Mahnungen Schuldner (Bild: Pexels)

Was tun, wenn ein Kunde nach der Mahnung nicht zahlt?

Gerichtliches Mahnverfahren, Anwalt oder Inkassobüro: Was hilft bei einem übersäumigen Schuldner?

Ein Gastbeitrag von Paul-Alexander Thies

Wie kann man Schulden eintreiben?

Will er nicht zahlen? Kann er nicht zahlen? Ganz gleich, wie die Gründe dafür lauten: Ein Kunde hat nicht gezahlt und somit fehlt auf dem Geschäftskonto Geld, das eigentlich längst da sein sollte.

Wenn eine Mahnung korrekt geschrieben und verschickt sowie die darin gesetzte Frist verstrichen ist, kann der nächste Schritt eingeleitet werden. Wie der aussieht, hängt davon ab, …

  • um wieviel Geld es geht
  • ob die Forderung strittig ist
  • wieviel Geduld der Gläubiger noch mitbringen will
  • wieviel Arbeit die Sache machen darf
  • wie hoch das Risiko ist, dass dem Gläubiger weitere Kosten entstehen

Weitere Mahnungen zu schicken, zögert die Entscheidung nur hinaus, was als nächstes zu tun ist. Wer schon viel zu lange auf Geld wartet, muss abwägen, was der passende nächste Schritt ist. Zu den gegebenen Möglichkeiten gehören die folgenden drei.

1) Das gerichtliche Mahnverfahren

Das gerichtliche Mahnverfahren bewirkt, dass dem Schuldner vom Gericht eine amtliche Zahlungsaufforderung zugeht. Den Antrag dazu kann der Gläubiger selbst stellen. Ein Anwalt wird nicht benötigt. Das Antragsformular, das es online gibt, ist allerdings umfangreich und muss sorgfältig ausgefüllt und dem zuständigen Amtsgericht geschickt werden. Beim Antrag auf das gerichtliche Mahnverfahren gehen auch die Verzugszinsen und Mahngebühren, die inzwischen ausstehen, mit in den angemahnten Betrag ein. Je nach Höhe der geschuldeten Summe fallen für das gerichtliche Mahnverfahren Gebühren an.

Ist der Antrag vollständig eingegangen, verschickt das Gericht eine Zahlungsaufforderung an den Schuldner. Darin sind auch alle Gebühren und die vom Gläubiger angegebenen Zusatzkosten enthalten. Zahlt der Kunde nun zügig, entstehen dem Gläubiger keine zusätzlichen Kosten.

Rührt sich der Zahlungsunwillige noch immer nicht, dann bekommt er im nächsten Schritt Besuch vom Gerichtsvollzieher. Widerspricht der Schuldner dagegen der Forderung, dann ist es Zeit einen Anwalt zu beauftragen.

2) Anwalt beauftragen, Klage einreichen lassen

Wer einen Anwalt damit beauftragt, sich um die ausstehende Forderung zu kümmern oder gar Klage gegen den Schuldner einzureichen, der geht natürlich zunächst ein Kostenrisiko ein. Nur wenn die Forderung am Ende durchgesetzt wird, übernimmt der Schuldner diese Kosten zusätzlich zur Rechnungssumme und allem Mehraufwand, den er verursacht hat.

Geht der Streit um die Rechnung vor Gericht, dann fallen auch wieder Gebühren an. Außerdem dauert es oft einige Zeit, bis ein Gerichtstermin angesetzt wird. Dieser Weg kann also recht lang sein und während dieser Zeit kostet es den Gläubiger zunächst zusätzlich Geld.

Das Gericht klärt, ob die Forderung berechtigt ist oder nicht und setzt gegebenenfalls durch, dass es dann endlich gezahlt wird.

3) Ein Inkassobüro beauftragen

Weniger beeindruckend als Post vom Anwalt, aber für viele säumige Zahler beeindruckend genug ist Post vom Inkassobüro.

Das Inkassobüro nimmt seinen Kunden die Arbeit ab, die durch Mahnungen und Verhandlungen mit nicht Zahlenden anfallen. Ein Inkassobüro ist ein Dienstleistungsunternehmen, dass im Grunde all die Schritte geht, die auch der Gläubiger selbst gehen könnte.

Dazu gehört es, Mahnungen zu verschicken, die gerichtlichen Schritte anzukündigen oder eben mit dem Schuldner zum Beispiel Ratenzahlung zu vereinbaren. Das Inkassobüro behält den Fall im Auge, bis er abgeschlossen ist.

Fazit

Wer einen Anwalt  oder ein Inkassobüro beauftragt schafft sich damit Freiräume, um an anderen Projekten zu arbeiten und neue zahlungswillige Kunden zu finden, statt sich selbst ständig mit der ausstehenden Forderung zu befassen. Ob und was sich lohnt, das hängt von der Höhe des fehlenden Geldbetrages ab.

So bitter das klingt: Bei kleinen Summen lohnt sich manchmal der zusätzliche Aufwand nicht. Denn zusätzlich investierte Zeit und Nerven, werden kaum angemessen ersetzt.


Paul-Alexander Thies (Bild: Billomat)

Über den Autor:

Paul-Alexander Thies ist Geschäftsführer von Billomat, der Online-Buchhaltung für Kleinunternehmer, Selbständige und Mittelständler. Während seines Studiums gründete Paul-Alexander Thies sein erstes Unternehmen und weiß über die Herausforderungen der Existenzgründung Bescheid. In den letzten 8 Jahren arbeitete Paul-Alexander Thies als Führungskraft Senior Management für Groupon, Payleven (Rocket Internet) & Travador.

Bilder: Pexels, Billomat

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