Die EU-Verpackungsverordnung ist da. Du musst also nun handeln. Erfahre, wie du hohe Bußgelder vermeidest und deine Verpackungen zukunftssicher machst.
Was du bei Verpackungen beachten solltest
Du hältst es in den Händen: dein erstes, eigenes Produkt. Der Stolz ist riesig. Jetzt fehlt nur noch die perfekte Verpackung. Voller Tatendrang stürzt du dich in die kreative Arbeit und recherchierst ein wenig im Internet. Doch dann triffst du auf eine Wand aus Abkürzungen: PPWR, LUCID, EmpCo. Die kreative Freude weicht einem Gefühl der Überforderung.
Verpackungsdesign ist längst nicht mehr nur eine Frage der Ästhetik .Neue nationale und EU-Gesetze fordern drastische Reduktion von Verpackungsmüll und stärken die Kreislaufwirtschaft. Für StartUps und etablierte Unternehmen ist proaktives Handeln kein Luxus, sondern essentiell: Wer auf Compliant Packaging setzt, sichert sich Rechtssicherheit, minimiert Risiken und gewinnt das Vertrauen kritischer Kunden.
Das alles überfordert dich? Stopp! Atme tief durch. Du bist nicht allein. Dieser Guide ist dein Kompass durch den Dschungel aus Verordnungen und Gesetzen. Er zeigt dir verständlich, welche Schritte jetzt notwendig sind, um die Hürden zu meistern.
Deutsche und europäische Vorgaben für Verpackungen
Die wichtigste Regel: Jeder, der verpackte Waren erstmals in Deutschland in Verkehr bringt, gilt rechtlich als „Hersteller“ – unabhängig von der Unternehmensgröße. Das bedeutet: Auch wenn du nur T-Shirts von einem Lieferanten kaufst und sie in deine eigenen gebrandeten Versandkartons packst, bist du in den Augen des Gesetzes der Hersteller voll verantwortlich. Die Grundlage in Deutschland bildet das Verpackungsgesetz (VerpackG). Die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) überwacht als Kontrollbehörde das Einhalten der Regeln.
Parallel dazu verschärft die Europäische Union die Spielregeln für alle Mitgliedsstaaten. Mit der neuen „Packaging & Packaging Waste Regulation“ (PPWR) und der Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“ (EmpCo) kommen diverse Änderungen auf alle Firmen zu. Diese erfordern teilweise fundamentale Anpassungen beim Packaging-Design, bei der Materialwahl und der Kommunikation.
Dein Fahrplan zur Packaging-Compliance: Tipps & Lösungen
Ja, deinem Unternehmen werden einige Steine in den Weg gelegt. Aber keine Sorge, du musst diesen Weg nicht blind gehen! Hier bekommst du einen Schritt-für-Schritt-Fahrplan, der dich sicher durch die wichtigsten Anforderungen führt.
Schritt #1: Das Verpackungsgesetz meistern
Dein Start beginnt beim Portal “LUCID” der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR). Damit bekommst du gemäß dem Verpackungsgesetzes (VerpackG) offiziell die Rolle eines Herstellers. Das geht folgendermaßen:
✅ Registrierung beim LUCID-Verpackungsregister
Du legst unter Verpackungsregister.org ein Konto beim LUCID-Portal an, hinterlegst deine Stammdaten und meldest alle relevanten Verpackungsarten an. Erst nach dieser Registrierung bringst du rechtssicher verpackte Produkte auf den deutschen Markt.
✅ Systembeteiligung statt Alibi-Recycling
Parallel schließt du einen Vertrag mit einem dualen System ab, zum Beispiel mit Anbietern wie Der Grüne Punkt oder Interzero. Über die Lizenzentgelte finanzierst du Sammlung, Sortierung und Recycling deiner Verpackungen, sobald sie beim Endverbraucher im Müll landen. Ohne diese Systembeteiligung verstößt du gegen das Verpackungsgesetz.
Schritt #2: Stell dich auf die PPWR ein
Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) verändert die Spielregeln radikal. Sie wirkt nicht irgendwann, sondern liefert dir heute schon klare Leitplanken für Produktentwicklung und Verpackungsdesign. Das bedeutet:
🛑 Recyclingfähigkeit wird Pflicht
Das PPWR definiert, dass eine Verpackung so konstruiert sein muss, dass sie materialseitig recycelt wird und im großen Maßstab gesammelt, sortiert und wiederverwertet werden kann. Erfüllst du diese Kriterien nicht, bringst du eine Verpackung “illegal” in den Verkehr.
🛑 Mindestanteile in Kunststoffverpackungen
Die EU-Verordnung legt ebenfalls fest, dass kontaktsensitive PET-Verpackungen – etwa für Lebensmittel, Kosmetik oder Medizinprodukte – mindestens 30 Prozent recyceltes Material enthalten müssen. Für viele andere Kunststoffverpackungen steigt die Quote sogar auf 35 Prozent. Plane diese Werte am besten schon heute in deinen Materialmix ein.
🛑 Schluss mit Leerraum und Mogelpackungen
Ebenfalls zu beachten ist, dass das PPWR eine klare Begrenzung der sogenannten „Empty Space Ratio“ fordert. Überdimensionierte Kartons, dekorative Doppelwände oder unnötige Füllschichten, die nur Volumen vortäuschen, sind demnach künftig unzulässig. Deshalb solltest du deine Verpackungen so entwickeln, dass sie optimal schützen, aber keine falschen Vermutungen erwecken.
🛑 Verbot bestimmter Substanzen
Die EU schränkt problematische Chemikalien in Verpackungen weiter ein. Besonders relevant: Ab August 2026 ist der Einsatz von PFAS (auch bekannt als „Ewigkeitschemikalien“) in Lebensmittelkontakt-Verpackungen untersagt. Zusätzlich bleibt die Obergrenze von 100 mg/kg für die Summe aus Blei, Cadmium, Quecksilber und sechswertigem Chrom bestehen. Prüfe daher deine Materialien gezielt auf diese Stoffe und dokumentiere sauber deine Ergebnisse.
Schritt #3: Beachte die EmpCo-Richtlinie
Neben den Materialien musst du auch deine Kommunikation auf den Prüfstand stellen, besonders wenn du ein sogenanntes Green Marketing betreibst. Die EmpCo-Richtlinie geht gezielt gegen Greenwashing vor. Das heißt für dich:
🛑 “Grüne Werbung” nur mit Belegen
Vage Aussagen wie „klimaneutral“, „umweltfreundlich“ oder „nachhaltig verpackt“ reichen nicht mehr. Solche Claims brauchen künftig eine belastbare, wissenschaftliche Grundlage und müssen durch unabhängige Dritte überprüfbar sein. Das verzahnt sich direkt mit der PPWR: Ein Statement wie „recycelbare Verpackung“ bleibt nur zulässig, wenn deine Verpackung die definierten Recyclingkriterien der EU nachweislich erfüllt.
🛑 Design, das nicht in die Irre führt
Die EmpCo-Richtlinie bezieht sich auch auf Siegel oder Icons mit Begriffen wie „Eco“, „Bio“ oder „Green“. Ebenso solltest du beim Einsatz gewisser Farben, die ein “Öko-Image” vermitteln, sehr vorsichtig sein. Denn auch das könnte als Greenwashing ausgelegt werden und teure Folgen für dich haben.
Schritt #4: Den digitalen Produktpass mitdenken
Du merkst: Transparenz entwickelt sich zum Kern der neuen Regulierungen. Ein zentrales Werkzeug dafür stellt der Digitale Produktpass (DPP) dar.
🛑 Was hinter dem DPP steckt
Der Digitale Produktpass fungiert als Ausweis für dein Produkt und deine Verpackung – häufig auch „Digital Twin“ genannt. Über einen QR-Code auf der Verpackung gelangen Kunden in eine Datenbank, die alle relevanten Informationen bündelt. Dazu gehören beispielsweise eingesetzte Materialien, Recycling-Hinweise, Herkunft der Rohstoffe und die CO₂-Bilanz entlang der Lieferkette.
🛑 Warum du besser jetzt einsteigst
DPP wird ab 2027 schrittweise eingeführt und gilt anfangs nur für bestimmte Produktgruppen. Trotzdem solltest du dich bald mit der Einhaltung der Vorgaben beschäftigen, damit du keine bösen Überraschungen erlebst. Zudem kannst du die Ausgaben dafür ein wenig “strecken”.
Fazit
Die neuen Verpackungsrichtlinien und -gesetze sind zweifellos eine Herausforderung, insbesondere für kleine Unternehmen. Die falsche Strategie ist, sich zu verschließen und zu hoffen, dass man bei einem Vergehen nicht erwischt wird. Stattdessen solltest du dich schnellstmöglich mit den zahlreichen To-dos beschäftigen und gegebenenfalls Experten um Rat fragen.
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Bilder: Freepik

