Flexible Arbeitszeit (Fotolia.com © olezzo #201198183)

Flexible Arbeitsmodelle: sinnvoll oder nicht?

Moderne Arbeitsmodelle werden immer flexibler und gehen längst über das klassische HomeOffice hinaus. Das sind die Vor- und Nachteile.

Alle Welt spricht über flexible Arbeitsmodelle

Wenn du ein StartUp ins Leben gerufen hast, kommst du früher oder später an den Punkt, an dem du Mitarbeiter einstellen willst. Spätestens jetzt musst du dir über den Arbeitsrahmen Gedanken machen, welchen du deinen zukünftigen Mitarbeitern bieten möchtest.

Früher stellte sich diese Frage nicht. Damals waren die 35- bis 40-Stunden-Woche und ein fixer Arbeitsplatz im Büro quasi in Stein gemeißelt. Irgendwann kam das HomeOffice auf und stellte den Beginn einer neuen Ära dar.

Dank der fortschreitenden Digitalisierung, ist die Arbeit mittlerweile deutlich flexibler geworden. Die „New Work“ bietet plötzlich Möglichkeiten, die weit über das HomeOffice hinausgehen: Sechs-Stunden-Arbeitstage, Vier-Tage-Woche, Remote Work oder das Leben als digitaler Nomade sind nur einige Beispiele.

Interessant ist, dass es vor allem StartUps sind, welche diese Entwicklung der flexiblen Arbeitsmodelle vorantreiben. Wieso eigentich?

Die meisten Startups haben ein großes Problem

Viele StartUps finden keine qualifizierten Mitarbeiter. Das ist besonders im Bereich der digitalen Wirtschaft der Fall, die laut dem Deutschem StartUp-Monitor das wichtigste Gründungsumfeld darstellt. Hierunter fallen etwa Fintech-Unternehmen, die sich im Bankensektor für die digitale Revolution verantwortlich zeichnen – sofern sie sich gegen die Konkurrenz durchsetzen können.

Dabei ist es nicht allein das Ringen um qualifizierte IT-Kräfte, sondern nicht zuletzt das Thema Gehälter, bei dem Fintech-StartUps gegenüber den großen Banken das Nachsehen haben. Hiermit bestätigt sich außerdem eines der Vorurteile, mit dem junge Unternehmen nach wie vor zu kämpfen haben: Mit ihnen werden gemeinhin eine Menge Überstunden, Stress und eben eine unterdurchschnittliche Bezahlung assoziiert.

Das sind Vorurteile, die allerdings nicht ohne Grund entstanden. Tatsächlich bedeutete das Arbeiten in einem StartUp lange Zeit nicht unbedingt ein Zuckerschlecken – und das ist in vielen neuen Unternehmen bis heute der Fall.

Die Generation Y möchte flexible Arbeitsmodelle

Gründer von Startups sind in der Regel durchschnittlich 31 Jahre alt und arbeiten gerne mit jüngeren Mitarbeitern zusammen. Gerade diese jüngeren Generationen sind es, die mittlerweile nicht mehr bereit sind, ihr Privatleben (vollständig) dem Job aufzuopfern. StartUps sind für sie als Arbeitgeber auf den ersten Blick also nicht attraktiv.

Die Absolventen-Studie des Kienbaum Instituts @ ISM für Leadership & Transformation kam demnach zu dem Ergebnis, dass für Absolventen vor allem die Familie, soziale Beziehungen sowie eine ausgewogene Work-Life-Balance im Leben wichtig sind. Diese Kriterien spielen auch bei der Wahl des Arbeitgebers eine tragende Rolle.

Gerade einmal sechs Prozent der Befragten könnten sich vorstellen, ihre Karriere in StartUps zu beginnen. Flexible Arbeitsmodelle räumen dieses Problem zwar nicht gänzlich aus dem Weg. Sie sind aber zumindest ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, damit StartUps für Absolventen attraktiv werden.

Wie kann und sollte flexible Arbeit im StartUp aussehen?

Als Zwischenfazit lässt sich festhalten, dass flexible Arbeitsmodelle für StartUps nicht nur sinnvoll sind, sondern unverzichtbar. Du solltest somit nicht die Frage nach dem „Ob“ stellen. Stattdessen geht es um das „Wie“.

Je nach Branche und Tätigkeit eignet sich nicht jedes Modell für dein junges Unternehmen. Müssen beispielsweise Kunden betreut werden, können nicht sämtliche Mitarbeiter auf einer thailändischen Insel in der Hängematte arbeiten. Und hast du erst wenige Angestellte, die jeweils auf ihren Fachbereich spezialisiert sind, macht das Jobsharing (noch) keinen Sinn.

Es lohnt sich deshalb ein Blick auf die häufigsten flexiblen Arbeitsmodelle, ihre Vorteile sowie Möglichkeiten:

HomeOffice

Die “Telearbeit” steigert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie kann in fast allen Berufen umgesetzt werden, die vor allem digital stattfinden oder alleine durchgeführt werden. Das betrifft beispielsweise kreative Tätigkeiten wie das Webdesign.

Jobsharing

Das Jobsharing ermöglicht die Teilzeitarbeit, wo es eigentlich nur Vollzeitstellen gibt. Ein Modell, das vor allem für Berufe geeignet ist, wo die betreffende Person zur Erfüllung ihrer Aufgaben vor Ort physikalisch anwesend sein muss.

Remote Work

Die Remote Work setzt sich zunehmend in all jenen Branchen durch, wo die Arbeit sowie Kommunikation rein digital stattfinden kann. Ein Beispiel ist der bei Absolventen beliebte Bereich des Online-Marketings.

Coworking Spaces

Sie stellen eine Alternative für sehr kleine Startups dar, die noch keine eigenen Räumlichkeiten haben oder an dieser Stelle Geld sparen wollen. Besonders effektiv ist die Arbeit im Coworking Space in Kombination mit einer Homeoffice-Regelung.

Vier-Tage-Woche

Die Reduktion der Arbeit auf vier Tage pro Woche mit verlängertem Wochenende kann jenen StartUps als Alleinstellungsmerkmal dienen, welche große Probleme bei der Mitarbeiter-Rekrutierung haben. Häufig trifft das aufgrund des Fachkräftemangels für die IT zu.

Sechs-Stunden-Arbeitstag

Nur sechs Stunden pro Tag arbeiten bei gleichbleibender Bezahlung? Auch dieses Argument verspricht große Erfolge für das Employer Branding in vom Fachkräftemangel betroffenen Branchen.

Vertrauensarbeitszeit

Auf den ersten Blick klingt sie attraktiv, auf den zweiten Blick ist sie aus Arbeitnehmersicht aber meist eine Mogelpackung. Unbezahlte Überstunden? Nein, danke! Die Vertrauensarbeitszeit wirkt auf Mitarbeiter eher abschreckend und ist daher nicht für StartUps geeignet.

Unbegrenzter Urlaub

Das Konzept des unbegrenztem Urlaubs klingt zwar aus Arbeitnehmersicht attraktiv, ist aber vor allem für junge StartUps nur schwer umzusetzen und ein Risikofaktor. Dieses Arbeitsmodell eignet sich deshalb, wenn überhaupt, nur für Unternehmen, die bereits am Markt etabliert und finanziell gut aufgestellt sind.

Sabbatical

Auch das Sabbatical ist für kleine Unternehmen eher schwierig umzusetzen. Denn hier bist du oft noch auf die Expertise jedes einzelnen Mitarbeiters angewiesen und kannst eine Lücke bei dessen längerer Anwesenheit nicht problemlos schließen.

Fazit

Auch wenn dir bei den flexiblen Arbeitsmodellen einige Grenzen gesetzt sind, solltest du ein passendes Konzept für dein StartUp suchen. Nur so wirst du dich langfristig gegen die Konkurrenz am Markt behaupten und die besten Mitarbeiter für dein Unternehmen gewinnen können. Denn die Mitarbeiter sind bekanntlich der Puls eines jeden erfolgreichen Unternehmens!

Bild: Fotolia.com © olezzo #201198183

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