, ob sich dein Vorhaben lohnt.

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Wichtige Bestandteile des Finanzplans sind die Bestimmung der Gründungskosten und der Ausgaben für Investitionen, die getätigt werden müssen. Außerdem musst du deinen Kapitalbedarf über die Plan-Gewinn-und-Verlust-Rechnung und die Liquiditätsrechnung ermitteln.

Abschließend solltest du darlegen, wie du deinen Kapitalbedarf decken möchtest.

Wie erstellt man einen Finanzplan?

Bei der Erstellung deines Finanzplans empfiehlt es sich, nach folgenden vier Schritten vorzugehen:

Nr. 1: Gründungskosten und Investitionen ermitteln

Ohne Investitionen kannst du kein Unternehmen gründen. Um loszulegen, musst du also zunächst Geld in die Hand nehmen.

Zuerst solltest du dir Gedanken darüber machen, wie hoch deine Gründungskosten sind und welche Investitionen du zu Beginn deines Vorhabens tätigen musst. Diese beiden Punkte bilden den ersten Bestandteil deines Kapitalbedarfs. Du solltest sie in deinem Finanzplan getrennt voneinander auflisten.

Gründungskosten

  • Administrative Gründungskosten sind Kosten wie für die Gewerbeanmeldung, den Anwalt oder Anmeldegebühren für Patente.
  • Businessplanbezogene Gründungskosten beziehen sich auf Ausgaben für Marktforschung oder Marktanalysen, eventuelle Gründercoachings oder Beratungshonorare.

Investitionen

  • Maklerkosten: Maklergebühren sind zwar keine direkten Investitionen, doch die Ausgaben hierfür sind nicht zu vernachlässigen. Es handelt sich bei diesen Investitionen nicht nur um Gebühren für den Immobilienmakler, der dir die passenden Büroräume vermittelt, sondern auch um Kosten für die Vermittlung von Personal.
  • Investitionen in die Geschäftsausstattung: Hierzu gehören Ausgaben für die Büroeinrichtung, das Telefon oder den Internetanschluss.
  • Investitionen in die Produktion: Häufig ist diese Investition mit den größten Ausgaben verbunden. Für die Produktion musst du eventuell Immobilien erwerben oder anmieten und Einrichtungsgegenstände, Fahrzeuge, Material oder Lagerbestände einkaufen.
  • Investitionen in das Produkt: Einigermaßen kostenintensiv sind auch Investitionen in die Entwicklung deiner Produkte oder Dienstleistungen, in das Design und das benötigte Material.
  • Investitionen ins Marketing: Der erste Eindruck zählt – daher ist ein professioneller Auftritt für dein neues Unternehmen ein absolutes Muss. Du solltest bei der Gestaltung der Unternehmenswebseite und des Marketing-Materials wie Flyer und Visitenkarten, der Entwicklung deines Corporate Designs wie deinem Logo und den Geschäftsunterlagen nicht geizen.

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Nr. 2: Laufende Kosten ermitteln

Es ist ganz normal, dass du in den ersten Monaten nach der Gründung mehr Geld ausgibst, als du einnimmst. Das musst du unbedingt berücksichtigen, wenn du dich an den zweiten Teil deiner Kapitalbedarfsberechnung machst: der Ermittlung der laufenden Kosten.

Vergiss zudem nicht, private Ausgaben und den Unternehmerlohn, also das Gehalt, das du dir selbst zahlst, miteinzuplanen. Du solltest die Liquidität deines Unternehmens kontinuierlich überwachen. Denn Liquiditätsengpässe können das Aus für dein Vorhaben bedeuten.

Es ist unheimlich wichtig, dass du bereits in der Gründungsphase eine Kalkulation über deine laufenden Kosten machst. Damit stellst du sicher, dass du die laufenden Kosten während der Gründungsphase decken kannst. Denn in der Startphase fallen häufig noch nicht ausreichend Gewinne ab.

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GuV: Gewinn- und Verlust-Rechnung

Du berechnest deine laufenden Kosten mit der Plan-Gewinn-und-Verlustrechnung (GuV): Bei dieser stellst du fein säuberlich deine monatlichen Ausgaben deinen geplanten Einnahmen gegenüber. Versuche dabei unbedingt, so realistisch wie möglich zu planen. Denn die meisten Gründungen scheitern an Liquiditätsengpässen infolge mangelnder Finanzplanung.

Umsatz planen

Bei der Berechnung des Umsatzes empfiehlt es sich, dir die Umsatzzahlen deiner Konkurrenten in den vergangenen Jahren anzuschauen. Außerdem ist es ratsam, eine GuV für den „Normalfall“ aufzustellen – also wenn alles so läuft wie du es dir vorstellst; Und eine pessimistischere für den Fall, dass es nicht so läuft.

Break Even ermitteln

Wenn du deine GuV erstellt hast, kannst du daran den sogenannten Break-Even-Point und eine Finanzierungslücke ablesen. Unter dem Break-Even-Point versteht man den Zeitpunkt, an dem deine laufenden Kosten durch deine monatlichen Umsätze gedeckt werden – er ist somit ein wichtiger Meilenstein deiner Gründung. Er ist auch für deine Investoren oft von großer Bedeutung.

Finanzierungslücken finden

Die Finanzierungslücke ist der maximale Wert der jeweils monatlich aufgelaufenen Verluste und berechnet sich wie folgt: monatlicher Umsatz minus laufende Kosten pro Monat.

Beachte außerdem, dass deine Einnahmen in aller Regel nicht sofort auf deinem Unternehmenskonto eingehen. Das ist besonders wichtig, um möglichen Liquiditätsengpässen vorzubeugen. Hierfür solltest du einen Liquiditätsplan erstellen, der aufzeigt, wann genau du wie viel Geld einnimmst und ausgibst.

Nr. 3: Kapitalbedarf ermitteln und Rentabilitätsrechnung durchführen

In den ersten beiden Schritten hast du die zu finanzierenden Kosten für dein Unternehmen ermittelt: Deine Gründungskosten und Investitionen sowie deine laufenden Kosten. Nun kannst du im nächsten Schritt deinen gesamten Kapitalbedarf berechnen.

Gut zu wissen: Oft sind Gründer bei der Kapitalbedarfsermittlung zu optimistisch. Diesen Fehler solltest du nicht machen – plane deshalb einen Puffer ein!

Kapitalbedarf herausfinden

Zur Ermittlung deines gesamten Kapitalbedarfs addierst du einfach deine Gründungskosten mit deinen Investitionen und deinen laufenden Kosten.

Für den im vorangegangenen Schritt durchgespielten „Normalfall“ solltest du zudem ein Puffer von 25 Prozent zum Kapitalbedarf hinzurechnen. Das brauchst du für das pessimistische Szenario nicht zu tun – hier hast du ja schon recht konservativ geplant.

Rentabilität berechnen

Die Rentabilitätsrechnung gibt Auskunft über die wirtschaftliche Attraktivität deines Unternehmens. Du kannst anhand der Rentabilitätsrechnung also herausfinden, ob sich dein Unternehmen lohnt.

Auch für deine Geldgeber ist dieser Teil deines Finanzplans wichtig: Er liefert nämlich umfassende Informationen zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit deiner Gründung.

Zur Erstellung der Rentabilitätsrechnung gehst du folgendermaßen vor: Du setzt den in der GuV ermittelten Gewinn ins Verhältnis zu dem eingesetzten Eigenkapital (Gewinn / Eigenkapital). Daraus ergibt sich die Eigenkapitalrendite.

Auch relevant ist die Gesamtkapitalrendite, bei der du den erwirtschafteten Gewinn plus Zinsen ins Verhältnis zum gesamten eingesetzten Kapital, also Eigenkapital und Fremdkapital deiner Gesellschaft, setzt. Die Formel lautet:

(Gewinn + Zinsen) / (Eigenkapital + Fremdkapital) 

Nr. 4: Finanzierung des Kapitalbedarfs

Du hast den Kapitalbedarf für dein Unternehmen ermittelt und mithilfe der Rentabilitätsrechnung geprüft, ob sich dein Vorhaben lohnt. Nun solltest du dir Gedanken machen, wie genau du diesen Betrag zu finanzieren gedenkst.

Mögliche Finanzierungsformen sind eigene Mittel, Crowdfunding, zusätzliches Eigenkapital über Business Angels, Wagniskapitalfonds oder andere Investoren oder Finanzierungsinstrumente wie Darlehen und Warenkredite.

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Auch die Frage nach dem optimalen Verhältnis zwischen Eigenkapital und Fremdkapital solltest du in diesem Teil deines Finanzplans beantworten.

Was ist Eigenkapital?

Eigenkapital bezeichnet die Art von Finanzierung, bei dem das Kapital dem Unternehmen gehört – die Eigenkapitalgeber sind somit die Eigentümer des Unternehmens. Eigenes Kapital zählt hier genauso dazu wie Fördergelder oder von Business Angels oder Wagniskapitalgebern zur Verfügung gestelltes Kapital.

Was ist Fremdkapital?

Fremdkapital ist dagegen die Form der Finanzierung, bei der Kapital nur für einen gewissen Zeitraum zur Verfügung gestellt wird. Für die Bereitstellung verlangt der Fremdkapitalgeber in aller Regel die Rückzahlung des Kapitals inklusive eines Zinses nach einer vereinbarten Laufzeit.

Mögliche Arten: Mikrokredite, Kredite von Privat, klassische Bankdarlehen oder Fördermittel. Auch Bürgschaften oder Kontokorrentkredite für die Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsengpässe zählen dazu.

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Eigen- vs. Fremdkapital

In der Gründungsphase wirst du realistischerweise vor allem Eigenkapital einsetzen, da es schwierig sein dürfte, in dieser Phase Fremdkapitalgeber zu finden. Mit zunehmender Reife deines Unternehmens wird es dann immer wichtiger, durch die Aufnahme von Fremdkapital eine effiziente Kapitalstruktur sicherzustellen.

Die Höhe der idealen Fremdkapitalquote hängt stark von deinem Geschäftsmodell ab. Wichtig ist aber: Ein hoher Anteil an Fremdkapitalfinanzierung kann gerade in Krisensituationen zu großen Problemen führen.

Das gehört in deinen Finanzplan

Hast du die vier oben beschriebenen Schritte abgearbeitet, kannst du einen systematischen Finanzplan für dein Unternehmen erstellen. Hier noch einmal auf einen Blick die essenziellen Bestandteile deines Finanzplans zusammengefasst:

  • Gründungskosten: Übersicht über die initialen Kosten für deine Gründung
  • Investitionen: Wofür tätigst du Investitionen?
  • Laufende Kosten: Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben (Plan-GuV) – Ab wann wirst du Gewinne erzielen?
  • Liquiditätsplan: Bestehen gegebenenfalls Liquiditätsengpässe?
  • Kapitalbedarfsermittlung: Gründungskosten + Investitionen + laufende Kosten = Kapitalbedarf
  • Rentabilitätsrechnung: Eigenkapitalrendite und Gesamtkapitalrendite – Lohnt sich dein Vorhaben?
  • Finanzierungsformen deines Kapitalbedarfs

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Vorstellung deines Finanzplans

Hast du den Finanzplan für dein Unternehmen gestellt, kannst du dich mit einem guten Gefühl auf das Gespräch mit möglichen Investoren oder den Banken vorbereiten.

Bei Gesprächen mit möglichen Kapitalgebern steht natürlicherweise der Finanzplan im Mittelpunkt. Du solltest aufzeigen können, welchen Kapitalbedarf du für dein Vorhaben hast und welchen Finanzierungsmix du anstrebst.

Auch wenn die Vorhersage der Zukunft natürlich nie zu 100% sicher ist, ist eine Drei-Jahres-Vorschau der Gewinn-und-Verlustrechnung fester Bestandteil eines Investorengesprächs. Dabei geht es nicht in erster Linie um die Genauigkeit der Zahlen, sondern um die Plausibilität der von dir erwarteten Entwicklung. Stelle hierfür die Annahmen für die verschiedenen Szenarien dar: „Normalfall“ und pessimistische Variante.

Abschließend stellst du die Entwicklung der Liquidität deines Unternehmens dar. Diese verdeutlicht, ob du tatsächlich in der Lage sein wirst, mit deinem Vorhaben erfolgreich zu sein.

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Fazit

Ich habe dir in diesem Beitrag gezeigt, wie du den Finanzplan für dein Unternehmen erstellst. Außerdem habe ich dir abschließend Tipps für dein Investorengespräch gegeben. Mach‘ dich nun an die Arbeit: Erstelle deinen Finanzplan in vier Schritten und präsentiere ihn anschließend deinen möglichen Investoren!


Über den Autor:

Tobias Bug ist angehender Journalist, er schreibt unter anderem für Gründerplattform.de. Seinen Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen an der TU München und seinen Master an der HAW Hamburg möchte er nach dem Abschluss für eine Laufbahn als Wirtschaftsjournalist verbinden. 

 

Bild: Unsplash

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