Land StartUp (Bild: Pixabay)

Unternehmensgründung in der Provinz: Das sind die Vorteile

Bei einer Unternehmensgründung denkt man eher an Industriegebiete in Großstadt-Nähe oder an schicke, aber räumlich beengte StartUp-Büros in der Innenstadt. Aber es gibt auch einige Gründe, die dafür sprechen, das eigene Unternehmen in der Provinz zu gründen.

Ein Gastbeitrag von Michael Seibold

Gründen in der Provinz? Warum nicht!?! Es gibt sieben gute Gründe, warum sich ländliche Gegenden sehr gut für Neugründungen eignen.

Grund Nr. 1: Geringe Miet- und Grundstückspreise

Die Grundstückspreise betragen im ländlichen Bereich nur ein Bruchteil dessen, was du in der Stadt oder unmittelbarer Stadtnähe veranschlagen musst. Gerade wenn du viel Fläche für Lager- oder Produktionshallen benötigst, ist es also auf jeden Fall eine Überlegung wert, sich etwas weiter vom Ballungsgebiet entfernt nach geeigneten Flächen umzusehen.

Auch bei den Mietpreisen verhält es sich ähnlich: Räumlichkeiten zu einem fairen Preis lassen sich am Land leichter finden, da auch die Nachfrage nicht so hoch ist. Und beim Einstellen des erhofften Erfolges ist später genügend Platz da, um weiter zu wachsen.

Grund Nr. 2: Die Personalkosten sind geringer als in der Stadt

Der Gewerbesteuersatz ist im ländlichen Bereich meist geringer. Auch die Personalkosten fallen niedriger aus, da es ein Lohngefälle zwischen Stadt und Land gibt. Da die Lebenshaltungskosten am Land jedoch meist geringer sind, besitzen die Mitarbeiter dennoch eine hohe Kaufkraft – das sorgt für Zufriedenheit.

Grund Nr. 3: Netzwerken – der Schlüssel zum Erfolg

Da ländlichere Gemeinden aus wirtschaftlichen Gründen sehr daran interessiert sind, dass sich neue Betriebe bei ihnen ansiedeln, kommen sie den Jungunternehmen häufig entgegen. In vielen Gegenden gibt es Initiativen wie Gründerstammtische und enge Kooperationen mit den regionalen Unternehmen. Es herrscht ein offenes, familiäres Klima und “Neuankömmlinge” werden gerne aufgenommen und unterstützt. Der Kontakt zu den lokalen Politikern ist leichter möglich und sind meist sehr an einer positiven Zusammenarbeit interessiert.

Auch zeitliche und räumliche Faktoren erleichtern den Arbeitsalltag: Bei Erledigungen bei den lokalen Behörden und Ämtern gibt es kurze Wege, kaum Wartezeiten und immer genügend Parkplätze. Aufgrund der übersichtlichen Strukturen kennst du rasch die persönlichen Ansprechpartner bei Banken und Ämtern und kannst viele Dinge auf direktem und persönlichem Weg erledigen.

Grund Nr. 4: Fördermittel für strukturschwache Regionen

In vielen Regionen gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten für Jungunternehmen, Technologiefirmen oder Neugründungen, um die strukturschwächeren Gegenden zu stärken und im ländlichen Bereich attraktive Arbeitsplätze zu sichern. Zu diesen Fördertöpfen zählen etwa der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), der Kohäsions- und der Europäische Sozialfonds (KF und ESF) oder Fördermittel der GRW (der Gemeinschaftsaufgabe “Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur”).

Bund und Länder haben in vielen Fällen auch eigene, regionale Unterstützungsprogramme für die Wirtschaftsförderung. So gibt es etwa kostenlose Betriebsberatungen in vielen Bundesländern.

Grund Nr. 5: Ein familiäres Umfeld schafft eine hohe Mitarbeitermotivation

Als wichtiger Arbeitgeber in der Region haben Unternehmen in ländlicheren Gegenden meist ein hohes Ansehen und die lokale Politik hat großes Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit. Da auf dem Land “jeder kennt jeden” gilt , haben die Mitarbeiter in vielen Fällen persönliche Beziehungen untereinander und legen viel Wert auf ein angenehmes, freundliches Arbeitsklima. Sie schätzen die kurzen Arbeitswege und die Zeitersparnis, die durch das lästige Pendeln in die Stadt anfällt.

Das steigert die Motivation der Mitarbeiter, schafft ein hohes Verbundenheitsgefühl und stärkt das Loyalitätsverhalten der Angestellten. Auch der Kontakt mit Kunden, besonders, wenn diese ebenfalls aus der Region stammen, gestaltet sich durch die persönliche Ebene einfacher und unkomplizierter.

Grund Nr. 6: Das mediale Scheinwerferlicht

Als Jungunternehmer fällt es in ländlicheren Gegenden leichter, ins mediale Scheinwerferlicht zu treten, weil Unternehmensgründungen einfach viel seltener sind. Lokale Zeitungen und Medienkanäle berichten gerne über Gründergeschichten und Firmenaktionen, und die Bevölkerung der Region interessiert sich stark für neue Firmen in der Nachbarschaft. Soziales oder wirtschaftliches Engagement in der Gemeinde oder der Region tritt stärker ins Rampenlicht und ist dabei mit geringerem Aufwand verbunden.

Auf diese Weise kann man schnell und effektiv für positiven Gesprächsstoff über das eigene Unternehmen sorgen und ein positives Bild in den Köpfen aufbauen. So fällt es leichter, neue Mitarbeiter oder auch Kunden zu finden und an sich zu binden.

Grund Nr. 7: Fachkräfte gesucht und gefunden

Bei der Gründung eines Unternehmens mit einer hohen fachlichen Spezialisierung oder einem großen Bedarf an Fachkräften, zum Beispiel im IT-Bereich, solltest du darauf achten, dass geeignete Fachkräfte in der Region möglicherweise nicht ausreichend zu finden sind. Hier ein besonderer Tipp: Findet sich in der Nähe eine passende Fachschule, kannst du den “Nachschub” mit gut ausgebildeten Mitarbeitern sichern.

Die jungen Leute sind nach der Ausbildung sehr an einem Job in der Nähe des Heimatortes interessiert und schon während der Schulausbildung kann durch Kooperationen mit der Fachhochschule Mehrwert für das eigene Unternehmen gewonnen werden. Beispielsweise durch kreative und innovative Projekte.

 


Über den Autor:

Michael Seibold, Geschäftsführer und Gründer von Trading EU GmbH, hat das Gründen in der Provinz gewagt und für ihn hat es sich als großen Glücksfall herausgestellt. Er verkauft gemeinsam mit seinem Team aus 23 Mitarbeitern über Hubtechnik24.de Transport- und Lagertechnik, Hubwagen und Werkstattausstattung an kleinere und mittlere Betriebe in ganz Europa. Der Firmensitz liegt in Bockhorn bei Erding, einem Vorort von München.

 

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