Gruendungszuschuss (Bild: Pixabay)

Gründungszuschuss: Das musst du darüber wissen

Der Gründungszuschuss ist eine gute Fördermaßnahme, um Existenzgründern zu helfen. Doch bei der Beantragung gibt es allerlei Dinge zu beachten.

Ein Gastbeitrag von Toni Großmann

Existenzgründung mit der Unterstützung vom Arbeitsamt

Viele Existenzgründer benötigen in der Startphase finanzielle Unterstützung. Diejenigen, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig machen wollen, haben die Möglichkeit den Gründungszuschuss von der Agentur für Arbeit (“Arbeitsamt”) zu erhalten. Doch dieser ist keine Pflichtleistung mehr, sondern wird nach dem Ermessen des Sachbearbeiters gewährt. Ein Rechtsanspruch auf diese Leistung besteht nicht – auch wenn alle Voraussetzungen erfüllt werden.

Es ist nicht immer leicht, den Gründungszuschuss zu bekommen, da die Berater vor Ort häufig eher Jobs vermitteln wollen, statt den Gründungszuschuss zu bewilligen. Sie reden den Gründungswilligen die Selbständigkeit sogar aus oder sagen ihnen, dass die Chancen für eine Förderung nicht gut stehen. Davon sollte man sich jedoch nicht entmutigen lassen.

Hier gilt: Vorbereitung ist alles, denn die Arbeitsagentur muss begründen, warum sie jemanden ablehnt. Und wer sich gut vorbereitet, hat oft die besseren Argumente!

Was ist der Gründungszuschuss?

Der Gründungszuschuss gilt für Arbeitslosengeld-I-Empfänger in der Startphase der Unternehmensgründung, um sie zur Sicherung des Lebensunterhalts finanziell zu unterstützen. Denn häufig reichen die ersten Einnahmen noch nicht aus. Der Zuschuss muss nicht zurückgezahlt werden und wird in zwei Phasen über maximal 15 Monate geleistet.

Während der ersten sechs Monate nach Gründung entspricht der Zuschuss der Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes zuzüglich 300 Euro, die pauschal zur Deckung der Sozialversicherungsabgaben gezahlt werden. Ab dem siebten Monat kann eine Pauschale in Höhe von 300 Euro für weitere neun Monate bewilligt werden. Diese wird jedoch nur genehmigt, wenn der Gründer bereits eine intensive Geschäftstätigkeit nachweisen kann, aber trotzdem weiterhin finanzielle Hilfe benötigt.

Um den Gründungszuschuss zu erhalten, muss der Gründer noch mindestens 150 Tage Restanspruch auf Arbeitslosengeld I haben und es wird ein Businessplan verlangt, in dem aufgezeigt wird, dass die Geschäftsidee tragfähig und erfolgsversprechend ist. Ebenso sollte mit dem Businessplan bewiesen werden, dass der Gründer qualifiziert genug und die Finanzplanung stimmig ist.

Dieses Dokument wird vom Sachbearbeiter überprüft, um über die Bewilligung des Gründungszuschusses zu entscheiden. Deshalb ist es wichtig, dass hier der Gründungstermin und der Start der Finanzplanung mit dem zeitlichen Anspruch auf den Zuschuss übereinstimmen.

Was ist bei der Erstellung des Businessplans zu beachten?

Die Agentur für Arbeit legt auf einige Aspekte besonders viel Wert. Diese sollte man kennen, um die Chancen für eine Bezuschussung  zu erhöhen.

Hauptberufliche Tätigkeit

Wichtig ist, dass eine selbstständige und hauptberufliche Tätigkeit in Vollzeit angestrebt wird. Denn das Ziel der Agentur für Arbeit ist, seine Klienten dauerhaft in eine Beschäftigung zu bringen. Werden andere Nebentätigkeiten oder Minijobs ausgeführt, kann es zu einer Ablehnung des Antrags führen, da diese das eigentliche Gründungsvorhaben gefährden könnten.

Tragfähigkeit

Unabdingbar ist die Einstufung der Existenzgründung als wirtschaftlich tragfähig. Hierfür muss eine sogenannte fachkundige Stelle den Businessplan prüfen und erstellt als Nachweis eine fachkundige Stellungnahme, die zusammen mit dem Antrag auf Gründungszuschuss abgegeben werden muss. Die Beurteilung solcher Fachleute (Unternehmensberater, Gründerzentren) hilft der Arbeitsagentur bei der Entscheidung, ob die Geschäftsidee erfolgversprechend ist. Denn nur tragfähige Konzepte werden bezuschusst.

Qualifikationen des Gründers

Ebenfalls relevant ist, ob der Gründer über die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, um die selbständige Tätigkeit auszuüben. In einem separaten Kapitel des Businessplans sollte der Gründer erläutern, welche Kompetenzen, Erfahrungen und Qualifikationen ihn auszeichnen.

Motivation

Um ein erfolgreiches Geschäft aufzubauen, sollte man auch gewisse persönliche und fachliche Eigenschaften besitzen, die ebenfalls im Businessplan erwähnt werden. Zuverlässigkeit, Engagement, Durchsetzungskraft und Motivation zeigen der Agentur, dass man die persönliche Eignung für die Existenzgründung mitbringt. Auch Nachweise in Form von Lebensläufen, Zeugnissen und Qualifikationen sollten im Businessplan beigefügt werden.

Persönliche Hintergründe

In einigen Fällen kommt es vor, dass vor allem hochqualifizierten Personen der Gründungszuschuss verweigert wird, da sie gut für Jobs als Angestellte vermittelbar sind. Im selbigen Kapitel sollte man deshalb gut erklären, warum die Vermittlung in ein Angestelltenverhältnis wenig sinnvoll ist. Gründe hierfür könnten zum Beispiel gesundheitliche sein, wenn die ausgeübte Tätigkeit als Angestellter mittel- oder langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen.

Ist man beispielsweise alleinstehend, kann man darlegen, dass die zeitliche Flexibilität als Selbständiger besser gegeben ist. Ebenso können schlechte Arbeitsbedingungen oder niedrige Gehälter als Gründe angeführt werden, warum der Weg in die Selbständigkeit erfolgsversprechender ist.

Plausible Rentabilitätsplanung

Wichtigstes Kriterium für die Bewilligung des Gründungszuschusses ist eine lückenlose und wirtschaftlich tragfähige Finanz- und Rentabilitätsplanung für die ersten zwei bis drei Geschäftsjahre. Auch hier sind einige Besonderheiten zu beachten. Natürlich sollte man ausreichend Gewinne erzielen, um langfristig seinen Lebensunterhalt damit bestreiten zu können.

Allerdings sollten vor allem in der Startphase die Gewinne nicht zu hoch kalkuliert werden, denn es soll ja dargelegt werden, dass der Gründungszuschuss in den ersten sechs Monaten notwendig ist. Wer auch nach einem Jahr noch nicht ausreichend Gewinne einplant, sollte dies gut begründen können.

Das gibt es noch zu beachten

Ob der Gründungszuschuss als Einnahme in der Finanzplanung eingetragen werden sollte, ist fraglich. Einige Ämter empfinden die eingeplante Bezuschussung als einen Vorgriff auf die noch ausstehende Entscheidung. Deshalb ist es ratsam, den Gründungszuschuss auszulassen und stattdessen im Kapitel „Finanzierungsplan“ den Bedarf für einen Gründungszuschuss in Schriftform zu erläutern, wenn die Gewinne in den ersten Monaten nicht ausreichen oder man auf Privatentnahmen verzichten möchte, um mit dem angehäuften Firmenkapital notwendige Investitionen zu tätigen. So sieht der entsprechende Sachbearbeiter der Arbeitsagentur, dass in der Finanzplanung eine Lücke besteht, die mit dem Gründerzuschuss gefüllt werden könnte.

Wenn der Kapitalbedarf zu hoch ist, kann die Bezuschussung abgelehnt werden, da der Gründungszuschuss zur Finanzierung nicht ausreichen würde. Deshalb muss auch hier darauf geachtet werden, dass Kredite oder andere Kapitalbeschaffungsmaßnahmen nicht die bessere Alternative sind.

Wer kann bei der Erstellung des Businessplans helfen?

Insgesamt sollte der Businessplan natürlich darlegen, dass die Existenzgründung gut geplant ist und auf einem soliden Fundament steht. Da die Erstellung für viele Gründer schwierig ist, sollten sich Gründungswillige von Anfang an Hilfe holen. Auch die Agentur für Arbeit unterstützt hier seine Klienten. Sie vergibt Gutscheine für Gründercoachings, die von externen Dienstleistern angeboten werden, um Personen bei der Erarbeitung des Businessplans zu unterstützen.

Im Rahmen des Coachings können professionelle Berater auch helfen, die Chancen für eine Bewilligung des Gründungszuschusses zu erhöhen, da sie wissen, worauf es ankommt, um erfolgreich in die Selbständigkeit zu starten. Ebenso kennt er meist die Fallstricke bei Gesprächen mit den Arbeitsagenturen und kann den Gründer optimal darauf vorbereiten.


Über den Autor:

Toni Großmann ist beratender Betriebswirt und hilft Gründern dabei, Förderanträge einzureichen, Businesspläne zu verfassen und Finanzierungen genehmigt zu bekommen. Mit seiner Firma www.starthilfe-beratung.de hat er in den letzten Jahren ein deutschlandweites Beraternetzwerk aufgebaut und mehrere hundert Gründer beim Start in die Selbständigkeit unterstützt. Sein Motto: Ein Businssplan ist erst dann gut, wenn selbst die Mitarbeiter vom Arbeitsamt privat in dich investieren wollen.

 

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