KI-Kennzeichnung (Bild: Magnific AI)

KI-Kennzeichnungspflicht: 11 wichtige Dinge, die du jetzt unbedingt wissen musst

Schon mitbekommen? Seit dem 2. August 2026 gilt die KI-Kennzeichnungspflicht für alle Selbstständigen und Unternehmen. Das sind die wichtigsten Fakten.

KI-Inhalte müssen ersichtlich sein

Der EU AI Act, auch bekannt als KI-Verordnung, wird stufenweise ausgerollt. Kürzlich wurde die KI-Kennzeichnungspflicht wirksam. Das heißt, du musst gewisse KI-generierte Inhalte – zum Beispiel Texte, Bilder und Videos – markieren. Der Sinn? Es soll verhindert werden, dass Menschen von KI-Kreationen getäuscht werden.

Musst du nun alles kennzeichnen? Nein! Es gibt allerlei Regeln, Sonderregelungen und Ausnahmen. Damit du hier schnell durchblicken kannst, werden in diesen Ratgeber die wichtigsten Fragen zur KI-Kennzeichnungspflicht geklärt.

Hinweis: Die in diesem Beitrag genannten Informationen stellen keine rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Falls du eine rechtliche oder steuerliche Beratung benötigst, dann wende dich bitte an einen qualifizierten Experten.

Bist du ein KI-Betreiber?

Im EU AI Act wird zwischen Anbietern und Betreibern unterschieden. Als Anbieter gilt man beispielsweise, wenn man KI-Systeme entwickelt und anderen zugänglich macht.

Wenn du KI-Systeme wie ChatGPT, Midjourney oder Adobe Firefly beruflich einsetzt – egal ob du YouTuber, StartUp-Gründer oder Marketing-Manager eines mittelständischen Unternehmens bist –, fällst du unter die Definition des Betreibers. Warum? Du nutzt die Künstliche Intelligenz in eigener Verantwortung für geschäftliche Zwecke.

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Was ist eigentlich ein Deepfake?

Die KI-Kennzeichnungspflicht wurde hauptsächlich eingeführt, um Menschen vor Deepfakes zu schützen. Ein  Deepfake ist laut der EU-Kommission jeder durch KI erzeugte oder manipulierte Bild-, Ton- oder Videoinhalt, der realen Personen, Gegenständen, Orten oder Ereignissen merklich ähnelt und fälschlicherweise als echt oder wahrheitsgemäß erscheinen könnte.

Ja, hierbei geht es einerseits um all den AI-Slop, den du auf Instagram und TikTok siehst, bei dem Politiker oder Promis etwas Verrücktes tun. Es geht aber auch um fotorealistisch wirkende Models, die es gar nicht gibt. Auch Produktfotos in Onlineshops, die komplett mit KI generiert werden, können als Deepfake angesehen werden.

Muss jedes KI-Bild gekennzeichnet werden?

Nein, nicht jedes KI-Bild braucht einen Warnhinweis! Die entscheidende Frage ist, ob das Publikum den Inhalt für eine echte, authentische Aufnahme halten könnte. Stichwort: Deepfake. Aber es gibt auch einen großen Graubereich.

Hier ist eine schnelle Orientierungshilfe:

Kennzeichnungspflichtig

✅ Fotorealistische Alltagsszenen, beispielsweise eine Person am Strand

✅ Virtuelle Models in Onlineshops oder als Corporate Influencer

✅ Plausible Ereignisse, die aber nie stattgefunden haben

Keine Kennzeichnung nötig

🛑 Offensichtliche Illustrationen, Comic- oder Cartoon-Stile

🛑 Abstrakte Grafiken, Icons und dekorative Web-Elemente

🛑 Unmögliches wie sprechende Hunde oder lachende Katzen

Was ist mit kleinen KI-Manipulationen?

Der EU AI Act ist nicht so streng, wie oft getan wird. Es gibt Entwarnung für alle, die KI nur als Werkzeug zur Optimierung nutzen. Das bedeutet: Die Kennzeichnungspflicht greift nicht bei einer Standard-Retusche.

Das bedeutet, solange du nur technische Korrekturen vornimmst – etwa die Belichtung anpasst, Bildrauschen reduzierst, einen störenden Mülleimer im Hintergrund entfernst oder den Bildausschnitt veränderst –, musst du kein AI-Label verwenden.

Wichtig: Voraussetzung ist, dass die Semantik – also der Sinngehalt – und der wahrheitsgemäße Gesamteindruck des Bildes nicht wesentlich verändert werden.

Muss man alle KI-Texte markieren?

Nein! Bei Texten gilt die KI-Kennzeichnungspflicht primär für Inhalte, die die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse (Politik, Gesundheit, Verbraucherschutz) informieren sollen. Doch es gibt den wertvollen Redaktionsvorbehalt. Was heißt das? Wenn ein Mensch den KI-Text prüft, überarbeitet und die finale redaktionelle Verantwortung übernimmt, entfällt die Pflicht zur Kennzeichnung.

Wichtig: Ein bloßes Drüberschauen reicht nicht aus! Es muss eine echte inhaltliche Kontrolle durch eine natürliche oder juristische Person stattfinden. Diese hat dann für den Inhalt gerade zu stehen.

Muss man auch KI-Chatbots kennzeichnen?

Ja! Interagiert einer deiner Kunde direkt mit einer Künstlichen Intelligenz, muss dies sofort offenbart werden. Die Nutzer dürfen also nicht im Unklaren darüber gelassen werden, ob sie sich mit einem Menschen oder einem KI-Chatbot austauschen.

Das bedeutet: Spätestens beim ersten Kontakt muss ein klarer Hinweis erscheinen. Hier eignen sich Formulierungen wie „Du chattest hier mit einer KI-Assistentin“ oder „Dieser Chat wird von einem KI-System betrieben“.

Wo muss die KI-Kennzeichnung platziert werden?

Das kommt auf den Einsatz an. Die Kennzeichnung sollte im Idealfall direkt im Inhalt selbst erfolgen. Bei Bildern bedeutet das: Der Hinweis muss direkt im Bild (beispielsweise als kleine Grafik) platziert sein. Bei Videos muss die Kennzeichnung am Anfang stehen und nach Unterbrechungen wiederholt werden.

Wichtig: Verlasse dich nicht allein auf die „Made with AI“-Buttons von Instagram oder TikTok. Wenn ein Nutzer dein Video herunterlädt und das Plattform-Label verschwindet, bist du für die fehlende KI-Kennzeichnung haftbar. Der Hinweis muss also „eingebrannt“ oder dauerhaft mit dem Inhalt verbunden sein.

Wie lässt sich die KI-Kennzeichnung umsetzen?

Um die Umsetzung zu erleichtern, hat die EU drei offizielle Symbole eingeführt. Diese kannst du verwenden – musst du aber nicht. Du kannst auch eigene, verständliche Icons kreieren.

Hast du nun die Befürchtung, dass du für jedes Bild gleich Canva oder Photoshop anschmeißen musst? Keine Sorge, es gibt im Internet schon zig Onlinetools. Zum Beispiel den kostenlosen und einfach zu bedienenden KI-Kennzeichner von KI-Känguru.

Was passiert bei Verstößen?

Bei Verstößen gegen die Transparenzpflichten drohen Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes deines Unternehmens. Besonders kritisch ist, dass das Gesetz keine zwingende Vorwarnung vorsieht. Die Behörden können also direkt sanktionieren.

Kann man auch von Konkurrenten verklagt werden?

Ja. Neben den staatlichen Bußgeldern ist das Risiko durch das UWG (Wettbewerbsrecht) in Deutschland fast noch gefährlicher. Da die KI-Kennzeichnungspflicht eine Marktverhaltensregel ist, können Mitbewerber und Verbände dich bei Verstößen kostenpflichtig abmahnen.

Weshalb? Eine fehlende Kennzeichnung – unter anderem bei den KI-generierten Produktfotos für deinen Onlineshop – wird als Irreführung gewertet. Da diese privaten Abmahnungen oft viel schneller und häufiger erfolgen als behördliche Verfahren, solltest du deine Workflows spätestens jetzt auf Wasserdichtigkeit prüfen.

Fazit

Der EU AI Act ist kein zahnloser Papiertiger, sondern wird zunehmend gefährlicher. Die KI-Kennzeichnungspflicht nimmt nun alle in die Pflicht, über ihre KI-generierten Inhalte intensiv nachzudenken und sie bei Bedarf auch richtig zu markieren. Tust du das nicht, drohen dir saftige Strafen.

Du siehst auch: Es gibt noch einige Graubereiche. Deshalb wird es sicherlich einige Klagewellen und juristische Entscheidungen geben. Bleibe also immer up-to-date, damit du nicht in einen unnötigen und teuren Rechtsstreit verwickelt wirst!

Bilder: Magnific AI

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