Pretotype (Bild: Pixabay)

Was bedeutet eigentlich … Pretotyping?

Was wollen eigentlich meine Kunden?” Diese Fragen stellen sich alle Unternehmen, besonders StartUps. Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, gibt es verschiedene Ansätze. Eine ist das Pretotyping.

Vom Lean StartUp zum Pretotyping

StartUps besitzen wenig Geld. Deswegen müssen sie schnell und kostensparend agieren. Ein oft gewählter Weg ist die Lean-StartUp-Methode.

Bei der Lean-StartUp-Methode, die durch das gleichnamige Buch von Eris Ries bekannt wurde, geht es unter anderem darum, Hypothesen aufzustellen und diese schnellstmöglich zu validieren. Deswegen wird basierend auf einer Hypothese bzw. Vermutung ein Experiment gestartet.

Über das Experiment werden Erkenntnisse, um die Hypothese zu stützen oder zu widerlegen. Stimmt die Hypothese nicht, wird die Annahme verändert, worauf hin wieder ein Experiment und das Sammeln von Daten folgt. Ein Kreislauf entsteht, bei dem stets der Kunde und sein Verhalten im Mittelpunkt stehen.

Zwei Möglichkeiten, um derlei Experimente durchzuführen sind, das MVP (Minimum Viable Product) und das Pretotyping.

Was ist Pretotyping?

Beim Pretotyping handelt es sich um eine besondere Form des MVP. Hierbei wird keine Minimal-Fassung eines Produktes entwickelt, sondern nur so getan, es gäbe dieses. Daher stammt auch der Begriff Pretotyping: Er wird aus dem Englischen “Pretend” (“annehmen”) und “Prototyping” zusammengesetzt.

Der Pretotype wird der Test-Zielgruppe vorgestellt und darauf basierend das Feedback eingesammelt.

Pretotyping: Beispiel

Ein bekanntes Beispiel für Pretotyping stammt von McDonald’s. Die Fastfood-Kette wollte vor ein paar Jahren sein Sortiment erweitern. Es gab die Idee für einen “McSpaghetti”.

Wäre hierfür ein MVP oder Prototyp umgesetzt worden, hätte das einen immensen Aufwand bedeutet. McDonald’s hätte unter anderem eine spezielle Spaghetti-Rezeptur kreieren und umsetzen müssen. Zudem wäre es erforderlich gewesen, das ein oder mehrere Restaurants die Zutaten einkaufen sowie das Nudelgericht zubereiten und verkaufen.

Das Kreativ-Team ging deshalb anders vor: In wenigen, ausgewählten McDonald’s-Restaurants stand der Pretotype namens “McSpaghetti” auf der Menüliste. Wurde er von Kunden bestellt, hieß es, das neue Produkt sei leider schon ausverkauft. Anhand der Bestellungen und des Kundenfeedbacks konnte das Kreativ-Team herausfinden, wie gut die Idee war. Oder in diesem Fall auch nicht: Der “McSpaghetti” kam nie auf den Markt.

Die verschiedenen Arten von Pretotypes

Es gibt verschiedene Wege und Möglichkeiten, wie das Pretotyping angegangen werden kann. Alberto Savoia beschreibt in seinem kostenlosen eBook “Pretotype it” unter anderem diese:

  • Mechanical Turk: Man ersetzt komplexe Computer und Systeme durch Menschen
  • Pinoccio: Man baut eine nicht-funktionale, “leblose” Fassung des Produktes – also einen Dummie
  • Provincial: Bevor ein Produkt weltweit veröffentlicht wird, testest man es in (s)einer “Provinz”
  • Fake Door: Einen “Zugang” zu einem Produkt erschaffen, das es noch gar nicht gibt

Anwendung von Pretotyping

Der Fake-Door-Ansatz ist eine gute Möglichkeit für StartUps, um beispielsweise Software-Produkt zu testen. Denn auch hier gibt es ständig folgende oder ähnliche Fragen:

  • Welche Features benötigt die Software? Was möchten die User haben?
  • Welche und wie viele Varianten der Software soll es geben?
  • Welchen Preis würden die User bezahlen?

Die Antworten darauf erhält man über das Pretotyping mit einer Fake Door. Zum Beispiel:

  • Hat das Team tolle Ideen für neue Features der Software? Dann erschafft man eine vermeintlich neue Fassung der Software und preist diese auf der Firmenwebseite oder im hauseigenen Onlineshop an.
  • “Basic”, “Premium”, “Enterprise”: Oft gibt es von einer Software verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Features und Preisen. Welche davon sind sinnvoll, welche nicht? Welcher Preis ist zu hoch? Einfach ausprobieren, indem die Features der Varianten wie auch die Preise variiert werden.

Fazit

Gerade StartUps sollten davon absehen, zeitaufwändig und kostspielig fertige Produkte zu entwickeln und sie auf den Markt zu bringen. Die Chance des Scheitern fällt sehr hoch aus. Besser ist es, seine Ideen und Konzepte zuerst zu testen – beispielsweise über Pretotyping.

Wichtig beim Pretotyping ist: Man kommt nur zu validen Ergebnissen und Erkenntnissen, wenn möglichst viele Daten gesammelt und ausgewertet werden! Das können zum Beispiel Views / Page Impressions, Heatmaps und Bewegungspfade auf Landingpages sein.

Bild: Pixabay

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.