Corporate Podcast (Bild: Freepik)

Podcast-Tipps für Einsteiger: So startest du ganz durchdacht einen Corporate Podcast

  • Letztes Update:2 Monaten 
  • Lesezeit:6Minuten

Erfolgreiche Corporate- und Business-Podcaster verraten ihre Tipps und Erfahrungswerte für den Aufbau eines erfolgversprechenden Podcasts.

Ein Gastbeitrag von Carolina Osses, Piabo PR

Wieso eigentlich ein Podcast?

Ob beruflich oder privat: Jeder hat sicherlich schon mal darüber nachgedacht, einen eigenen Podcast zu starten. Doch die meisten tun diesen Gedanken schnell als Schnapsidee ab. Das ist ein gewaltiger Fehler!

Solltest du einen eigenen Unternehmenspodcast starten? Die klare Antwort lautet: Yes, just do it! Das Format Podcast entwickelt sich nämlich seit knapp fünf Jahren zu einem absoluten Must-Have in der deutschen Start-Up-Welt.

Dabei sind Podcasts nichts Neues: Das Format entstand bereits 2004, als Adam Curry und Dave Winer ein Programm namens iPodder entwickelten. Dieses Programm diente anfänglich dazu Radiosendungen auf Apple iPods herunterzuladen. Der Begriff Podcasting, wie wir ihn heute in unserem täglichen Sprachgebrauch so mühelos integriert haben, ist eine Wortschöpfung aus dem Wort iPod und Broadcast.

Leider hinken wir – wie so oft – in Deutschland ziemlich hinterher und haben das Medium erst kürzlich für uns entdeckt. Zeit, das zu ändern! Denn ein eigener Podcast ist für viele Unternehmen eine grandiose Möglichkeit, die eigene (Marken-)Expertise darzustellen.

Welche Herausforderungen gibt es bei der Erstellung eines Konzeptes?

Eines vorweg: Wer glaubt, ein Podcast bestehe nur daraus, auf einen Knopf zu drücken und ein Gespräch aufzunehmen, irrt sich gewaltig! In diesem Format steckt mindestens genauso viel Vorbereitung, wie in anderen Formaten auch.

Vor dem Start sollten folgende Fragen geklärt sein: Was möchtest du mit deinem Podcast erreichen? Wer ist deine Zielgruppe? Gibt es schon ähnliche Podcasts? Und was kannst du deiner Zuhörerschaft überhaupt bieten, was sie anderswo nicht auch hören können?

Sobald diese Fragen eindeutig geklärt sind, kann mit der Ausarbeitung eines Konzeptes losgelegt werden. Folgenden Punkte sollten dabei berücksichtigt werden, auf die dann die Strategie aufgebaut wird:

  • Wie viel Zeit kannst / willst du in das Format investieren?

  • Sollen die Episoden täglich, wöchentlich oder monatlich erscheinen?

  • Wer sind die Verantwortlichen für das Format?

  • Wer wird den Podcast moderieren?

  • Wie viel Budget hast du zur Verfügung?

  • Welche Schnittprogramme verwendest du?

  • Auf welchen Plattformen wirst du den Podcast veröffentlichen?

Extra-Tipp: Viele Unternehmen sind euphorisch, wenn es an den Start geht. Jedoch unterschätzen viele den Aufwand, der hinter jeder einzelnen Folge steckt. Deshalb die klare Empfehlung: Stelle ein starkes Team auf, denn ein gut gemachter Podcast erfordert viele Stunden intensiver Arbeit!

Welches Fallstricke gibt es auf dem Weg zum Launch?

Ein Podcast zu launchen und ihn aufzubauen ist kein 100-Meter-Sprint, sondern ein Marathon, der Vorbereitung, Ausdauer und harte Arbeit erfordert. Die wenigsten Formate werden über Nacht zum Erfolg. Umso wichtiger ist es, von Anfang an qualitativ hochwertigen Content zu produzieren. Besonders der Launch muss gut durchdacht werden, denn zu Beginn wird das größte Interesse geweckt.

Sabine Ehm, Moderatorin des Locatee-Podcasts The Workplace Leader, empfiehlt hierfür klare und strukturierte Arbeitsprozesse: “Wir wollten zum Launch unseres Podcasts ein Bündel von Episoden herausgeben. Das war uns unter anderem von anderen Podcastern empfohlen worden. Die Aufnahmen fanden alle innerhalb einer Woche statt. Das ließ uns dann aber nur zwei Wochen Zeit bis zum geplanten Launch, um drei Episoden parallel zu produzieren. Seitdem haben wir einen klaren Prozess definiert und einen Backlog mit Episoden mit zwei Wochen Vorlaufzeit.”

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Auch Susanne Kreimer, Geschäftsführerin & Chief Medical Officer bei Doktor.de, weiß um die Herausforderungen. Sie hat während der Covid-Pandemie gemeinsam mit Dr. Andreas Maxeiner den Podcast medbuzz.de, einen medizinischen Wissenspodcasts, gelauncht: “Eine Herausforderung für uns ist nach wie vor, das richtige Maß zwischen medizinischer Komplexität und Verständlichkeit für Laien zu finden. Unser Podcast richtet sich zwar an alle Hörer, aber gegebenenfalls fühlen sich vor-informierte Hörer oder auch der ein oder andere Medizinstudierende etwas besser aufgehoben.”

Extra-Tipp: Fachvokabular- oder Termini, sollten für jeden verständlich erklärt werden, damit alle Zuhörenden sich abgeholt fühlen und nicht frustriert wegschalten.

Was sind Do’s und Dont’s bei einem Podcast?

Unnatürlichkeit führt direkt zum Verlust der Authentizität eines Formates. Doch gerade bei Audioformaten ist Authentizität entscheidend für den Erfolg! Eine gute Vorbereitung und Hintergrundrecherchen sind unvermeidlich, um ein Gespräch aufrechtzuerhalten und interessant zu gestalten.

Dennoch sollte der Moderierende während des Gesprächs in der Lage sein, vom Script abzuweichen und auf das Gesagte des Gesprächspartners spontan einzugehen. Denn genau das unterscheidet einen Podcast von Interviews: Es ist ein Gespräch zwischen mindestens zwei Personen, die aufeinander reagieren.

Tilo Bonow ist selbst ein erfahrener Podcaster. In seinem Format Business Class spricht er mit Menschen, die mit ihren innovativen Ideen die Zukunft verändern. Er empfiehlt: “Eine gute Vorbereitung gibt euch eine solide Basis für den Einstieg in das Thema. Dennoch sind es die Momente, in denen ich meinen vorbereiteten Fragenkatalog beiseite lege, die maßgeblich den Verlauf des Gesprächs prägen und die wirklich spannenden Dinge ans Tageslicht bringen. Lasse dich auf den Menschen ein, der vor dir sitzt, und arbeite nicht stur das Script ab. Nur dann entsteht ein authentischer und inhaltlich wertvoller Podcast für eure Audience.”

Extra-Tipp: Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Vorbereitung und Spontanität schaffen.

Du begibst dich in einen überfüllten See

Die Konkurrenz ist immens! Hier ein paar Zahlen: Es gibt (schätzungsweise) über 2,5 Millionen Podcasts und über 108 Millionen einzelne Podcast-Episoden weltweit. Davon alleine verzeichnet Deutschland eine Podcastlandschaft mit circa 63.000 verschiedenen Podcasts. Von 83 Millionen in Deutschland lebenden Menschen, hören laut aktuellen Erhebungen von Podigee zehn Millionen Podcasts.

Einen Unternehmenspodcast zu starten und zu denken, den erfolgreichsten Podcast Deutschlands zu produzieren, ist zwar ambitioniert, aber mehr als unwahrscheinlich. Wichtiger ist die Frage: Wie definierst du deinen eigenen Erfolg?

Extra-Tipp: Finde deine Nische! Eine organisch wachsende Community und treue, wiederkehrende Zuhörer sind auf dem hart umkämpften Markt Gold wert.

Wie wird Erfolg definiert?

Wie viele Follower ein Podcast hat, sagt meistens sogar wenig über den Erfolg des Podcasts aus. Es ist die Hördauer, die eigentlich zählt: Wie viele der Follower hören eine komplette Episode durch? Schalten die meisten nach zwei Minuten sofort weg oder hört sich der Großteil der Abonnenten mehr als 75 Prozent der Episode an? Das sind die wichtigen Kennzahlen.

Vielleicht hilft ein kleiner Vergleich zur Einordnung, was viele oder wenige Hörer sind: Auf einem Event spricht ein Redner vor einem 300-köpfigen Publikum. Das sind 300 Menschen, die man als Speaker unmittelbar erreicht. Wieso empfinden wir 300 Hörern bei einem Podcast dann als Misserfolg?

Ein kleiner Podcast mit einer vergleichsweise niedrigen Hörerzahl ist nicht automatisch erfolglos oder schlecht! Wir sind heutzutage zu sehr darauf gepolt, Erfolg quantitativ zu definieren. Doch du musst nicht immer in einer Top-10-Liste landen, um erfolgreich zu sein.

Extra-Tipp: Definiere für dich, was „Erfolg“ bedeutet. Und feiere dann jeden organisch dazugewonnenen Zuhörer wie ein neues Familienmitglied – denn genau das ist er am Ende.


Über die Autorin:

Carolina Osses ist Podcast-Producerin und Communications Managerin bei PIABO PR. Sie ist die Produzentin des Podcasts Business Class by Tilo Bonow und definiert sich selbst als absolute Audio-Liebhaberin. Neben ihrer Tätigkeit bei PIABO PR ist sie seit über drei Jahren Radiomoderatorin bei ALEX Offener Kanal Berlin und ist Gastdozentin für Audioformate und Moderation an der HMKW Berlin.


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