Fintech Erfolg (Bild: Pixabay)

Fintechs: Diese StartUps gewinnen in der Corona-Krise

Trifft die Corona-Krise jede Branche gleich hart? Nein! Einige Fintech-StartUps profitieren von der aktuellen Lage.

Wo es Verlierer gibt, gibt es auch Gewinner

In Deutschland ist die Konjunktur laut Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) aufgrund von Covid-19 im zweiten Quartal 2019 um mehr als zehn Prozent eingebrochen. Eine solche Entwicklung gab es in der 50-jährigen Geschichte der vierteljährlichen Konjunkturdatenmessung zuvor noch nicht. Wie eine Studie des Magazins Finance Forward zeigt, gehen einige Branchen aber auch als Profiteure aus der Corona-Krise hinaus.

Dazu gehören unter anderem Fintechs, also Start-ups die Versicherungs- und Finanzdienstleistungen anbieten. Im Gegensatz zu klassischen Banken und Versicherungen, die vor allen persönliche Beratung in ihren Filialen anbieten, konnten Fintechs ihre Produkte auch während des Lockdowns offerieren.

Steigende Umsätze trotz Covid-19

Laut der Umfrage von Finance Forward, an der 56 Fintech-Entscheider teilnahmen, erwarten 80 Prozent der Start-ups von der Krise zu profitieren. Der akute Konjunktureinbruch wirkt sich bei einem Großteil der Fintechs kaum auf die Geschäftsaussichten aus.

90 Prozent der Umfrageteilnehmer gehen sogar aus, ihre Umsätze trotz Covid-19 in den nächsten Monaten steigern zu können. Auch die aktuelle Kapitalausstattung, die bei den meisten Fintechs als Risikokapital von Investoren bereitgestellt wird, reicht bei 70 Prozent der Start-ups laut eigenen Angaben noch mehr als ein Jahr.

Rekordinvestitionen bei Auxmoney, N26 und Trade Republic

Exemplarisch lassen sich die scheinbar kaum vorhandenen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Fintech-Branche anhand von Auxmoney N26 und Trade Republic verdeutlichen, die alle in den letzten Monaten Investitionen in beträchtlicher Höhe erhalten haben.

Trade Republik, ein Online-Broker aus Deutschland, hat in einer neuen Finanzierungsrunde im April 2020 insgesamt 62 Millionen Euro Risikokapital erhalten. Zu den prominenten Investoren gehört Peter Thiel und dessen Unternehmen Firma Founders sowie der amerikanische Wagniskapitalgeber Accel. Außerdem haben die Bestandsinvestoren Creandum und Project A trotz der Pandemie weiteres Kapital bereitgestellt.

Auch der Online-Bank N26, die in der Vergangenheit vor allem beim Kreditkarten Vergleich gut abschneiden konnte, ist es gelungen während Covid-19 weitere Investitionen zu erhalten. Insgesamt steuerte eine Reihe von Investoren 92 Millionen Euro bei, die dazu genutzt werden sollen, um die stärkere Nachfrage nach kontaktlosen Zahlungsmöglichkeiten und das globale Wachstum der Berliner Digitalbank zu finanzieren. Die aktuelle Finanzierungsrunde, an der ebenfalls Peter Thiels mit seinem Unternehmen Valar Ventures sowie die New Yorker Risikokapitalfirma Insight Venture Partners und der singapurische Staatsfonds GIC beteiligt sind, konnte somit eine Höhe von 523 Millionen Euro erreichen.

Der eindeutige Sieger der Corona-Krise ist bisher allerdings Auxmoney, ein Fintech aus dem Kreditbereich, das sich 150 Millionen Euro Risikokapital sichern konnte. Ein Großteil der Investitionen stammt von Bestandsinvestor Foundation Capital sowie dem US-Finanzier Centerbridge. Auxmoney bietet sogenannte Peer-to-Peer-Kredite an, bei denen das Geld nicht von einer Bank, sondern einem privaten Anleger kommt. Kunden kommen so leichter an Kredite, müssen aber auch höhere Zinsen zahlen.

Entlassungen bei Finanzcheck und Rückzug von Funding Circle

Deutlich härter hat Covid-19 das Hamburger Kreditvergleichsportal Finanzcheck getroffen. Laut einer Anfrage des Branchenmagazins finanz-szene.de musste das Fintech aufgrund der Corona-Krise 20 Mitarbeiter entlassen. Andere Berichte, in denen von 30 Entlassungen die Rede war, sind laut dem Kreditvermittler allerdings falsch.

Finanzcheck: „Deutschland befindet sich durch die Corona-Krise in einer gesamtwirtschaftlichen Rezension. Auch an Finanzcheck sind diese Entwicklungen leider nicht spurlos vorbeigegangen. Wir vermitteln Kredite, da machte sich das gebremste Konsumverhalten der Deutschen im zweiten Quartal bemerkbar.“ Branchenexperten sehen als Hauptgrund dafür den deutlichen Nachfragerückgang nach Konsumentenkrediten, die im April und Mai 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut Daten der Bundesbank jeweils 20 Prozent niedriger lagen.

Diese Entwicklung hat auch andere Fintechs der Finanzierung-Kategorie getroffen, darunter den britische Marketplace-Lender Funding Circle der im März ankündigte sein Geschäft in Deutschland vollständig einzustellen. Auch das Frankfurter Fintech Creditshelf, das Kredite für Mittelständler ermittelt, hat bekannt gegeben, dass im ersten Quartal 2020 der Umsatz um 31 Prozent gesunden ist.

Fazit: Covid-19 beschleunigt Entwicklung der Fintech-Branche

Insgesamt zeigen die aktuellen Daten, dass die Covid-19-Pandemie trotz einzelner Verlierer, die vor allem im Kredit- und Finanzierungsbereich angesiedelt sind, dafür sorgt, dass Entwicklungen wie die Digitalisierung der Finanzwelt beschleunigt. Dies kommt vor allem Fintechs zugute und reduziert den noch vor vorhandenen Vorsprung traditioneller Banken in vielen Bereichen.

Es ist also damit zu rechnen, dass die Fintech-Branche als Ganzes als Gewinner der Corona-Krise bezeichnet werden kann.

Bild: Pixabay

Kommentar hinterlassen