Gründer / Entrepreneur (Bild: Pexels)

Diese 7 Eigenschaften zeichnen Gründer und Unternehmer aus

Steckt ein Unternehmer in dir? Bist du gewappnet für die vielen Herausforderungen? Ein Experte verrät dir, was Gründer ausmacht.

Ein Gastbeitrag von Dr. Jan Evers

Bist du ein Unternehmer-Typ?

Du träumst davon, dich selbstständig zu machen. Aber du hast dich bis jetzt nicht getraut, weil du dich nicht für einen Unternehmer-Typen hältst? Mach’ Schluss mit diesen Selbstzweifeln und lass’ dir gesagt sein: In jedem von uns steckt ein Unternehmer!

Die Frage ist nicht, _ob_ du ein Unternehmer-Typ bist, sondern _was_ für ein Unternehmer-Typ du bist! Hier erfährst du, welche deiner Eigenschaften für deinen unternehmerischen Erfolg von Bedeutung sind.  Und warum es nicht auf eine bestimmte Persönlichkeit ankommt, sondern darauf, genau das Unternehmen zu gründen, das zu einem passt.

Verschiedene Typen von Unternehmer

Mach dich frei vom Bild eines „typischen“ Unternehmers, der stets selbstbewusst und entscheidungsfreudig auftritt, in jeder Verhandlung die Oberhand behält und das Risiko liebt. Die Realität sieht anders aus: So unterschiedlich wie die Unternehmen sind auch die Menschen, die dahinter stehen.

Es gibt zielbewusste Managerpersönlichkeiten, die aufgrund ihrer Führungsstärke und ihres Organisationstalents selbst riesige Konzerne gründen und leiten könnten. Es gibt aber auch kreative Visionäre, die vor Ideen nur so sprühen und an jeder Ecke neue Chancen wittern. Und dann gibt es noch die Fachleute, denen auf ihrem Gebiet keiner etwas vormacht. Sie alle haben ihre Stärken – und ihre Schwächen.

Der Idealfall tritt ein, wenn Manager, Visionäre und Fachleute in einem Unternehmen an einem Strang ziehen: Dann verhindern die Manager, dass die Visionäre sich verzetteln und die Fachleute im stillen Kämmerlein am Markt vorbei entwickeln, während die Visionäre dafür sorgen, dass kein Trend verschlafen wird und die Fachleute die besten Lösungen für konkrete Probleme erarbeiten.

Gemeinsam statt alleine gründen

Deshalb sind Teamgründungen heute so beliebt: Im Team ergänzen sich die Stärken der einzelnen Mitglieder, und ihre Schwächen werden ausgeglichen. Wenn das für dich keine Option ist, solltest du besonders darauf achten, dass dein Unternehmen zu dir und deinen persönlichen Eigenschaften passt.

Eigentlich ist es ja ganz logisch: Das Führen eines schnell wachsenden StartUps erfordert gänzlich andere Fähigkeiten, als der Aufbau eines kleinen Dienstleistungsbüros, bei dem es auf individuelle Lösungen und einen engen Draht zum Kunden ankommt. Für einen Onlineshop, dessen gesamter Vertrieb digital organisiert wird, braucht es andere Eigenschaften, als für einen eigenen Laden, bei dem die persönliche Beratung zählt.

Diese Eigenschaften zeichnen erfolgreiche Unternehmer aus

Es gibt also nicht den einen Unternehmertyp, sondern viele verschiedene Unternehmertypen. Dennoch lassen sich einige Eigenschaften definieren, die beim Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens hilfreich sein können.

Die Wissenschaft versucht schon seit Längerem der Frage auf den Grund zu gehen, was erfolgreiche Unternehmer auszeichnet. Gibt es Merkmale, die sie alle gemeinsam haben – und wenn ja, welche sind das?

Mehrere Studien kommen zu dem Schluss, dass es tatsächlich solche Übereinstimmungen gibt. Es handelt sich dabei allerdings gleich um ein ganzes Bündel von Eigenschaften – und keiner der untersuchten Unternehmer weist sie alle gleichzeitig auf.

Andreas Lutz von stern.de hat die sieben Eigenschaften, die wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge erfolgreiche Unternehmer auszeichnen, bereits im September 2011 sehr anschaulich zusammengefasst. Wir haben uns erlaubt, aus seinem Artikel die zentralen Inhalte zu übernehmen:

Nr. 1: Eigenmotivation

Erfolgreiche Unternehmer weisen eine hohe innere Motivation auf. Sie brennen für ihr Vorhaben und es fällt ihnen leicht, sich zu motivieren. Das ist wichtig, denn wenn du selbstständig bist, gibt es keinen Chef mehr, der dich antreibt. Und keine Stechuhr zählt jede Minute, die du zu spät am Arbeitsplatz erscheinst. Abgesehen davon: Wie willst du andere von deiner Geschäftsidee begeistern, wenn du selbst nicht begeistert bist?

Teste dich selbst, indem du folgende Aussagen durchgehst. Wenn sie überwiegend auf dich zutreffen, ist deine Eigenmotivation stark ausgeprägt:

  • Ich bearbeite eine Aufgabe, die ich mir selbst gestellt habe, am liebsten alleine und nicht im Team.
  • Es ruft in mir eine tiefe Befriedigung hervor, wenn ich ein Projekt fehlerfrei und gewissenhaft abgeschlossen habe.
  • Es ist mir wichtiger, meinen eigenen Vorgaben gerecht zu werden, als denen eines Vorgesetzten.

Nr. 2: Glaube an die Machbarkeit

Viele erfolgreiche Unternehmer sind davon überzeugt, dass jeder für seinen Erfolg selbst verantwortlich ist. Psychologen haben dafür den Begriff „internale Kontrollüberzeugung“ geprägt. Wer sie hat, will Probleme selbst lösen und hasst es, bevormundet zu werden.

Wenn du den folgenden Aussagen überwiegend zustimmen kannst, verfügst du über eine hohe „internale Kontrollüberzeugung“:

  • Ich glaube an die alte Weisheit: „Jeder ist seines Glückes Schmied“
  • Erfolg ist das Ergebnis harter Arbeit und hat mit Glück, Zufall oder günstigen Gegebenheiten nicht viel zu tun.
  • Ich kenne meine Stärken und weiß diese richtig einzusetzen.

Du findest dich in diesen Aussagen nicht so recht wieder? Keine Panik! Das ist noch lange kein Grund, deine Träume von der Selbstständigkeit zu begraben. Denn das Selbstbewusstsein, das aus diesen Aussagen spricht, wirst du nach und nach entwickeln.

Je besser du deine individuellen Stärken in dein Unternehmen einbringen kannst, desto schneller wird dein Glaube an die Machbarkeit der Dinge wachsen. Vorausgesetzt, deine Geschäftsidee bietet dir die Möglichkeit dazu, weil sie zu deiner Persönlichkeit passt.

Nr. 3: Innere Stabilität

Viele erfolgreiche Unternehmer strahlen selbst in Krisenzeiten eine fast unerschütterliche Ruhe aus. Das liegt daran, dass sie ihre Gefühle unter Kontrolle haben und sich von negativen Erlebnissen nicht aus der Fassung bringen lassen. Das ist sehr bedeutsam, denn nur dann können sie sich voll und ganz auf ihre Aufgaben konzentrieren.

Um mit den Unsicherheiten und Misserfolgen umgehen zu können, die jede Gründung mit sich bringt, braucht es ein hohes Maß an innerer Stabilität. Sie geht einher mit einem souveränen Umgang mit Kritik und der Fähigkeit, Ratschläge von anderen annehmen zu können.

Vor allem in der Anfangsphase wirst du Rückschläge erleben. Dann kommt es darauf an, Nerven zu bewahren und dich nicht gleich aus dem Konzept bringen zu lassen.

Wenn du folgenden Aussagen überwiegend zustimmen kannst, ist deine emotionale Stabilität stark ausgeprägt:

  • Ich kann konstruktiv mit Kritik umgehen und nehme sie nicht gleich persönlich.
  • Fehler sehe ich vor allem als Chance, daraus zu lernen und mich zu verbessern.
  • Von Rückschlägen lasse ich mich nicht aus der Bahn werfen. Ich bleibe auf das Wesentliche fokussiert.
  • Negative Erfahrungen kann ich schnell abhaken, ohne dass sie mich blockieren und mir meine Kraft rauben.

Nr. 4: Problemlösungsorientierung

Eine Eigenschaft, die vielen erfolgreichen Unternehmern zu eigen ist, ist ihre starke Problemlösungsorientierung. Das erkennt man daran, dass sie von der Lösbarkeit einer Aufgabe überzeugt sind, selbst wenn diese für sie komplett neu ist und noch kein Lösungsweg bekannt ist.

In der Psychologie werden zwei Arten von Problemlösungsorientierung unterschieden: die analytische, planvolle und die intuitive, kreative Problemlösungsorientierung. Die meisten von uns neigen entweder zu der einen oder der anderen Strategie.

Wenn die folgenden Aussagen auf dich überwiegend zutreffen, spricht das für ein hohes Maß an Problemlösungsorientierung:

  • Wenn ich vor einer neuen Aufgabe stehe, gehe ich davon aus, dass sie lösbar ist – auch wenn ich noch nicht weiß, wie.
  • Analytischer Ansatz:
    • Ich gehe jedes Problem planvoll an und analysiere zunächst alle Aspekte, bevor ich nach einer Lösung suche.
    • Ich liebe Strategiespiele.
    • Ich beginne jeden Morgen mit einem genauen Plan, wie mein Tag ablaufen wird.
  • Kreativer Ansatz
    • Bei der Lösung eines Problems gehe ich eher ungeplant vor und probiere verschiedene Möglichkeiten aus.
    • Ich stehe auf neue Herausforderungen.
    • Aufgaben, die nur schwer zu analysieren sind, löse ich am liebsten.

Nr. 5: Risikobereitschaft

Jede Gründung ist mit Risiken behaftet. Schließlich kann man sich nicht sicher sein, ob eine Geschäftsidee wirklich Erfolg haben wird. Und auch später muss man als Unternehmer viele Entscheidungen treffen und trägt die alleinige und volle Verantwortung dafür. Ein gewisses Maß an Risikobereitschaft ist also sicher kein Nachteil, wenn man mit dem Gedanken spielt, sich selbstständig zu machen.

Psychologen definieren Risikobereitschaft als die Neigung, Entscheidungen zu treffen, von denen man nicht wissen kann, ob sie sich als falsch oder richtig erweisen. Dabei kommt es, wie so oft im Leben, auf das rechte Maß an: Waghalsigkeit ist eher keine Eigenschaft, die einen erfolgreichen Unternehmer ausmacht. Die Bereitschaft, kalkulierbare Risiken einzugehen, dagegen schon.

Wenn du den folgenden Aussagen eher zustimmen kannst, hast du mit mangelnder Risikobereitschaft kein Problem:

  • Ich übernehme Verantwortung für mein Handeln.
  • Ich kann mit Unsicherheiten umgehen.
  • Ich habe einen Überblick über meine Finanzen und kann das finanzielle Risiko gut einschätzen, das ich eingehen kann.

Nr. 6: Durchsetzungsbereitschaft

Durchsetzungsbereitschaft hängt eng mit dem Merkmal Risikobereitschaft zusammen. Denn wer seine Ideen und Überzeugungen durchsetzt, geht das Risiko ein, sich dem Willen anderer entgegenzustellen und dadurch ihre Sympathie und Unterstützung zu verlieren. Erfolgreiche Unternehmer lassen sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Sie bestehen auf ihren Wünschen – aber nicht zu jedem Preis.

Wenn du den folgenden Aussagen überwiegend zustimmst, ist deine Durchsetzungsbereitschaft gut ausgeprägt:

  • Es fällt mir leicht, meine Interessen zu benennen und für sie einzustehen.
  • Ich lasse mich in Verhandlungen nicht unterkriegen.
  • Ich habe kein Problem damit, mich gegen andere durchsetzen, auch wenn mir Gegenwind entgegenschlägt.

Nr. 7: Toleranz gegenüber Ungewissheit

Das Persönlichkeitsmerkmal „Ungewissheitstoleranz“ bezeichnet die Neigung, vor Neuem nicht zurückzuschrecken. Es geht dabei um Situationen, die so komplex oder ungewohnt sind, dass zunächst selbst die verschiedenen Handlungsoptionen unklar sind. Wer über diese Eigenschaft verfügt, ist sehr neugierig und offen.

Wenn du den folgenden Aussagen überwiegend zustimmen kannst, ist deine Ungewissheitstoleranz stark ausgeprägt:

  • Ich gehe gerne auf Partys, selbst wenn ich dort fast niemanden kenne. Oder wähle ich Reiseziele aus, an denen ich noch nie zuvor gewesen bin.
  • Ich liebe es, mich unübersichtlichen Situationen zu stellen und kreativ damit umzugehen.
  • Sehr strukturierte Aufgaben und Routine-Tätigkeiten langweilen mich und üben überhaupt keinen Reiz auf mich aus.

Wenn du den meisten der hier genannten Aussagen zustimmen kannst, solltest du nicht länger zögern, sondern dich gut vorbereitet auf den Weg in die Selbstständigkeit begeben. Die Aussicht auf ein erfolgreiches und erfüllendes Unternehmer-Leben ist dabei umso größer, je besser deine Geschäftsidee zu deiner Persönlichkeit passt.

Aber selbst, wenn du dich in einem Teil der Aussagen überhaupt nicht wiedergefunden hast, ist das kein Grund, die Segel zu streichen! Sieh es als Herausforderung an und arbeite an den Schwächen, die du beim Lesen dieses Artikels vielleicht erkannt hast. Denk daran, dass niemand perfekt ist und jede Gründung der Persönlichkeitsentwicklung dient.

Was bringen Persönlichkeitstests für Gründer?

Auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse wurden diverse Persönlichkeitstests entwickelt, mit denen man sein unternehmerisches Potenzial überprüfen kann. Du kannst zum Beispiel mit dem sogenannten FDUP-Fragebogen testen, wie stark die hier beschriebenen Merkmale bei dir ausgeprägt sind.

Wir stehen solchen Tests allerdings skeptisch gegenüber. Solange du sie als einen Weg der Selbstreflexion siehst, kann es zwar nicht schaden, den einen oder anderen zu durchlaufen. Die Testergebnisse können dir dabei helfen, dir deiner Schwächen bewusst zu werden und zu erkennen, ob und wo du eventuell noch an dir arbeiten kannst.

Doch keinesfalls solltest du dir jedoch einreden lassen, du wärst nur für ein Angestelltendasein bestimmt! Denn was diese Tests ausblenden: Firma ist nicht gleich Firma. Es kommt immer darauf an, was für ein Unternehmen du gründen willst.

Auch wenn du nur wenige der hier beschriebenen Unternehmer-Eigenschaften aufweist, kannst du ein erfolgreiches und glückliches Leben in der Selbstständigkeit führen – solange du das Unternehmen gründest, das zu dir passt!

Fazit

Lass dich vom Thema Unternehmerpersönlichkeit nicht verrückt machen. Es gibt kaum jemanden, der über alle hier geschilderten Merkmale verfügt. Viel wichtiger ist, ob du eine Geschäftsidee findest, die deinen individuellen Fähigkeiten und Neigungen gerecht wird. Denn das ist die entscheidende Voraussetzung dafür, ein erfolgreiches und vor allem auch erfüllendes Unternehmer-Leben zu führen!

Wenn du an einigen Stellen gemerkt hast, dass du Schwächen hast, frage dich, wie bedeutsam das jeweilige Persönlichkeitsmerkmal für dein Vorhaben wirklich ist. Mach dir außerdem bewusst, dass du im Laufe des Gründungsprozesses viele neue Erfahrungen sammeln und neue Seiten an dir kennen lernen wirst. Hinterher wirst du ein anderer Mensch sein als jetzt.

Außerdem gibt es ja immer noch die Lösung, im Team zu gründen. Auch dabei hilft es dir, deine Schwächen und Stärken zu kennen. Denn nur so kannst du Partner finden, die dich perfekt ergänzen und deine Defizite ausgleichen.


Über den Autor:

Dr. Jan Evers ist einer der Geschäftsführer der Business Pilot GmbH. Sie entwickelt und betreibt die neue Gründerplattform. Die Plattform zielt darauf, durch digitale Prozesse das Gründen in Deutschland einfacher zu machen. Das Bundeswirtschaftsministerium und die KfW sind Initiatoren des Projektes.

Bilder: Pexels

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