Systematic Inventive Thinking (Bild: Freepik)

Systematic Inventive Thinking: So lassen sich mit der SIT-Methode geniale Innovationen erschaffen

  • Letztes Update:2 Wochen 
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Du suchst eine gute Idee für dein StartUp? Oder möchtest du die Erfindung von Innovationen vorantreiben? Dann nutze die SIT-Methode!

Kann man Innovationen auf dem Reißbrett entwerfen?

Viele Menschen denken, innovative Konzepte und Produkte würden aus einem Geistesblitz heraus entstehen. Ja, in vielen Fällen war eine spontane Idee der Grundstein. Du kannst Erfindungen auch durch spezielle Techniken kreieren – zum Beispiel über das Systematic Inventive Thinking.

Was das genau ist und wie es funktioniert, erklärt dir Professor Dr. Sebastian Pioch im StartUpWissen Podcast.

Was bedeutet Systematic Inventive Thinking?

Systematic Inventive Thinking – kurz: SIT – heißt übersetzt so viel wie “systematisches, erfindungsreiches Denken” oder “systematisches Erfinden”. Doch eigentlich gibt es dafür keine echten deutschen Begriff.

Das Systematic Inventive Thinking ist eine Methode, um Ideen und Innovationen zu entwickeln. Wendest du SIT an, dann analysierst du bestehende Produkte, nimmst sie auseinander und erschaffst daraus neue, kreative Lösungen.

Wie gehören SIT und TRIZ zusammen?

Das Systematic Inventive Thinking basiert auf TRIZ. TRIZ wurde in den 1940er-Jahren vom russischen Erfinder und Sci-Fi-Autoren Genrich Altshuller erdacht.

Das Akronym steht im Russischen für теория решения изобретательских задач, was im Deutschen “Theorie des erfinderischen Problemlösens” heißt. Im Englischen kennt man TRIZ als TIPS – Theory of Inventive Problem Solving.

Was ist das Besondere an Systematic Inventive Thinking?

Bei vielen Innovations- und Kreativitätsmethoden geht es darum, “outside the box” zu denken. Das heißt, du sollst über den Tellerrand schauen, um eine Lösung für ein Problem zu finden.

Beim SIT denkst du dagegen “inside the box”. Wie das geht, erläutert dir unter anderem das Buch Inside the Box: Warum die besten Innovationen im Geschäftsleben direkt vor Ihren Füßen liegen* von Drew Boyd und Jacob Goldenberg.

Was heißt das? Finde ein Problem heraus und nutze es als Teil deiner neuen, innovativen Lösung!

Sebastian liefert dir dazu im StartUpWissen Podcast ein paar tolle Beispiele. Er erläutert dir unter anderem, wie es gelang, Absperrgitter zu erfinden, die nicht mehr umfallen können. Oder wie es möglich ist, dass Funkantennen bei Schneefall nicht mehr einfrieren. Oder wie aus einem Fahrrad ein Heimtrainer entstand, der ganz neue Kundenbedürfnisse anspricht.

Wie funktioniert die SIT-Methode?

Nutzt du das Systematic Inventive Thinking, kannst du fünf Techniken bzw. Werkzeuge anwenden, um eine kreative Lösung zu finden oder um ein innovatives Produkt zu entwerfen.

Die fünf Techniken sind:

  • Subtraction: Du nimmst ein bestehendes Produkt und entfernst Komponenten
  • Multiplication: Hierbei multiplizierst du eine essentielle Komponente
  • Division: Du teilst ein Produkt in mehrere Bestandteile auf
  • Unification: Vereine mehrere Produkte oder Funktionen in einem
  • Attribute Dependency: Erschaffe Abhängigkeiten zwischen äußeren Faktoren und einem Produkt

Wie dir vielleicht aufgefallen ist, gibt es beim Systematic Inventive Thinking nicht den Punkt “Addition”. Denn dieser würde dem Grundgedanken dem SIT, dass man “inside the box” bleibt, widersprechen.

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Wie du die fünf SIT-Werkzeuge richtig anwendest

Hier erfährst du, wie du diese Werkzeuge gezielt einsetzen kannst.

1. Subtraction

Beim Subtraktions-Werkzeug entfernst du ein wesentliches Element deines Produkts oder Systems und analysierst, welche neuen Möglichkeiten dadurch entstehen.

Beispiel
Stell dir vor, du entwickelst ein neues Smartphone. Anstatt immer mehr Funktionen hinzuzufügen, entfernst du die physische Tastatur komplett. Das Ergebnis? Ein Touchscreen-Smartphone, das intuitiver zu bedienen ist und eine größere Displayfläche bietet. Durch das Weglassen eines Elements entsteht ein völlig neues Nutzungserlebnis.

Anwendung
Überlege, welches Element deines Produkts du entfernen könntest. Welche neuen Funktionen oder Vorteile könnten daraus entstehen? Diese Übung hilft dir dabei, deine Innovationsprozesse auf eine neue Ebene zu heben.

2. Division

Die Divisions-Technik teilt ein Produkt oder System in kleinere, unabhängige Teile auf, die dann in neuer Reihenfolge oder unabhängig voneinander genutzt werden können.

Beispiel
Denk an Zahnpasta. Statt einer einheitlichen Tube, die alle Kundenerwartungen abdeckt, könntest du die Zahnpasta in verschiedene Tuben aufteilen: eine für Weißung, eine für Frische und eine für Karies-Schutz. Diese Segmentierung ermöglicht es dem Kunden, die Zahnpaste gezielt nach seinen Bedürfnissen auszuwählen.

Anwendung
Teile dein Produkt in seine Hauptbestandteile und überlege, wie diese separat oder in neuer Kombination verwendet werden können. Diese Methode hilft dir, neue Marktsegmente zu erschließen oder dein Produktportfolio zu erweitern.

Produktionsplanung (Bild: Freepik)

3. Multiplication

Bei der Multiplikation nach SIT vervielfältigst du ein bestehendes Element deines Produkts, jedoch mit einer Variation. Dieser Ansatz kann dir helfen, dein Produkt vielseitiger und attraktiver zu gestalten.

Beispiel
Ein einfaches Beispiel ist ein Kugelschreiber mit mehreren Farbminen, die durch Drehen des Stiftes ausgewählt werden können. Durch die Vervielfältigung der Minen, aber mit verschiedenen Farben, wird der Stift multifunktional und nützlicher für den Benutzer.

Anwendung
Welches Element deines Produkts lässt sich vervielfältigen und welche Variationen sind sinnvoll? Stelle dir diese Frage, um die Multiplication-Technik des Systematic Inventive Thinkings anzuwenden.

4. Task Unification

Das Werkzeug der Aufgabeneinheit weist einem bestehenden Element deines Produkts eine zusätzliche Aufgabe zu. Dies erhöht die Funktionalität und den Wert deines Produkts.

Beispiel
Ein moderner Rückspiegel im Auto, der gleichzeitig als Display für die Rückfahrkamera dient. Hier übernimmt der Spiegel nicht nur die Aufgabe, den rückwärtigen Verkehr anzuzeigen, sondern auch die Rückfahrkamera-Bilder.

Anwendung
Schaue dir die Elemente deines Produkts genau an und überlege, welche zusätzlichen Aufgaben sie übernehmen könnten. Und experimentiere, um auf frische Ideen zu kommen!

5. Attribute Dependency

Dieses Werkzeug schafft oder entfernt Abhängigkeiten zwischen den Eigenschaften eines Produkts und seiner Umgebung oder zwischen seinen eigenen Eigenschaften. Dies ermöglicht dir, dein Produkt flexibler und anpassungsfähiger zu machen.

Beispiel
Dynamische Preisschilder, die ihre Preise je nach Nachfrage oder Tageszeit ändern. Diese Flexibilität kann deinen Umsatz steigern und deine Kunden besser ansprechen.

Anwendung
Überlege, welche Eigenschaften deines Produkts voneinander abhängig gemacht werden können oder welche Abhängigkeiten entfernt werden sollten. Diese Methode hilft dir, deine Produkte dynamischer und attraktiver zu gestalten.

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Die Anwendungsbereiche von Systematic Inventive Thinking

SIT ist eine vielseitige Methode, die in vielen Bereichen angewendet wird. Hier ein paar Einsatzgebiete:

Produktentwicklung

SIT hilft Unternehmen, bestehende Produkte zu verbessern oder neue Produkte zu entwickeln. Durch den gezielten Einsatz der SIT-Werkzeuge wie Subtraktion oder Multiplikation können bahnbrechende Features oder komplett neue Produktvarianten entstehen.

Prozessoptimierung

Systematic Inventive Thinking wird häufig in der Prozessoptimierung eingesetzt, um Abläufe effizienter zu gestalten. Unternehmen analysieren damit Prozesse und verändern sie, um Kosten zu senken und die Produktivität zu steigern.

Marketing und Vertrieb

Im Marketing hilft SIT, kreative Werbekampagnen und ungewöhnliche Vertriebsstrategien zu entwickeln. Mit Werkzeugen wie der Attribut-Abhängigkeit lassen sich dynamische Preisstrategien oder personalisierte Marketingmaßnahmen entwerfen, die besser auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen.

Service-Innovation

Dienstleistungsunternehmen nutzen SIT, um ihre Serviceangebote zu verbessern und neue Dienstleistungen zu schaffen. Durch Task Unification können beispielsweise bestehende Serviceprozesse multifunktionaler gestaltet werden, was den Kundenservice verbessert und die Kundenzufriedenheit erhöht.

Geschäftsmodell-Erweiterungen

SIT kann auch bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle oder der Anpassung bestehender Modelle angewendet werden. Unternehmen jeder Größe erschließen mit dem Systematic Inventive Thinking auf Basis der vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten neue Geschäftsfelder oder finden neuartige Wege für eine tiefere Wertschöpfung.

Workshop zum Thema SIT

Weitere Informationen und Beispiele zum Systematic Inventive Thinking bekommst du in diesem Video:

Welche Methoden zur Produktentwicklung gibt es noch?

In den letzten Jahren haben sich verschiedene Techniken, Methoden und Frameworks etabliert, um Ideen zu finden und Innovationen systematisch am Markt zu platzieren. Dazu gehören unter anderem das Design Thinking, Jobs To Be Done, die Kopfstand-Technik, das Business Model Canvas und der Business Model Navigator.

Wendest du diese an und kombinierst sie beispielsweise mit Systematic Inventive Thinking, kannst du einen hohen Output an tollen Ideen bekommen. Und es lassen sich neben innovativen Produkten auch kreative Marketing- und Vertriebsmaßnahmen entwickeln. Ein Beispiel ist die Teekampagne, die Günter Faltin in seinem Buch Kopf schlägt Kapital* beschreibt. Und auch Sebastian Pioch stellt in seinem Werk Start-up Skills: Der Guide für Entrepreneure und Querdenker* ein paar erprobte Wege vor.

Bilder: Pixabay, Freepik

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