Apothekerin (Bild: Magnific/Freepik)

Apotheke gründen: Worauf es bei Planung, Finanzierung und Einrichtung ankommt

Du möchtest als selbstständige Apothekerin oder Apotheker durchstarten? Dann musst du ein paar essentielle Dinge bedenken und beachten.

Der Traum von der eigenen Apotheke

Der eigene Herr oder die eigene Chefin zu sein – wie wunderbar! Eine eigene Apotheke zu übernehmen oder neu zu gründen, ist für viele Pharmazeuten der logische nächste Schritt nach der Approbation. Daher denken viele darüber nach.

Doch anders als bei den meisten StartUps ist die Apotheken-Branche stark reguliert. Das ändert aber nichts daran, dass am Anfang dieselben Fragen stehen wie bei jeder anderen Existenzgründung: Wie sieht der Markt aus? Was kostet der Start wirklich? Wie finanzierst man das Ganze?

Hinweis: Die in diesem Beitrag genannten Informationen stellen keine rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Falls du eine rechtliche oder steuerliche Beratung benötigst, dann wende dich bitte an einen qualifizierten Experten.

Die Basis: Approbation, Standort und Businessplan

Ohne Approbation als Apotheker geht in Deutschland gar nichts. Außerdem musst du die Voraussetzungen des Apothekengesetzes erfüllen. Das sind die Grundvoraussetzung, bevor überhaupt über eine eigene Apotheke nachgedacht werden kann.

Steht das, folgt die Standortanalyse. Läuft viel Kundschaft an dem Standort vorbei? Gibt es eine Arztpraxis in der Nähe? Wie sieht die Konkurrenz aus und wie hoch ist die Miete im Verhältnis zur erwarteten Kundenfrequenz? Diese Fragen beantwortest du am besten mit Zahlen statt mit einem Bauchgefühl. Denn eine Apotheke lebt von Laufkundschaft und Wiederholungskäufen. Ein falsch gewählter Standort ist später kaum noch zu korrigieren.

Auf Basis der ersten Analyse entsteht schrittweise dein Businessplan. Der unterscheidet sich von dem eines gewöhnlichen StartUps vor allem durch die Fixkosten: Personal mit entsprechender Qualifikation, ein umfangreiches Warenlager, dringend nötige Versicherungen und die technische Ausstattung machen einen deutlich größeren Teil der Startinvestition aus als bei vielen anderen Unternehmen.

Wenn du hier zu knapp kalkuliert, gerätst du schnell in Liquiditätsprobleme – und damit in eine baldige Unternehmenskrise. Dann ist dein Traum von der eigenen Apotheke schnell ausgeträumt.

Finanzierung: Eigenkapital, Kredit und Fördermittel

Die Übernahme oder Neugründung einer Apotheke kostet je nach Standort, Größe und Warenbestand schnell einen sechsstelligen Betrag. Woher das Geld nehmen?

Banken verlangen in der Regel ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent der Gesamtinvestition, den Rest deckt meist ein klassischer Investitionskredit ab. Daneben lohnt sich ein Blick auf regionale Förderprogramme und ein Blick zur KfW, die für Existenzgründer im Gesundheitswesen teils günstigere Konditionen bieten als ein Standardkredit bei der Hausbank.

Wichtig für das Bankgespräch und die Kreditverhandlung ist ein realistischer Finanzplan, der nicht nur die Anschaffungskosten zeigt, sondern auch die ersten zwölf bis vierundzwanzig Monate im laufenden Betrieb durchrechnet. Denn: Banken schauen genau, ob die geplanten Umsätze zur Kostenstruktur passen. Ein zu optimistisches Szenario fällt bei der Prüfung schnell auf.

...............

Anzeige:

...............

Warum die Einrichtung mehr ist als Möbel

Ein Punkt, der bei der Kostenplanung oft unterschätzt wird, ist die Einrichtung. Es geht dabei nicht nur um eine Theke und ein paar Regale, sondern um die Arbeitsabläufe in deiner Apotheke. Wie bewegen sich Kunden durch den Raum? Wo liegt das Lager im Verhältnis zum HV-Tisch? Wie viel Privatsphäre bekommt ein Kunde am Beratungstresen? Darauf musst du die passenden Antworten finden.

Gerade bei höherem Kundenaufkommen entscheidet die kluge Aufteilung darüber, ob Wartezeiten entstehen oder nicht. Eine moderne Apotheke ist deshalb so geplant, dass Rezeptabwicklung, Beratung und Lagerlogistik ineinandergreifen, statt sich gegenseitig zu behindern.

Wenn du diesen Teil der Planung erst kurz vor der Eröffnung angehst, wirst du merken, dass nachträgliche Anpassungen an der Theke oder am Lagersystem deutlich teurer sind als eine Einrichtung, die von Anfang an auf die tatsächlichen Arbeitsabläufe zugeschnitten wurde. Also: Handle präventiv und denke alles bis ins Detail durch.

Digitalisierung und Warenwirtschaft

Ein weiterer Kostenpunkt, der in der ersten Grobplanung leicht übersehen wird, ist die IT-Ausstattung. Ein modernes Apotheken-Verwaltungssystem verwaltet nicht nur den Warenbestand, sondern managt auch eRezepte, Lieferanten und teilweise auch Kommissionierautomaten.

Du willst ein automatisiertes Lagersystem haben? Dann musst du das schon bei der Raumplanung mitdenken. Denn solche Systeme brauchen eine gewisse Deckenhöhe, viele Stromanschlüsse und eine bestimmte Anlieferungslogistik. So etwas lässt sich nachträglich nur schwer einbauen lässt. Auch das ist ein Grund, Einrichtung und Technik nicht getrennt, sondern als ein gemeinsames Projekt zu betrachten.

Wie sieht’s eigentlich mit der Belieferung von Kunden außerhalb der eigenen Filiale aus? Dann brauchst du einen Botendienst oder vielleicht eine Kooperation mit einem Pflegeheim. Diese Prozesse musst du ebenfalls schon im Businessplan berücksichtigen. Warum? Solche Zusatzangebote bringen zusätzlichen Umsatz, aber auch zusätzlichen Personal- und Fahrzeugbedarf, der sich direkt auf die Betriebskosten auswirkt.

Apotheke (Bild: Magnific/Freepik)

Nicht vergessen: Personal und Zeitplanung

Neben Standort, Finanzierung und Einrichtung brauchst du rechtzeitig zum Start deiner Apotheke qualifiziertes Personal. PTA und PKA sind gefragt und nicht überall leicht zu finden. Wer die Personalsuche erst startet, wenn die Räume fertig sind, verliert wertvolle Wochen.

Dasselbe gilt für Genehmigungen. Und für die Anmeldung bei der zuständigen Apothekerkammer, die je nach Bundesland einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Darüber hinaus solltest du dir auch einen passenden Steuerberater suchen, der dich durch den Bürokratie-Dschungel begleitet.

Fazit

Grundsätzlich gilt für die Gründung einer Apotheke dasselbe wie für jede andere Existenzgründung: Je konkreter der Plan vor dem ersten Handschlag mit Vermieter, Bank oder Lieferant steht, desto weniger böse Überraschungen gibt es danach.

Der Unterschied liegt vor allem im Detailgrad: Zwischen Approbation, Warenwirtschaft und Raumplanung gibt es in dieser Branche einfach mehr bewegliche Teile als in einem klassischen Onlineshop-StartUp. Das musst du wissen und beachten.

Bilder: Magnific/Freepik


Willst du die StartUpWissen-Tipps zugesendet bekommen? Abonniere den kostenlosen Newsletter!

✅ Erlesene Inhalte ✅ Top-Ratgeber für Unternehmer ✅ Gratis-Tipps


_____________________

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.