Der digitale Batteriepass wird für viele Hersteller und Importeure Pflicht. Dieser Ratgeber zeigt dir, welche Daten und Prozesse du vorbereiten solltest.
Bist du auf den EU-Batteriepass vorbereitet?
18. Februar 2027. Dieser Stichtag rückt unaufhaltsam näher. Dann wird der digitale EU-Batteriepass verpflichtend. Wenn deine Firma Batterien herstellt oder importiert, solltest du jetzt schon anfangen, dich richtig vorzubereiten.
Warum so früh? Der digitale Batteriepass besteht nicht nur aus einem QR-Code. Du brauchst zahlreiche Daten aus der Entwicklung, der Produktion und der gesamten Lieferkette. Einige Informationen liegen wahrscheinlich bereits in deinem Unternehmen vor. Andere musst du von Zellherstellern, Materiallieferanten oder weiteren Geschäftspartnern anfordern.
Fehlende Nachweise, unklare Zuständigkeiten und verstreute Excel-Dateien verwandeln ein scheinbar kleines Projekt schnell in ein großes Problem. Hier drohen somit zahlreiche potentielle Verzögerungen.
Welche Batterien benötigen einen digitalen Pass?
Ab dem 18. Februar 2027 verlangt die europäische Batterieverordnung einen digitalen Batteriepass für:
✅ Batterien für leichte Verkehrsmittel wie E-Bikes und E-Scooter
✅ Industriebatterien mit mehr als zwei Kilowattstunden Kapazität
✅ Batterien für Elektrofahrzeuge
Verantwortlich bleibt grundsätzlich der Wirtschaftsakteur, der die fertige Batterie in der EU in Verkehr bringt oder in Betrieb nimmt. Das bedeutet:
✅ Werden Zellen oder Module zur endgültigen Verwendung bereitgestellt, können sie als in Verkehr gebrachte Batterien gelten.
✅ Wenn du fertige Batterien aus einem Drittland importierst, übernimmst du deshalb häufig selbst die verantwortliche Rolle. Überprüfe daher genau, welche Funktion dein Unternehmen in der Lieferkette erfüllt.
✅ Wer somit einzelne Zellen oder Module ausschließlich zur Weiterverarbeitung liefert, trägt keine Verantwortung für die Batterien.
Ein QR-Code allein ergibt noch keinen Batteriepass
Warum? Der QR-Code bietet nur den sichtbaren Zugang. Dahinter verbirgt sich ein strukturierter Datensatz für das Batteriemodell und die einzelne Batterie.
Zu den Informationen, die bereitgestellt werden müssen, gehören zum Beispiel:
✅ Hersteller- und Produktinformationen
✅ Chemische Zusammensetzung und kritische Rohstoffe
✅ CO₂-Fußabdruck und Rezyklatanteile
✅ Leistung, Haltbarkeit und erwartete Lebensdauer
✅ Sicherheits-, Demontage- und Recyclinginformationen
✅ Konformitätserklärungen und weitere Nachweise
✅ Alterungszustand und Status der einzelnen Batterie
Wichtig: Nicht jeder darf alle Infos sehen! Verbraucher erhalten andere Daten als Marktaufsichtsbehörden, Reparaturbetriebe oder Recycler. Zudem müssen die Daten strukturiert, maschinenlesbar, interoperabel und vor unbefugtem Zugriff geschützt sein.
Die Europäische Kommission entwickelt gerade den gemeinsamen technischen Rahmen und weitere Umsetzungshilfen weiter. Den aktuellen Stand findest du auf der offiziellen Informationsseite zum digitalen Batteriepass.
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Wie solltest du das Projekt angehen?
Wie so oft ist es ratsam, nicht planlos vorzugehen, irgendetwas zu machen oder gar die EU-Vorgaben zu ignorieren. Halte dich am besten an diesen Sieben-Stufen-Plan:
Schritt 1 | Prüfe dein Produktsortiment
Erstelle zunächst eine vollständige Übersicht aller Batterien, die du herstellst, importierst oder gemeinsam mit einem anderen Produkt vertreibst.
Halte für jedes Produkt folgende Dinge fest:
➡ Batteriekategorie
➡ Kapazität
➡ Verwendungszweck
➡ Batteriemodell
➡ verantwortlicher Wirtschaftsakteur
➡ geplanter Zeitpunkt des Inverkehrbringens
Wichtig: Verlasse dich nicht nur auf Produktnamen oder interne Warengruppen. Die rechtliche Batteriekategorie entscheidet über die genauen Pflichten.
Schritt 2 | Benenne einen Verantwortlichen
Der Batteriepass betrifft viele Abteilungen. Einkauf, Entwicklung, Qualitätssicherung, Produktion und IT müssen eng zusammenarbeiten.
Wichtig: Ohne klare Verantwortung bleibt die Aufgabe, einen Batteriepass zu entwickeln, zwischen den Bereichen liegen. Bestimme deshalb eine Person, die das Projekt leitet. Gib ihr ein genaues Mandat und feste Ansprechpartner. Lege zusätzlich fest, wer Daten freigibt, aktualisiert und ihre Qualität überprüft.
Schritt 3 | Erstelle eine Datenmatrix
Vergleiche die geforderten Angaben aus Anhang XIII der Batterieverordnung mit deinen vorhandenen Daten.
Eine gute Datenmatrix beantwortet für jedes Feld folgende Fragen:
➡ Woher stammt die Information?
➡ Wer verantwortet sie?
➡ Welcher Nachweis belegt sie?
➡ Wie lange bleibt sie gültig?
➡ Wer darf sie später sehen?
➡ Welches Ereignis löst eine Aktualisierung aus?
Wichtig: Markiere fehlende Angaben deutlich. So erkennst du früh, welche Daten dein Unternehmen selbst erzeugt und welche Informationen du von Lieferanten brauchst.
Schritt 4 | Binde deine Lieferanten früh ein
Die Lieferkette bildet häufig den größten Engpass. Angaben zu Materialien, kritischen Rohstoffen, Rezyklat-Anteilen oder zum CO₂-Fußabdruck kann dein Unternehmen oft nicht beantworten. Fordere die benötigten Daten deshalb nicht erst kurz vor dem Stichtag vom Hersteller oder Lieferanten an.
Wichtig: Achte immer auf klare Fristen und Zuständigkeiten. Eine Zahl ohne Herkunft oder Beleg reicht nicht für eine zuverlässige Dokumentation aus. Und denke auch an spätere Aktualisierungen: Wenn ein Lieferant die Zellchemie oder den Produktionsstandort ändert, kann das mehrere Angaben im Batteriepass beeinflussen.
Schritt 5 | Plane Identifikation und QR-Code
Jede betroffene Batterie braucht eine individuelle Kennung. Der QR-Code verknüpft diese Kennung mit dem dazugehörigen digitalen Pass.
Plane nicht nur das Design des Codes. Kläre ebenso den gesamten Ablauf:
➡ Wann erzeugst du die individuelle Kennung?
➡ Wo bringst du den QR-Code an?
➡ Wie verknüpfst du Seriennummer und Pass eindeutig?
➡ Was passiert bei einem beschädigten Etikett?
➡ Wie bleibt der Pass langfristig zugänglich?
Wichtig: Teste den Code unter realen Bedingungen. Schmutz, kleine Oberflächen, schlechte Beleuchtung oder ungünstige Positionen können das Scannen erschweren.
Schritt 6 | Trenne öffentliche und geschützte Daten
Ein häufiger Irrtum lautet, dass alle Informationen des Batteriepasses öffentlich sichtbar sein müssen. Das stimmt nicht! Teile deine Daten von Beginn an nach Zugriffsrechten ein. Öffentliche Produktinformationen benötigen eine andere Behandlung als detaillierte Materialzusammensetzungen, Prüfberichte oder Zustandsdaten.
Wichtig: Führe klare Rollen, sichere Zugänge und eine nachvollziehbare Änderungshistorie ein. So schützt du Betriebsgeheimnisse und belegst gleichzeitig, wer welche Information eingetragen oder verändert hat.
Schritt 7 | Starte einen Pilotbetrieb
Warte nicht, bis dein gesamtes Sortiment perfekt vorbereitet ist. Wähle zunächst ein repräsentatives Batteriemodell und bilde den Prozess vollständig ab. Teste dabei:
➡ Datenerfassung
➡ Lieferantenanfragen
➡ Nachweisprüfung
➡ individuelle Kennungen
➡ QR-Code und Passzugriff
➡ Rollen und Zugriffsrechte
➡ spätere Aktualisierungen
Wichtig: Investiere genügend Zeit in die Pilotphase. Denn sie zeigt dir, wo Daten fehlen und welche Arbeitsschritte noch zu viel Zeit beanspruchen. Danach überträgst du den verbesserten Ablauf auf weitere Modelle.
Übersicht: Was beim Batteriepass-Erstellen wichtig ist
Dieses Schaubild fasst alle gerade genannten Tipps nochmals kompakt zusammen:
Fazit
Du siehst: Einen EU-konformen Batteriepass zu erstellen, kann sehr aufwändig sein. Je früher du fehlende Informationen erkennst, desto weniger Verzögerungen drohen zum Stichtag. Schiebe das Thema also nicht auf die lange Bank, sondern gehe es mit deinem Team sofort an!
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Über den Autor:
Grigor Azati Muradyan ist Softwareentwickler und Mitgründer von Batteriepasswerk, einem Hamburger StartUp, das Software für den digitalen EU-Batteriepass entwickelt. Die Plattform findest du im Internet unter batteriepasswerk.com.
Eine klasse Idee! Setze sie am besten sofort um!
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Bilder: Magnific, Batteriepasswerk


