Verzugszinsen (Bild: Pexels)

Verlangst du Verzugszinsen? Das musst du darüber wissen

Wenn du dein Geld nicht rechtzeitig erhältst, kannst du Verzugszinsen verlangen. Wir erklären dir, wie du diese korrekt berechnest.

Ab wann gibt es einen Zahlungsverzug?

Zahlungsverzug tritt dann ein, wenn eine Rechnung nicht pünktlich bezahlt wurde. Das ist in der Regel 30 Tage nach Zugang der Rechnung der Fall. Anders ist es zum Beispiel dann, wenn die in Rechnung gestellte Leistung noch nicht vollständig erbracht ist, oder wenn zwischen dir und deinem Kunden eine andere Vereinbarung zum Zahlungsziel getroffen wurde. Du kannst auch in deinen AGB ein Zahlungsziel von zum Beispiel 14 Tagen angeben und es entsprechend in deinen Rechnungen erwähnen.

Wichtig: Der Kunde muss wissen, woran er ist!

Mahngebühren oder Verzugszinsen?

Ist dann das Zahlungsziel verstrichen, gibt es mehrere Möglichkeiten, auf den fehlenden Geldeingang zu reagieren, zum Beispiel Mahngebühren und Verzugszinsen. Diese Mehrkosten sollen im Zahlungsverkehr für mehr Zuverlässigkeit sorgen. Je länger ein Kunde die Zahlung hinauszögert, umso teurer wird es für ihn.

Mahngebühren

Mahngebühren sollen den Mehraufwand für die Mahnung abdecken und angemessen sein. Bei Privatkunden ist ein kleiner, meist einstelliger Eurobetrag üblich. Firmenkunden und öffentliche Einrichtungen dürfen mit einer gesetzlichen Mahnpauschale von 40 Euro daran erinnert werden, dass pünktlich Zahlende günstiger davonkommen.

Verzugszinsen

Viele verzichten auf die Verzugszinsen, weil es kompliziert wirkt, sie tagesgenau zum Zahlungszeitpunkt zu erheben. Allerdings kommen über die Verzugszinsen bei besonders langem Zahlungsverzug oder hohen Rechnungen durchaus ansehnliche Beträge zusammen. Und: Der Zahlungsverzug schadet dir, weil dir die Liquidität fehlt, während du auf das Geld wartest.

Du solltest also durchaus in Erwägung ziehen, die Verzugszinsen zu verlangen und zwar zusätzlich zur Mahngebühr!

Wie berechnet man die Verzugszinsen?

Im Gegensatz zur Mahngebühr legst du die Verzugszinsen nicht selber fest. Verzugszinsen und sonstiger Verzugsschaden sind im Bürgerlichen Gesetzbuch, §288 BGB, geregelt. Aktuell darfst du bei Privatkunden 5%, bei Geschäftskunden 9% über dem Basiszinssatz als Verzugszinsen berechnen. Diesen Basiszinssatz veröffentlicht die Deutsche Bundesbank, auf deren Seiten du auch alle früheren Basiszinssätze findest, denn die ändern sich regelmäßig.

Alte Basiszinssätze können bei lange dauerndem Zahlungsverzug für dich relevant sein. Schließlich musst du tagesgenau berechnen, also brauchst du über den Verzugszeitraum hinweg unter Umständen mehrere Zinssätze.

Basiszinssatz und Verzugszinssatz addiert, ergeben die Verzugszinsen. Seit einiger Zeit sind die Basiszinssätze negativ. Solange das so ist, ist der Zinssatz, den dein Schuldner entrichten muss, kleiner als 5% oder 9%. Berechnet wird auf den Tag genau ab Beginn des Zahlungsverzugs.

Eigentlich musst du auch nicht selbst rechnen, denn bei uns gibt es einen Verzugszinsrechner!

> Zum Verzugszinsrechner

Verzugszinsen richtig berechnen: ein Beispiel

Eine Tischlerei liefert im Februar 2016 einen cool gestalteten Konferenztisch an ein StartUp. Die Rechnung verschickt der Tischler am 1. März 2016 mit Hilfe seiner Buchhaltungssoftware per Mail. Somit geht die Rechnung noch am selben Tag beim Kunden ein. Nach Ablauf von 30 Tagen ist der Rechnungsbetrag von 3.000 Euro netto noch immer nicht auf dem Konto des Tischlers eingegangen. Er mahnt das junge Unternehmen an, doch erst acht Monate später bekommt er sein Geld.

In diesem Beispiel ist am 1. April ein Zahlungsverzug eingetreten. Wie viel Zinsen fallen an, wenn der säumige Kunde am 30. November desselben Jahres endlich die Rechnung bezahlt?

Der Basiszinssatz schwankt. Bis zum 30. Juni 2016 lag er bei -0,83%. Zum 1. Juli 2016 wechselte der Basiszinssatz auf -0,88%. Da der Kunde ein Unternehmen ist, beträgt der Verzugszinssatz -0,83% + 9% = 8,17% für den ersten Teil der Wartezeit und -0,88% + 9% = 8,12% für die übrige Zeit.

Da 2016 ein Schaltjahr war, beziehen sich die Zinsberechnungen auf 366 Tage. Bei beiden Zinssätzen bedeutet das, dass bei einem Rechnungsbetrag von 3.000 Euro netto gerundet etwa 0,67 Euro Verzugszinsen pro Tag anfallen. Vom 1. April bis zum 30. Juni vergehen 91 Tage, dafür betragen die Verzugszinsen 60,94 Euro. Vom 1. Juli bis zum 30. November vergehen 153 Tage, das bedeutet nochmal 101,83 Euro mehr für den wartenden Tischler.

Am 30. Nobember muss der Gläubiger also 3.162,77 Euro netto überweisen, zuzüglich der Mahngebühren und der Umsatzsteuer. Verstanden?


Paul-Alexander Thies (Bild: Billomat)

Über den Autor:

Paul-Alexander Thies ist Geschäftsführer von Billomat, der Online-Buchhaltung für Kleinunternehmer, Selbständige und Mittelständler. Während seines Studiums gründete Paul-Alexander Thies sein erstes Unternehmen und weiß über die Herausforderungen der Existenzgründung Bescheid. In den letzten 8 Jahren arbeitete Paul-Alexander Thies als Führungskraft Senior Management für Groupon, Payleven (Rocket Internet) & Travador.

Bilder: Pexels, Billomat

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