Kleingewerbe (Bild: Pixabay)

Kleingewerbe korrekt anmelden: Was ist zu beachten?

Was ist ein Kleingewerbe? Wie meldest du das richtig an? Was ist an Besonderheiten zu beachten? Wo liegen die Vor- und Nachteile? Hier gibt’s die Antworten.

Ein Gastbeitrag von Mike Warmeling

Gründen als Nebengewerbe liegt im Trend

Deutschland ist gründerfreundlich: 2018 gab es deutlich mehr Gewerbeanmeldungen als im Jahr zuvor. Von etwa 870.000 Gewerbeanmeldungen waren etwa 65% ein Nebengewerbe. Das hat unterschiedliche Gründe. Ein Grund ist sicherlich die Digitalisierung und die Weiterentwicklung des Internets.

Darüber hinaus gibt es viele Vorteile für dich als Gründer. Allerdings musst du dahingehend einige Aspekte beachten und den Kleinunternehmer von der Kleinunternehmerregelung unterscheiden können.

Ab wann musst du ein Gewerbe anmelden?

De facto ist der Begriff „Kleingewerbe“ gar nicht existent. Eigentlich beschreibt es ein ganz normales Gewerbe, das durch gewisse Regelungen und Gesetze nicht im Handelsregister eingetragen wird.

Du musst nämlich nicht direkt ein Kleingewerbe anmelden, wenn du in die Selbstständigkeit gehen oder ein Unternehmen gründen möchtest. Es ist deutlich besser, wenn du erst ein Kleingewerbe anmeldest, nachdem du bereits die ersten Umsätze verbuchen konntest.

Sobald du deine Tätigkeit aufnimmst, bekommst du relativ zügig Post vom Finanzamt. Hierbei handelt es sich um einen Steuererfassungsbogen. Da musst du unter anderem deine Umsatzerwartungen angeben. Diese kennst du besser, wenn du dein Geschäft bereits gestartet hast. Ferner ist eine rückwirkende Anmeldung auch immer möglich.

Freiberufler und Kleingewerbe

Wichtig: ein Freiberufler ist kein Kleingewerbe! Die folgenden Tätigkeiten sind als freiberufliche Tätigkeiten anzusehen:

  • Wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende, erzieherische Dienste
  • Ärzte jeglicher Art
  • Anwälte jeglicher Art und Notare
  • Ingenieure jeglicher Art und Architekten
  • Steuerberater und Wirtschaftsprüfer
  • Heilpraktiker und Krankengymnasten
  • Journalisten, Lotsen, Übersetzer und ähnliche Tätigkeiten

Was benötigst du bei der Anmeldung?

Dies beschreibt diese Infografik sehr gut:

Infografik Kleingewerbe Anmeldung (Bild: Warmeling Consulting)

Da in Deutschland Gewerbefreiheit herrscht, kann fast jeder ein Gewerbe gründen. Es gibt aber einige gesetzlichen Regelungen, wodurch Ausnahmen entstehen.

Der Prozess fällt ganz simpel aus:

  1. Du gehst zum Gewerbeamt. In kleineren Städten ist dies oftmals im Rathaus zu finden
  2. Dort füllst du ein Formular aus und gibst grundlegende Informationen zu deiner Tätigkeit und deiner Person an.
  3. Anschließend musst du zirka 20 bis 50 Euro bezahlen.
  4. Denke an deinen Personalausweis oder einen Reisepass.

Unternehmensname bei einem Kleingewerbe

Bei einem Kleingewerbe gab es bisher eine kleine Einschränkung: Du durftest den Unternehmensnamen nicht frei wählen. Gesetzlich wurde festgehalten, dass dein Vor- und Nachname in der Unternehmensbezeichnung enthalten sein muss. Das Gesetz gibt es seit 2009 nicht mehr. Allerdings muss weiterhin klar sein, dass die Firma mit dem Inhaber zusammengehört.

Folgende Firmenbezeichnungen sind deswegen konform und zu empfehlen:

  • Internetmarketing Max Meyer
  • Hotel Peters
  • Elektriker Bernd Hase

Diese klare Namensgebung besitzt den Vorteil, dass der Kunde sieht, um welche Branche es sich handelt. Auch für Online-Branchenbücher und ähnliches hat es viele Vorteile.

Gibt es Grenzen? Woran musst du denken?

Kleinunternehmer haben den Vorteil, dass sie zum Teil von steuerlichen Abgaben befreit sind. Ganz am Finanzamt kommt aber niemand vorbei!

Gewinne sind immer gänzlich zu versteuern. Allerdings musst du keine doppelte Buchführung betreiben, eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung reicht hier gänzlich aus. Dadurch sparst du dir als Kleinunternehmer zugleich die Ausgaben für einen Steuerberater.

Wichtig ist, dass dein Überschuss den Steuerfreibetrag von 24.500 Euro nicht überschreitet, ansonsten wird ein vollkommener Gewerbeschein notwendig. Solltest du deutlich über der Summe liegen, dann hast du den Vorteil, dass der Steuersatz relativ gering  ausfällt.

Kleinunternehmerregelung vs. Kleinunternehmen?

Nach Gesetz §19 UstG (Umsatzsteuergesetz) müssen Unternehmen, die nur geringe Umsätze generieren, keine Steuern bezahlen. Allerdings darfst du hierfür im ersten Jahr den Umsatz von 17.500 Euro nicht überschreiten. Ferner darfst du im zweiten Geschäftsjahr nicht mehr als 50.000 Euro (Umsatz) verdienen.

Dieser Vorteil hat auch einen Nachteil: Du kannst keine Vorsteuer aus betrieblichen Ausgaben – zum Beispiel die Umsatzsteuer für einen neuen Geschäftscomputer – geltend machen. Diese Entscheidung gilt auch für die darauffolgenden fünf Jahre.


Über den Autor:

Mike Warmeling ist Multiunternehmer, Gründungscoach und Verkaufstrainer. Seit 1999 ist er selbstständig und bis hin zum Unternehmer gewachsen. Mehr Informationen zu seiner Person findet man unter seinem Instagram-Profil (@warmeling_consulting). Primär ist er tätig im Bereich Geschäftskonzepte und Onlinemarketing.

Bilder: Pixabay, Warmeling Consulting

 

 

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