Weißt du, welche Gewerbesteuer dein Unternehmen zahlen muss? Wir erklären dir, was es zu beachten gibt und wie du die Gewerbesteuer ermittelst.
Was ist die Gewerbesteuer?
➡ Die Gewerbesteuer ist eine Steuer, die ein gewerbliches Unternehmen abgeben muss.
👉 Sie ist an den Ertrag des Gewerbebetriebs geknüpft.
👉 Die Steuergelder fließen direkt an die Gemeinden und Städte.
👉 Daher gehört die Gewerbesteuer zu den wichtigsten Einnahmequellen von Kommunen.
Wer muss Gewerbesteuer bezahlen?
Grundsätzlich betrifft die Gewerbesteuer – wie es der Name besagt – nur gewerblich tätige Einzelunternehmen, Personengesellschaften wie die OHG oder KG und Kapitalgesellschaften wie die GmbH oder UG. Das heißt, Freiberufler müssen keine Gewerbesteuer abgeben.
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Gibt es einen Freibetrag?
Liegt der maßgebliche Gewerbeertrag deines Unternehmens unter 24.500 Euro, fällt keine Gewerbesteuer an. Warum? Weil es in Deutschland einen Freibetrag von dieser Höhe gibt. Das heißt, du musst erst jeden Euro darüber versteuern.
Das heißt aber nicht, dass du automatisch von jeder steuerlichen Erklärungspflicht befreit bist. Ob du eine Gewerbesteuererklärung abgeben musst, hängt unter anderem von deiner konkreten Situation ab. Konsultiere hierzu am besten einen Steuerberater.
Gewerbesteuer-Rechner für Selbstständige
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Wie lautet die Formel zur Berechnung der Gewerbesteuer?
Wie hoch die Gewerbesteuer ausfällt, entscheidet sich in Deutschland an diesen Größen:
👉 dem steuerlich maßgeblichen Gewerbeertrag
👉 der bundesweit geltenden Steuermesszahl von 3,5 Prozent
👉 dem Hebesatz deiner Gemeinde.
Die Formel, mit der du die Gewerbesteuer berechnest, lautet dann:
Gewerbesteuer = (Gewerbeertrag − Freibetrag) × 3,5 % × (Hebesatz / 100)
Wichtig: Der Gewerbeertrag wird für die Ermittlung des Steuermessbetrags auf volle 100 Euro nach unten abgerundet. Der Freibetrag kann den Betrag höchstens auf null reduzieren.
Gewerbesteuer berechnen: Beispiel für ein Einzelunternehmen
Stell dir vor, du betreibst ein StartUp als Einzelunternehmer. Dein maßgeblicher Gewerbeertrag beläuft sich auf 150.000 Euro. Für die Rechnung nehmen wir einen kommunalen Hebesatz von 400 Prozent an.
✅ Zuerst ziehst du vom Gewerbeertrag von 150.000 Euro den aktuellen, deutschen Freibetrag von 24.500 Euro ab. Übrig bleiben 125.500 Euro.
✅ Darauf wendest du die gesetzliche Steuermesszahl von 3,5 Prozent an. Das ergibt einen Gewerbesteuermessbetrag von 4.392,50 Euro.
✅ Mit dem angenommenen Hebesatz von 400 Prozent vervierfacht sich dieser Messbetrag. Die Rechnung lautet demnach: 4.392,50 Euro × 4 = 17.570 Euro.
✅ Das Ergebnis: Für das Beispiel-StartUp fallen 17.570 Euro Gewerbesteuer im Jahr an.
✅ Allerdings ist das nicht zwangsläufig die endgültige zusätzliche Steuerbelastung! Bei Einzelunternehmern kann die Einkommensteuer durch eine besondere Steuerermäßigung sinken.
Warum macht der Gewerbesteuer-Hebesatz einen Unterschied?
Die gesetzliche Steuermesszahl ist mit aktuell 3,5 bundesweit gleich. Der Hebesatz dagegen wird von der jeweiligen Gemeinde bestimmt. Deshalb können zwei ansonsten vergleichbare Unternehmen unterschiedlich viel Gewerbesteuer bezahlen.
Hier ein Beispiel:
👉 Bleiben wir beim obigen Beispiel: Der Gewerbesteuermessbetrag beträgt weiterhin 4.392,50 Euro. Bei den kalkulierten 400 Prozent beläuft sich die Gewerbesteuer auf 17.570 Euro.
👉 Liegt der Hebesatz bei 350 Prozent, so fallen 15.373,75 Euro Gewerbesteuer an. Bei einem Hebesatz von 450 Prozent, sind es dagegen 19.766,25 Euro.
👉 So macht ein Prozentpunkt Unterschied im Hebesatz eine Differenz von 4.392,50 Euro in der Gewerbesteuer aus. So etwas fällt beim Firmenkonto deutlich auf!
Wo findest du den richtigen Hebesatz?
✅ Suche auf der Website deiner Gemeinde oder Stadt nach „Gewerbesteuer Hebesatz“ und dem betreffenden Steuerjahr.
✅ Verbindliche Angaben findest du in der Regel in der Hebesatz- oder Haushaltssatzung beziehungsweise beim kommunalen Steueramt.
✅ Für eine erste Orientierung gibt es außerdem die Hebesatzübersicht der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Sie liefert eine gute Grundlage für die Grundsteuer-Berechnung.
Gewerbesteuer bei einer GmbH berechnen: Was ist anders?
Gleicher Ertrag, gleicher Standort und trotzdem 3.430 Euro mehr Gewerbesteuer: So sähe die Rechnung aus, wenn das StartUp aus unserem vorherigen Beispiel mit einem Gewerbeertrag in Höhe von 150.000 Euro statt eines Einzelunternehmens eine GmbH oder UG wäre.
Der Grund: Eine GmbH und eine UG erhalten den allgemeinen Freibetrag von 24.500 Euro nicht!
Mit den bisherigen Modellwerten ergibt sich dann folgende Rechnung:
150.000 Euro × 3,5 % × 4 = 21.000 Euro Gewerbesteuer
Die GmbH zahlt in diesem Beispiel also 21.000 Euro, das Einzelunternehmen nur 17.570 Euro an Gewerbesteuer. Die Differenz erklärt sich hier allein durch den Freibetrag.
Ist die GmbH damit die schlechtere Wahl? So einfach ist es nicht! Ein Vergleich der Rechtsformen muss auch Körperschaftsteuer, Einkommensteuer, die Besteuerung von Ausschüttungen und weitere Unterschiede berücksichtigen.
Gewinn oder Gewerbeertrag: Was ist der Unterschied?
✅ Wichtig: Dein buchhalterischer Gewinn ist nicht zwangsläufig dein Gewerbeertrag!
✅ Der Ausgangspunkt ist zwar der steuerliche Gewinn aus einem Gewerbebetrieb. Für die Gewerbesteuer können aber bestimmte Beträge hinzugerechnet oder gekürzt werden.
✅ Unter bestimmten Voraussetzungen spielen beispielsweise Finanzierungsaufwendungen, Grundstücke oder gewerbesteuerliche Verlustvorträge eine Rolle.
✅ Ein einfaches Beispiel: Wenn du 150.000 Euro Gewinn erwirtschaftest, heißt das nicht automatisch, dass du exakt 150.000 Euro als maßgeblichen Gewerbeertrag in die Formel einsetzen darfst.
✅ Für eine erste Steuerplanung kann die vereinfachte Rechnung trotzdem nützlich sein.
✅ Für die tatsächliche Steuerfestsetzung zählt die gesetzlich ermittelte Bemessungsgrundlage. Damit du diese ermitteln kannst, musst du deine Buchhaltung im Griff haben.
Kannst du die Gewerbesteuer von der Einkommensteuer abziehen?
Bei Einzelunternehmern und natürlichen Personen, die an Personengesellschaften beteiligt sind, gibt es eine wichtige Entlastung: Nach § 35 Einkommensteuergesetz kann sich die Einkommensteuer wegen der Gewerbesteuer ermäßigen.
Typische Fehler, die du bei der Gewerbesteuer-Berechnung vermeiden solltest
🛑 In Gewerbesteuer-Rechnern oder entsprechenden Excel-Sheets den Firmenumsatz statt dem Gewerbeertrag einsetzen. Dieser Fehler verfälscht das Ergebnis deutlich.
🛑 Den Freibetrag falsch verwenden. Denn die 24.500 Euro gelten grundsätzlich für natürliche Personen und Personengesellschaften, nicht für eine GmbH oder UG.
🛑 Einen beliebigen Hebesatz verwenden. Ansonsten verrechnest du dich eventuell um einige Tausend Euro. Das macht die ganze Ermittlung der Gewerbesteuer obsolet.
Fazit
Du möchtest wissen, wie viel Gewerbesteuer auf dein Unternehmen zukommt? Kläre zuerst, welcher Gewerbeertrag steuerlich maßgeblich ist. Prüfe dann, ob für deine Rechtsform ein Freibetrag gilt. Ermittle dann den Hebesatz deiner Gemeinde für das betreffende Jahr.
Mit diesen Angaben kannst du einen Online-Rechner füttern oder selbst eine erste Rechnung aufstellen. Das hilft dir, das entsprechende Geld für die Vorauszahlungen einzuplanen. Bei Hinzurechnungen, Kürzungen oder anderen steuerlichen Besonderheiten reicht allein die vereinfachte Formel allerdings nicht aus. Lass dich deshalb von einem erfahrenen Steuerberater beraten. Oder lass ihn gleich deine Steuererfassungen durchführen.
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Bilder: Freepik/Magnific, Magnific AI

