Disruption Innovation Raketenstart (Bild: Pixabay)

Was bedeutet eigentlich … Disruption?

Was steckt hinter dem Buzzword “Disruption”? Wann ist ein Konzept oder eine Erfindung wirklich “disruptiv”? Wir erklären es.

Nur echte StartUps sind disruptiv

Ist jedes junge Unternehmen ein StartUp? Nein. Obwohl im allgemeinen Sprachgebrauch mittlerweile jeder Software- und App-Entwickler sowie jeder Onlineshop als StartUp bezeichnet wird, so stimmt das laut der Definition, was ein „echtes“ StartUp ausmacht, nicht.

> Definition: Was bedeutet eigentlich StartUp?

Eine Besonderheit, was ein StartUps besonders von anderen innovativen Firmen unterscheidet, ist seine Kraft zur Disruption. Was bedeutet das?

Disruption: Definition und Erklärung

Der Begriff „Disruption“ wird in der StartUp-Szene häufig verwendet, er galt 2015 als das „Wirtschaftswort des Jahres“.

Infografik Disruption (Bild: FAZ)

Das Wort „Disruption“ leitet sich vom Englischen „to disrupt“ ab, was übersetzt so viel bedeutet wie:

  • stören
  • unterbrechen
  • spalten
  • zersprengen
  • zerreißen
  • zerstören
  • aufbrechen

Eine disruptive Idee sorgt – übertragen auf die Unternehmenswelt – dafür, dass bestehende Strukturen und Organisationen aufgebrochen und bei Erfolg zerstört werden. Das klingt sehr martialisch, doch ganz so negativ und destruktiv ist das nicht gemeint.

Die genaue Erklärung des Begriffs Disruption

StartUps möchten nicht per se andere Unternehmen dem Erdboden gleichmachen. Stattdessen sollen durch neue, ganz besondere Konzepte die bisherigen Produkte, Arbeitsweisen und Abläufe derart optimiert werden, dass sie durch die Innovation anfangs nur gestört und irgendwann ganz obsolet werden. Eine echte Disruption sorgt somit dafür, dass alte Strukturen durch komplett neue – meist deutlich einfachere oder bequemere – ersetzt werden.

Wichtig: Ein disruptive Idee nicht eine simple Weiterentwicklung eines Produktes! Stattdessen stellt es eine komplette Neuentwicklung mit ganz neuen Ansätzen dar – Revolution statt Evolution lautet das Motto.

Oft geschieht eine Disruption durch eine Digitalisierung: Ein bislang analoges Produkt oder eine meist analoge Struktur wird durch digitale Abläufe oder eine rein digitale Dienstleistung ersetzt. Deswegen redet man bei disruptiven Konzepten oft auch von einer „digitalen Revolution“ oder anderen ähnlich klingenden Wortschöpfungen. Das liegt unter anderem daran, dass es noch keine richtige deutsche Übersetzung für das gibt, was mit Disruption gemeint ist.

> Buchtipp: Digitale Disruption – Die nächste Stufe der Innovation

Beispiele für disruptive Technologien

Innovationen, die dafür sorgen, dass bestehende Strukturen in Unternehmen oder in einem Wirtschaftszweig aufgebrochen und ersetzt werden, gibt es nicht erst seitdem StartUps „en vogue“ sind. Durch die fortschreitende Digitalisierung geschehen heutzutage aber mehr Umbrüche als früher – und diese erfolgen oft auch deutlich schneller.

Hier ein paar Beispiele für bekannte Disruptionen:

Die Digitalisierung der Medien

Früher wurden Musiker und Bands von einem Musik-Verlag unter Vertrag genommen. Diese Labels kümmerten sich unter anderem ums PR- und Marketing und brachten – meist über einen Vertriebspartner – die Lieder auf Kassette oder Schallplatte in den Einzelhandel. Später wurden Vinyl und Kassetten durch CDs ersetzt, aber die Vertriebswege blieben gleich.

Der erste disruptive Umbruch kam mit dem MP3-Format: Plötzlich konnten Musikstücke über das aufkeimeinde Internet getauscht und verkauft werden. All diese Zwischenschritte, wozu unter anderem das CD-Presswerk, der CD-Vertrieb und der Musikladen um die Ecke gehörten, verloren ihre Daseinsberechtigung.

Vor ein paar Jahren erlebte die Disruption im Musikbusiness einen weiteren Evolutionsschritt: Der Verkauf von MP3-Dateien gilt als „oldschool“, das Streaming von Songs ist nun angesagt. Ähnliche Umbrüche gab es nicht nur in der Musik-Industrie, sondern auch bei Filmen, Computerspielen, Software und Büchern.

Wissen auf Knopfdruck

Wer früher etwas im Detail wissen wollte, musste im Zweifelsfall in die Bibliothek fahren, um in den entsprechenden Büchern nachzuschlagen. Oder man schaute in die 30 Bände der Brockhaus Enzyklopädie, die viel Geld kosteten und einige Regalmeter einnahmen. 2014 ging eine 200-jährige Ära zu Ende: Der Bertelsmann-Verlag stellte die Produktion des Brockhaus ein. Warum? Weil zum Beispiel die kostenlose Wikipedia und das Internet mit seinem fast unbegrenzten Wissensschatz an sich das Druckwerk ersetzten.

Das ist nicht das Ende der Fahnenstange, der nächste disruptive Schritt steht bereits ins Haus: Durch Sprachassistenten wie Siri, Cortana und Alexa werden alle benötigten Informationen per Spracheingabe gesucht. Das erinnert an den allwissenden und omnipräsenten Computer aus Star Trek.

Smartphones sind moderne Alleskönner

Eine der größten disruptiven Erfindungen aller Zeiten ist das Smartphone. Es verbindet mehrere bahnrechende Erfindungen unter einer Haube: Moderne Handys verwandeln sich dank ihrer Apps zu Telefonapparaten, Notizbüchern, Foto- und Videokameras, Pulsmessern, Musikspielern, Spielkonsolen, Singlebörsen, Informationsmedium, Geldspeicher … und so weiter. Es scheint fast keine Grenzen zu geben.

Die folgende Infografik zeigt die 14 bekanntesten, disruptiven Apps:

Infografik disruptive Apps (Bild: Localytics)

Wie kann man Disruption umsetzen?

Christoph Keese ist Executive Vice President  bei Axel Springer SE und ein digitaler Vordenker. In diesem Video erklärt Keese in fünf Minuten die Kunst der Disruption:

 

Bilder: Pixabay, FAZ.net, Localytics

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