Stundenlohn / Honorar richtig berechnen

Wie viel Euro kannst oder musst du als Selbstständiger, Freiberufler oder als kleines Unternehmen als Stundensatz verlangen, um kostendeckend zu arbeiten?

Den richtigen Stundensatz finden

Macht der Mindestlohn Sinn? Während in Deutschland darüber immer noch diskutiert wird, können gerade frisch gestartete Selbstständige darüber nur den Kopf schütteln – für sie gibt es keine Mindestvergütung. Theoretisch können sie extrem viel verdienen, andererseits können sie sich auch am Rande des Existenzminimums entlang hangeln.

Damit Letzteres nicht passiert, solltest du als Freelancer einen guten und ausreichenden Stundenlohn bzw. Stundensatz von deinen Auftraggebern verlangen.

10, 30, 50 oder 100 Euro: Wie hoch sollte der Stundensatz liegen?

Eines dürfte klar sein: Kein Freiberufler, Selbstständiger und erst recht keine Firma (StartUp, Handwerksbertrieb etc.) sollte sich bei der Berechnung des Stundensatzes oder Honorars am Mindestlohn orientieren (9,35 Euro pro Stunde, Stand: 2020)! Damit steuerst du ganz sicher auf eine Pleite zu.

Als Freelancer oder Unternehmen fallen unzählige laufende Kosten an, die alle abgedeckt werden müssen. Zudem werden Rücklagen für schlechte Zeiten (Auftragsmangel, Krankheit, Urlaub…) benötigt. Und für Investitionen (neue Hard- und Software, Büroausstattung etc.) oder Fortbildungen (zum Beispiel Messebesuche) brauchst du ebenfalls Geld bzw. eine passende Liquidität.

Wie hoch sollte dein Unternehmerlohn sein?

Deine Einnahmen müssen mindestens deine Ausgaben decken! Zu deinen Ausgaben gehören nicht nur die Dinge, die direkt mit deiner “Firma” zu tun haben, sondern auch dein Unternehmerlohn. Also das, was du persönlich über deine Unternehmung verdienen möchtest.

Kennst du deine privaten Ausgaben, weißt du, wie hoch dein Unternehmerlohn mindestens ausfallen sollte. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bietet hierzu eine tolle Checkliste, die du durchgehen solltest:

Die Checkliste kannst du auf Existenzgruender.de als PDF herunterladen:

> Checkliste: Unternehmerlohn ermitteln

So berechnet man den passenden Stundenlohn

Im Internet findest du unzählige Ratgeber, die dir aufzeigen, wie du den passenden Stundenlohn als Selbstständiger berechnen kannst oder solltest. Eine gute und ausführliche Erklärung findest du unserer Meinung nach bei Lambert Schuster:

> Stundensatz-Kalkulation für Selbstständige

Kennst deine Rahmenbedingungen (bspw. Umsatz und Gewinn), kannst du mit dem Tool von Metalance ganz interaktiv deinen Stundensatz berechnen.

> Online-Tool: Stundensatzrechner

Was du bei der Stundensatz-Berechnung bedenken solltest

Zwischen Theorie und Praxis gibt es immer eine große Kluft – so auch beim idealen Stundensatz. Rein rechnerisch müsste man als Freelancer mindestens Betrag X als Honorar veranschlagen, doch die Realität sieht anders aus. Denn nicht jeder Kunde kann oder will auf diese Forderungen eingehen.

Somit sind die Stundenlöhne nicht nur von den eigenen Berechnungen, sondern oft vielmehr von branchenüblichen Sätzen abhängig. Deswegen solltest du dich vor der ersten Abgabe eines Angebotes schlau machen, in welcher Region die für deine Dienstleistung oder Branche üblichen Stundenlöhne liegen.

Auch die Konkurrenzsituation muss bedacht werden: Das Leben als Selbstständiger oder als StartUp-Inhaber ist kein Zuckerschlecken! An jeder Ecke lauert die Konkurrenz, die einem Aufträge abluchsen möchte. Dementsprechend herrscht teilweise ein gnadenloser Preisdumping-Wettbewerb vor.

Tipps für die Honorar-Verhandlungen

Hast du dich auf einen Stundenlohn festgelegt, so gilt es, gegenüber den Kunden, die weniger zahlen möchten, standhaft zu bleiben. Sich bis auf den letzten Cent ausquetschen zu lassen und deswegen missmutig schlechte Qualität abzuliefern bringt keinem etwas!

Damit dies nicht geschieht, zeigt das Magazin Impulse, welche Fehler man bei Honorar-Verhandlungen nicht begehen sollte.

> Mit diesen 10 Fehlern vermasseln Selbstständige ihre Honorare

Wie viel verdient man als Selbstständiger?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten, da große Unterschiede vorherrschen. Diese basieren auf verschiedenen Faktoren, zu denen unter anderem die Branche, das Fachgebiet, der Standort und die Unternehmensgröße gehören.

Die folgende Infografik zeigt dir die Unterschiede beim Stundensatz:

11 Einflussfaktoren auf den Freelancer Stundensatz

Deine Meinung

Wie berechnest du deinen Stundensatz? Was sind deine Erfahrungen in Sachen Honorare? Musst du ständig hart verhandeln? Oder kannst du locker deine gewünschten Stundenlöhne fordern? Welche Stundensätze hältst du für angemessen, welche sind eine Frechheit?

Hinterlasse uns deine Erfahrungen und deine Meinung hier als Kommentar! Wir freuen uns darauf, mit dir über das Thema zu reden und zu diskutieren.

Bilder: Pixabay, BMWi, Freelancermap

4 Kommentare

  1. Würde ich so rechnen wie in dem einen Beispiel, müsste ich ja rund 80-100€ pro Stunde verlangen. Kann ich aber nicht. In meiner Branche (Online-Journalismus) kann man froh sein, wenn man überhaupt auf 30€/h kommt.

  2. Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Im Seminarbereich ist die Qualität ein entscheidender Faktor.
    In den psychologischen Themenbereichen sollt die Umsetzbarkeit an erster Stelle liegen. Wenn Sie sich mit Ihrer persönlichen Persönlichkeit und entsprechenden Medienauftritten in Verbindung mit guten Referenzen und Beurteilungen einen guten Namen gemacht haben, können Sie ruhig je Std. ein Honorar zwischen 250.– und
    300.– Euro nehmen!
    Schließlich ist der erfolgreiche Wiederholungseffekt für den Seminar – TN auch im Hintergrund ein großer Vorteil.

  3. Ich habe eine Anfrage für einen Näh-Workshop in einer Firma.
    Teilnehmer erst einmal 3-5.
    Soll ich einen Stundenlohn verlangen? Wenn ja wie hoch? Oder besser eine Pauschale?
    Macht es einen Unterschied ob ich die Teilnehmer einzeln privat abrechne oder die Rechnung an die Firma geht?

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