Du bist Influencer und möchtest auf der Wiesn ein paar Clips drehen? Oder willst du als Unternehmer mit dem Oktoberfest werben? Aufgepasst! Hier lauern rechtliche Stolperfallen.
Ein Bierzelt-Selfie mit teuren Konsequenzen
Du stehst auf der Theresienwiese, feierst mit den anderen und filmst ein wenig. Super Szenen. Szenen, die deine Follower auf YouTube und TikTok fleißig liken und kommentieren.
Zwei Wochen später ist der Spaß zu Ende. Es liegt ein Brief in deinem Briefkasten – von einem Anwalt. Die Folge: Abmahnung, Unterlassung, hohe Kosten. Was für ein Stress!
Klingt unfair? Für Influencer und Unternehmer gehört das inzwischen zum Alltag, weil die Stadt München beim Oktoberfest seine Markenrecht rigoros durchsetzt. Daher musst du als Content Creator, Freelancer oder StartUp-Inhaber sehr vorsichtig sein!
Was hat es mit dem Oktoberfest-Markenrecht auf sich?
Du denkst: „Oktoberfest“ ist ein Begriff, den jeder verwendet. Der kann doch niemandem gehören. Oh doch! Zumindest auf dem Papier. Seit 2021 läuft die Marke in Europa, Inhaber ist München. Das bedeutet, die Begriffe „Oktoberfest“, „Wiesn“, „Münchner Oktoberfest“, „Oktoberfest München“, „Oide Wiesn“, „Wiesnbier“, „Wiesn Wirt“ und „Oktoberfest-Bier“ sind seitdem extrem heikel, wenn du sie als Unternehmer verwenden willst.
Was heißt das? Die Stadt vergibt kostenpflichtige Lizenzen, wenn du die genannten Begriffe in einem geschäftlichen Kontext nutzen willst. Nutzt du die Wörter für dein Business ohne Lizenz, kann es sein, dass du abgemahnt wirst.
Betrifft das wirklich auch Influencer?
Ja! Denn Influencer sind auch Unternehmer, da sie ja mit ihren (Video-)Inhalten Geld verdienen. Für sie gelten alle Rechte und Pflichten eines ’normalen‘ Selbstständigen – beispielsweise das Zahlen von Steuern.
„Ach, mich trifft das nicht!”, denkst du jetzt vielleicht. Tja, die Stadt ist leider scharf. Das heißt, dass Teams auf dem Festivalgelände nach Influencern suchen. Und Anwälte durchforsten Instagram, TikTok, YouTube & Co. nach Verstößen.
Das bedeutet: „Wer privat auf der Wiesn ist und Bilder ohne Erwerbsabsicht veröffentlicht, braucht keine Genehmigung, das Livestream-Verbot gilt hingegen für alle“, schreibt WBS Legal in seinem Blog. „Wer mit Kooperationspartnern, Affiliate-Links oder monetarisierten Formaten arbeitet, klärt das besser vor der Produktion als danach“, so Prof. Christian Solmecke weiter.
Der Trick mit den zwei Nutzungsarten
Ist nun alles rund um das Bierfest in München verboten? Nein! Die oben genannten Wörter darfst du benutzen, wenn du einfach nur das Event oder die Situation vor Ort beschreibst. Du darfst sie dagegen nicht verwenden, wenn du so tust, als wäre dein Produkt offiziell vom Oktoberfest.
Ein Beispiel: Du verkaufst Partyhüte und schreibst „Oktoberfest-Deko“ in die Produktbeschreibung. Das ist eine Beschreibung. Der Kunde weiß dann, wofür der Hut gedacht ist.
Jetzt das Gegenbeispiel: Du schreibst „Offizielles Wiesn-Merchandise“ auf dein T-Shirt. Das wirkt, als hätte die Stadt München dein Shirt abgesegnet. Genau das bringt dich in die Abmahnfalle.
Wann du als Influencer eine Lizenz brauchst
Viele Influencer bewerben gar keine Wiesn-Produkte. Warum sind sie trotzdem in Gefahr, abgemahnt zu werden? Aufgrund des kommerziellen Charakters ihrer Beiträge!
Stell dir drei einfache Fragen: Verdienst du Geld mit dem Content? Steckt eine Kooperation dahinter? Zeigst du Produkte, die dich jemand bezahlt hat? Wenn du nur eine Frage mit Ja beantwortest, gilt dein Oktoberfest-Content als kommerziell.
Dann musst du deine Dreharbeiten mindestens 14 Tage vorher anmelden, am besten über das Online-Formular der Stadt. Die Lizenz kostet Geld. Die Höhe verhandelt die Stadt individuell, abhängig von deiner Reichweite.
Fazit
Das Oktoberfest-Markenrecht klingt kompliziert. Eigentlich ist es das gar nicht. Merke dir einfach: Willst du mit der Wiesn Geld verdienen, solltest du vorab genau klären, ob du das darfst – und unter welchen Bedingungen. Einfach loslegen mag zwar viel StartUp-Vibe versprühen, kann aber für mächtig Ärger sorgen und nachträglich sehr teuer werden.
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Bilder: Magnific AI

