4 Stunden Woche - StartUp (Bild: Freepik)

StartUp nebenbei gründen: Warum die 4-Stunden-Woche ziemlich unrealistisch ist

  • Letztes Update:1 Monat 
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Kann man ein StartUp mit wenigen Arbeitsstunden aufbauen? Ein Gründer erklärt, wie weltfremd das Vorhaben ist, eine kurzen Arbeitswoche zu haben.

Es ist bei Amazon auf Platz 1 in der Kategorie „Bücher – Leben & Arbeiten im Ausland“ und hat bei über 2.000 Bewertungen eine durchschnittliche Note von 4,5 / 5 Sternen. Von welchem Buch wir reden? Von Die 4-Stunden-Woche* (englischer Titel: The 4-Hour-Workweek) aus der Feder von Timothy „Tim“ Ferriss.

Seit vielen Jahren genießt das Werk einen Kult-Status und gehört zu den meistempfohlenen Lese-Tipps für Gründer und StartUps. Verständlich, denn der Autor erklärt, wie du ein Lean Business aufbauen kannst: Ein Unternehmen, bei dem du dank Outsourcing mehr Zeit für deine Kernkompetenzen hast – und auch für mehr Freizeit.

Trotz der sehr guten Rezensionen findet nicht jeder Leser das Buch von Tim Ferriss hilfreich. Einer der Kritiker ist Julius Timtschenko von kikudoo. Warum, das erklärt er im Interview.

StartUpWissen: Als du kikudoo mitgegründet hast, war das mitten in der Corona-Pandemie. Du hattest eine Festanstellung und zwei Kinder, um die du dich sicherlich auch viel kümmern musstest. Richtig?

Julius Timtschenko: Die Idee und Gründung kamen etwas früher. Aber ja, der Go-Live von kikudoo war nahezu zeitgleich mit dem Start der Pandemie.

StartUpWissen: Warum hast du dich trotzdem in dieses Abenteuer gestürzt?

Julius Timtschenko: Ich habe schon immer von einem eigenen Unternehmen geträumt. Und wir hatten als Team bereits sehr viel Zeit in die Plattform investiert. Zudem habe ich am Anfang fest daran geglaubt, dass Corona zügig wieder vorbeigehen wird. Rückblickend bin ich mit dem Verlauf von kikudoo unter diesen Umständen trotzdem zufrieden.

StartUpWissen: Was ist das Tolle am Gründen als Sidepreneur?

Julius Timtschenko: Nicht sehr viel. Es ist eine extreme Belastung. Das sicher beste war, dass ich meiner Frau das in dieser Form besser „verkaufen“ konnte.

StartUpWissen: Bist du noch immer Sidepreneur oder hast du deinen hauptberuflichen Job mittlerweile aufgegeben?

Julius Timtschenko: Tatsächlich bin ich neben einigen Pausen immer wieder in Vollzeitprojekten bei verschiedenen Kunden gewesen. Das soll aber dieses Jahr im Juli enden.

StartUpWissen: Das Buch Die 4-Stunden-Woche ist seit einigen Jahren ein Hit. Du magst aber das Buch gar nicht. Warum?

Julius Timtschenko: Ich habe es lange vor meiner Gründung gelesen. Passives Einkommen mal nebenbei, Prozesse mal so automatisieren, einfach nur noch die sinnvollen, wichtigen Dinge machen … Das Buch stellt für mich die Dinge viel zu einfach dar.

Ja, vieles davon geht. Aber nur, wenn man sehr jung ist, keine familiären und finanziellen Verpflichtungen hat. Und wenn man bei passivem Einkommen nur an FBA (Fulfillment by Amazon) denkt, wenn man etwas Kapital für Outsourcing aufbringen kann, und wenn auch noch die Idee zu einem kommt, die wirklich Geld bringt. Dann ist Die 4-Stunden-Woche gewiss eine interessante Lektüre. Für alle anderen sei gesagt: Ein StartUp zu gründen und zu führen ist verdammt harte Arbeit!

StartUpWissen: Die Essenz von Die 4-Stunden-Woche ist ja, dass man als Selbstständiger, Gründer und StartUp-Inhaber so viele Tasks wie möglich outsourcen sollte, um sich auf seine Stärken konzentrieren zu können. Welche Dinge habt ihr bei kikudoo als erstes nach Außen gegeben?

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Julius Timtschenko: Nach Außen gegeben haben wir alle Payment-Prozesse. Das ist etwas, wo man einen starken, verlässlichen Partner braucht. Und wir waren als Kapitalgesellschaft verpflichtet, ein Steuerbüro zu engagieren. Ich bin sehr dankbar für diese Pflicht. So kam ich nicht auf die Idee, das irgendwie selber zu machen.

StartUpWissen: Habt ihr auch bewusst Tätigkeiten im Unternehmen gelassen?

Julius Timtschenko: Ja. Wir haben intern durch Mitarbeiter viele Aufgaben von uns Gründern genommen, um uns auf andere Dinge besser fokussieren zu können. Insbesondere Marketing, PR, Social-Media-Betreuung, Sales. Als nächstes werden wir den Support stärken. Aber egal ob intern oder extern outgesourced – beides muss bezahlt werden.

StartUpWissen: Seid ihr mit den Ergebnissen eurer ersten externen Outsourcing-Partner zufrieden gewesen? Oder hat die Planung, die Überwachung und evtl. auch die Nachbearbeitung am Ende mehr Zeit gefressen, als sie gebracht hat?

Julius Timtschenko: Unser Payment Service Provider hat uns sehr viel Stabilität in einer der Key-Bereiche gegeben. Natürlich ist jedes Ruckeln im Payment hoch sensibel hinsichtlich Kundenzufriedenheit. Aber jegliche Überlegung zu wechseln haben wir bis heute immer wieder aus zwei Gründen verworfen. Zum einen sind Störungen natürlich heftig, aber selten. Zum anderen profitieren wir von einem sehr guten Support. Und den zweiten Punkt nehmen wir für kikudoo auch als Best Practice.

StartUpWissen: Hauptberuf, StartUp-Gründung, Kids, Privatleben: Hat dich das nicht gestresst?

Julius Timtschenko: Natürlich. Es stresst mich bis heute. Ich schaffe das tatsächlich nur, weil mir all die Dinge viel Spaß machen.

StartUpWissen: Würdest du diesen “Trip” nochmals wiederholen?

Julius Timtschenko: Ja, ich würde es auch so wieder machen. Heute auf das Erreichte zu blicken, morgen auf das was noch möglich ist, war den Weg zu gehen wert.

StartUpWissen: Welche großen Fehler würdest du mit deinem Wissen von heute vermeiden?

Julius Timtschenko: Ich würde nicht mehr davon ausgehen, dass man ein Produkt live nimmt und es zu einem Selbstläufer wird. Ich war viel zu optimistisch. Das weiß ich jetzt besser.

StartUpWissen: Vielen Dank für das Interview, Julius.


Über kikudoo:

Sie ist die erste ganzheitlich gedachte Plattform für die junge Familie. Hier können Kurse und Beratungen gesucht, gebucht und direkt bezahlt werden. Von Zahlungstransaktionen, Rückerstattungen und Anwesenheitstracking, bis hin zu Teilnehmerbescheinigungen, Gutscheinerstellungen und Bewertungsfunktionen: kikudoo fokussiert sich auf die weitreichende Optimierung von Prozessen, um auf diese Weise den Trainerin und Kursleiterin so viel Zeitersparnis wie möglich zu bieten. 

Bild: Freepik

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