Letter of Intent (Bild: Freepik)

LOI richtig aufsetzen: 3 essentielle Tipps für einen wasserdichten Letter of Intent

  • Letztes Update:8 Monaten 
  • Lesezeit:4Minuten

Der Letter of Intent ist ein wichtiges Schriftstück zwischen StartUps und Investoren. Das solltest du bei einem LOI unbedingt beachten.

Ein Gastbeitrag von Maximilian Block / ESB Invest

Was ist ein LOI?

Der Letter of Intent bescheinigt die ernsthafte Absicht zu einer Vertragsanbahnung zwischen Gründern und potenziellen Investoren. Damit signalisieren die Beteiligten vor beziehungsweise während der Vertragsverhandlungen die Bereitschaft für ein Investment.

Wie bindend ist ein Letter of Intent?

Beim LOI handelt es sich um ein unverbindliches Schriftstück, das eine Kooperation bei Erfüllung individuell bestimmter Voraussetzungen bestätigt. Es kann jedoch auch bereits rechtlich bindende Aspekte wie eine Verschwiegenheitserklärung enthalten.

Welche Nachteile hat ein LOI?

Bei aller Sicherheit, die eine Absichtserklärung gibt, hat sie aber auch Nachteile. Zum einen kostet das Aufsetzen dieses Vorvertrages Zeit und zum anderen Geld – sofern der Letter of Intent professionell erstellt wird.

Zum anderen ist ein LOI nicht immer notwendig. In Finanzierungsrunden mit Erst- und auch Allein-Investoren zum Beispiel kann häufig sofort ein Term Sheet aufgesetzt werden. Da LOIs reine Absichtserklärungen sind, machen sie schließlich nur dann Sinn, wenn bereits Investoren an Bord sind und die StartUp-Geschäftsführung ihre Aufmerksamkeit sowie Verhandlungsspielraum benötigt.

Was muss in einem Letter of Intent stehen?

Diese Punkte sollten in jedem LOI stehen:

  • Die Namen aller Vertragsparteien
  • Benennung des Verhandlungsgegenstandes und die geplante bzw. benötigte Zielinvestitionssumme
  • Geplantes Vorgehen: Wie häufig und wann sind Verhandlungen, Unternehmensbesichtigungen und ähnliches geplant?
  • Voraussetzungen, die für ein Investment erfüllt sein müssen
  • Wann fällt die finale Entscheidung über das Investment?
  • Bis wann muss das Term Sheet verhandelt bzw. unterzeichnet werden?
  • Non-Disclosure-Agreement (siehe Tipp drei)
  • Erste Rahmen für mögliche Kostenübernahmen bzw. -ausschlüsse
  • Ggf. eine Exklusivitätsklausel, die eine Verhandlung mit Wettbewerbern für einen bestimmten Zeitraum untersagt

Letter of Intent Beispiel

Wie erstellt man einen LOI? Wichtige Tipps

Wenn du noch nie einen Letter of Intent erstellt hast oder an der Erstellung eines solchen Dokuments beteiligt warst, kannst du einiges falsch machen. Um das zu vermeiden, solltest du diese Ratschläge beherzigen:

Tipp 1: Zeitplan

Unterschätze niemals den zeitlichen und personellen Aufwand, um ein Term Sheet zu erstellen! Damit das Term Sheet gelingt, benötigst du einen gut vorbereiteten Letter of Intent. Diese Arbeit kann über Erfolg und Misserfolg der Verhandlungen entscheiden.

Der Zeitplan des LOIs gibt eine Struktur für die Gespräche mit potenziellen Investoren vor und enthält Deadlines. Damit entsteht ein konkreter Handlungsbedarf und auch Sicherheit für Gründer.

Klar definierte Inhalte verschaffen somit Klarheit auf beiden Seiten. Was muss bis wann erstellt sein? Wer macht den nächsten Schritt? Und wann darf mit einem Ergebnis der Verhandlungen zur Finanzierungsrunde gerechnet werden?

Tipp 2: Vertragsstrafen

Ein LOI soll vor allem dem Gründer bei der anbahnenden Verhandlungssituation die nötige Sicherheit und Vertrauen geben. Wer die Investitionsverhandlungen grundlos einseitig (also nicht im beiderseitigen Einverständnis) abbricht, kann mittels Vertragsstrafen zur Zahlung eines Ausgleichs verpflichtet werden. Das regelt die sogenannte Break-up Fee, die oftmals im Term Sheet fest definiert wird.

Deshalb gilt: Verhandle nach Abschluss des Letter of Intents mit dem Investor ganz genau, unter welchen Umständen eine Vertragsstrafe fällig wird. Konkrete Szenarien sind in diesem Fall eindeutiger und damit rechtssicherer als generelle Formulierungen. Mit der Benennung einer Obergrenze für eine Entschädigungszahlung wird diese Klausel abgeschwächt.

Tipp 3: Geheimhaltung

Keinem der beiden Vertragsparteien wird daran gelegen sein, dass Informationen aus den Verhandlungen an die Öffentlichkeit gelangen. Spätestens im Term Sheet ist daher ein Non-Disclosure-Agreement (NDA) bzw. ein Confidential-Disclosure-Agreement (CDA) ein Muss.

Dieser Paragraf stellt eine Vertrauensbasis her, damit auch über Interna gesprochen werden kann. Schließlich will weder der Gründer noch der Investor die Katze im Sack kaufen.

Wichtig: Gib genau an, welche vertraulichen Informationen durch den NDA geschützt werden sollen, in welchem Rahmen sie weitergegeben (beispielsweise innerhalb der VC-Gesellschaft) und über welche Kommunikationskanäle sie besprochen werden dürfen. Oftmals haben Investoren auch eine fertige NDA – nutze diese, um Zeit und Geld zu sparen.

Fazit

Der Letter of Intent ist ein wichtiger erster Teil der Verhandlungen mit potenziellen Investoren. Zwar gibt es keine Vorschrift, dass ein LOI erstellt werden muss, doch in den meisten Fällen ist es sehr ratsam – vor allem, um die Gründer zu schützen. Bei der Erstellung hilft daher bestenfalls ein erfahrener Gründer, Bestands-Investor oder Anwalt.


Über den Autor:

Maximilian Block ist Geschäftsführer von ESB Invest, einer der gründerfreundlichsten Venture-Capital-Gesellschaften Deutschlands. Der Frühphasen-Investor fokussiert sich auf StartUps aus Mecklenburg-Vorpommern und setzt dabei – neben einer Early-Stage-Finanzierung – vor allem auf den Austausch von persönlichen Erfahrungen, Netzwerk und Wissen.

Wusstest du schon, dass Maximilian Gast in unserem StartUpWissen Podcast war? Das ist die Folge, in der er sein Fachwissen weitergibt:


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