Team (Bild: Pixabay)

Gründen im Team: Vorteile und Herausforderungen

Teamgründungen stehen hoch im Kurs. Vor allem StartUps werden mehrheitlich von Teams aus der Taufe gehoben. Das ist aber gar nicht so einfach.

Ein Gastbeitrag von Dr. Jan Evers 

Im Team zu gründen hat einige Vorteile

Klar ist: Mit anderen zusammen lässt sich einfach mehr bewegen. Vor allem komplexe und sehr dynamische Gründungsvorhaben lassen sich alleine kaum auf die Beine stellen.

Wer sich entschließt, gemeinsam mit einem oder mehreren Partnern zu gründen, profitiert in mehrfacher Hinsicht:

  • Mehr Gründer bedeuten in der Regel mehr Geld. Durch das Gründen im Team lässt sich der Eigenkapitalanteil bequem erhöhen – eine wichtige Voraussetzung für den späteren Erfolg.
  • Gründungsteams bringen mehr Wissen und Erfahrungen mit. Im Idealfall ergänzen sich die einzelnen Mitglieder in ihren Kompetenzen so, dass alle für die Gründung relevanten Bereiche abgedeckt sind.
  • Das enorme Arbeitspensum, das eine Gründung mit sich bringt, kann in Teams besser verteilt werden. Falls einer der Co-Gründer krank wird, löst dies nicht gleich eine Unternehmenskrise aus, weil jemand da ist, der einspringen kann.
  • Die Motivation in Teams ist oft größer und hält länger an. Zudem können sich die Teammitglieder in schwierigen Situationen gegenseitig wieder aufbauen und zum Weitermachen antreiben.

Aus den genannten Gründen erfreuen sich Teamgründungen auch bei Kreditgebern großer Beliebtheit, weshalb es mehreren Gründern oft leichter fällt, eine Finanzierung für ihr Gründungsvorhaben zu bekommen, als Einzelkämpfern.

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Das gemeinsame Gründen auch seine Schattenseiten

  • Teamgründungen sind konfliktträchtiger als Ein-Mann-Unternehmungen.
  • Abstimmungsprozesse werden aufwendiger und langwieriger, je mehr Gründer beteiligt sind.
  • Geteiltes Risiko bedeutet geteilte Gewinne – das Unternehmen muss mehr abwerfen, um die wirtschaftliche Existenz aller Teammitglieder zu sichern.

Da wundert es kaum, dass Krach und Konflikte zu den häufigsten Ursachen für das Scheitern von Teamgründungen zählen. Ohne gegenseitiges Vertrauen, eine offene Kommunikation und ein hohes Maß an Kritikfähigkeit auf allen Seiten wird es nicht gehen.

So findest du das passende Team

Sympathie ist natürliche eine wichtige Basis für funktionierende Teams – schließlich verbringen sie jeden Tag viele Stunden miteinander und arbeiten sehr eng zusammen. Häufig wird Sympathie aber mit Freundschaft verwechselt. Ein Irrtum, dem schon so manche innige Freundschaft zum Opfer gefallen ist.

Bei einer gemeinsamen Unternehmensgründung kommt es nicht so sehr darauf an, dass man über die gleichen Dinge lachen und viele schöne Erinnerungen miteinander teilt. Was viel mehr zählt sind eine ähnliche Arbeitsauffassung und gemeinsame Ziele.

Der nette, aber langweilige Finanzprofi wäre also für dein Team vermutlich besser geeignet, als dein Kumpel aus Schulzeiten, mit dem du zwar viel Spaß haben kannst, der dich aber mit seiner Unzuverlässigkeit in den Wahnsinn treibt.

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Bevor du dich mit deinen besten Freunden in das Abenteuer Unternehmensgründung stürzt, solltest du dir daher die folgenden drei Fragen stellen:

Nr. 1: Welche Kompetenzen braucht mein Team?

Notiere, welche Fähigkeiten für deine Gründung erforderlich sind, welche du davon schon mitbringst und wo du Schwächen hast. Diese sollten durch deine Teammitglieder ausgeglichen werden können. Das gilt nicht nur für die fachlichen Kompetenzen, sondern auch für die Softskills. Ein Haufen enthusiastischer Macher wird vermutlich weniger erfolgreich sein, als ein Team, in dem es auch analytische Geister und gute Zuhörer gibt.

Nr. 2: Was erwarte ich von meinem Team?

Eigentlich würdest du am liebsten alles alleine entscheiden, aber dein Kassensturz hat ergeben, dass dein Geld nicht reicht? Dann brauchst du kein Team, sondern einen Investor. Der fordert zwar auch gewisse Mitspracherechte, wird aber nicht jeden Tag an deiner Seite sein.

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Wenn du aber echte Unterstützung suchst und Lust hast, gleichberechtigt mit anderen ein Unternehmen aufzubauen, dann solltest du dich auf die Suche nach den geeigneten Begleitern für diese Reise machen.

Nr. 3: Wie viele Leute will ich ins Boot holen?

Auch auf Existenzgründungen trifft der alte Spruch zu: Zu viele Köche verderben den Brei. Teams aus zwei oder drei Co-Foundern sind gemeinhin am erfolgreichsten, bei vier und mehr Personen steigen der Abstimmungsbedarf und die Konfliktwahrscheinlichkeit rapide an. Aber unmöglich ist es nicht!

Gerade, wenn ein Vorhaben sehr komplex ist und viele unterschiedliche Fähigkeiten verlangt,  spricht nichts dagegen, auch zu viert oder zu fünft an den Start zu gehen. Nur dem Zufall überlassen solltet ihr die Größe und Zusammensetzung des Teams nicht.

So gelingt deine Teamgründung

Wenn du das passende Team gefunden hast, solltest du mit deinen Mit-Gründern frühzeitig ein paar Dinge regeln, um Streitigkeiten vorzubeugen und auf den Konfliktfall vorbereitet zu sein.

  • Verschafft euch Klarheit über die Ziele und die Werte des Teams und trefft eine gemeinsame Zielvereinbarung, die ihr schriftlich fixiert. Ein Coaching oder professionell angeleitete Workshops können sich auszahlen.
  • Ein Businessplan als ausformulierte Anleitung für den Aufbau des gemeinsamen Unternehmens ist gerade bei Teamgründungen unerlässlich. Kommen schon im Verlauf des Planungsprozesses Konflikte zum Ausdruck, die nicht gelöst werden können, ist dies ein ernstzunehmendes Alarmsignal, das ihr keinesfalls ignorieren solltet.
  • Wichtig ist, dass die Aufgaben im Unternehmen sinnvoll verteilt werden. Andernfalls droht Kompetenzgerangel und doppelte Arbeit. Klärt ganz genau, wer für welchen Bereich verantwortlich ist – aber seid euch bewusst, dass jeder von euch für die Unternehmensentwicklung verantwortlich bleibt und über die elementaren ökonomischen Zusammenhänge Bescheid wissen sollte.
  • Das bedeutet auch, dass die Entscheidungsbefugnisse jedes einzelnen klar geregelt sein müssen. Nicht jede Kleinigkeit muss von allen Teammitgliedern abgesegnet werden, aber wichtige Entscheidungen solltet ihr immer gemeinsam treffen.
  • Stellt Einigkeit darüber her, wer wie viel Gehalt bekommt. Es müssen keineswegs alle den gleichen Betrag ausgezahlt bekommen. Unterschiedliche Leistungen oder Risiken können sich durchaus im Gehalt widerspiegeln. Trefft auch eine Vereinbarung darüber, wie viel jeder bekommt, wenn das Unternehmen weniger abwirft als geplant – oder sehr viel mehr.
  • Vertrauen ist gut, Verträge sind besser: Alle wichtigen Vereinbarungen sollten schriftlich festgehalten werden und ggf. vertraglich abgesichert werden. In einem Gesellschaftervertrag solltet ihr für alle zukünftigen Streitfälle so gut es geht vorsorgen. Lasst euch dabei von einem Rechtsanwalt beraten.

So vorbereitet, steht der erfolgreichen Gründung im Team nichts mehr im Wege und du kannst gemeinsam mit deinen Mitstreitern die Vorteile, die diese Form des Gründens mit sich bringt, voll ausschöpfen.

Viel Freude und viel Erfolg dabei!


Über den Autor:

Gründungsexperte Dr. Jan Evers ist Inhaber der Beratungsgesellschaft evers & jung in Hamburg. Er hat jahrelange Erfahrung im Entwickeln von Lösungen für Ministerien, Banken und Wirtschaftsförderer. Seine Expertise fließt in die Entwicklung des Gründungstools SmartBusinessPlan ein, womit das Gründen und die Selbstständigkeit erleichtert werden.

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