Pentest / Penetration Test - Security Alert (Bild: Freepik)

Unentdeckte Schwachstellen? Deshalb können Penetrationstests für dein StartUp lebenswichtig sein

  • Letztes Update:1 Woche 
  • Lesezeit:7Minuten

Beschäftigst du dich mit IT-Security? Erfahre hier, warum Penetrationstests dein kleines Unternehmen vor großen Bedrohungen schützen.

Ein Gastbeitrag von Alexander Caswell / Trovent Security

Existenzbedrohende Kosten durch Cyber-Angriffe

In einer globalisierten Welt, in der Unternehmen aller Größenordnungen von der fortschreitenden Vernetzung und Digitalisierung profitieren, wächst auch das Risiko von Cyber-Angriffen. Mittlerweile ist es nicht mehr eine Frage, ob ein Unternehmen angegriffen wird, sondern wann und wie stark.

Durch Cyber-Angriffe entstehen mittlerweile gigantische Kosten von mehreren hundert Milliarden Euro pro Jahr. Denn selbst vermeintlich kleine Datenpannen können dein Unternehmen zig Millionen Euro kosten.

Cybercrime-Kosten (Bild: TÜV Rheinland)

Für StartUps und kleine Unternehmen kann somit ein einziger Sicherheitsvorfall verheerende Auswirkungen haben – vom Verlust des Kundenvertrauens über finanzielle Einbußen bis hin zum Konkurs. Es ist daher extrem wichtig, in eine robuste IT-Infrastruktur zu investieren, um überlebenswichtige Geschäftsprozesse und sensible Daten zu schützen.

In diesem Kontext gewinnen Maßnahmen wie Penetrationstests an Bedeutung.

Was ist ein Penetrationstest?

➡ Bei einem Penetrationstest (auch Penetration Test oder Pentest genannt) werden IT-Systeme oder einzelne Anwenden intensiv auf Schwachstellen getestet.

➡ Bei einem Pentest setzen Experten – die Penetration Tester bzw. Pentester – spezielle Tools und Methodiken ein, die auch von Angreifern verwendet werden.

➡ Mit diesen Tests wird geprüft, wie resilient deine IT- und Applikationslandschaft (oder einzelne Bestandteile davon) gegen potentielle Angreifer ist. Ziel ist es, einem gezielten oder auch zufälligen Hacker-Angriff zuvorzukommen.

➡ Werden Sicherheitslücken und andere Probleme gefunden, sollten diese schnellstmöglich gelöst werden, um das Risiko einer Kompromittierung oder eines kompletten Systemausfalls zu reduzieren.

Welche Arten von Pentests gibt es?

Um einen Penetration Test durchzuführen, kann man zwischen verschiedenen Vorgehensweisen wählen:

🔍 White-Box-Test

Bei diesem Ansatz erhalten Penetration Tester umfassende Informationen im Bezug auf das zu testende Zielsystem. Beispielsweise bedeutet das im Falle einer zu testenden Web-Applikation, dass der Pentester Einsichtnahme in den Quellcode der Applikation erhält.

🧩 Black-Box-Test

Bei einem Black-Box-Test hat ein Pentester im Vorfeld keinerlei Informationen oder Details über das zu testende Zielsystem bzw. den Kontext. Die Ausgangslage bei einem Black-Box Pentest ist vergleichbar mit der Informationsbasis, die ein externer Angreifer besitzt – nahezu keine, außer den Namen des Ziels.

🎁 Grey-Box-Test

Ein Grey-Box-Test stellt eine Kombination aus dem White-Box- und Black-Box-Ansätzen dar. Das heißt, die Pentester erhalten begrenzte Informationen über die anzugreifenden Zielsysteme, müssen aber ihre Zeit nicht in die sogenannte Reconnaissance, also die initiale Beschaffung von Informationen, investieren.

Ab welcher Unternehmensgröße sind Penetrationstests notwendig?

Penetrationstests sind für Unternehmen jeder Größe relevant. Allerdings variieren die spezifischen Anforderungen und der Umfang der Tests je nach Größe, Art und Branche deines Unternehmens. Der notwendige Umfang und Fokus von Penetrationstests kann von verschiedenen Aspekten abhängen.

📊 Unternehmensgröße

  • Kleine Unternehmen und StartUps
    Selbst kleinste Unternehmen sind potenzielle Ziele für Cyber-Angriffe, insbesondere wenn sie über umfangreiche personenbezogene Daten oder wertvolles geistiges Eigentum verfügen. Daher müssen sich auch StartUps frühzeitig aktiv um technische Schwachstellen kümmern – entweder in Form von grundlegenden Schwachstellenscans oder umfangreicheren Penetrationstests. Es sind auch gezielte Web Application Penetrations möglich.

  • Mittelständische Unternehmen
    Mit zunehmender Unternehmensgröße und komplexerer IT-Infrastruktur steigen auch die Anforderungen an die Cyber-Sicherheit. Hier sind umfassendere und regelmäßige Penetrationstests angebracht, um der größeren potentiellen Angriffsfläche gerecht zu werden.

🏭 Branche und Geschäftsmodell

Proaktive Schwachstellenbehebung stärkt die Resilienz des Unternehmens. Penetrationstests sind daher nicht nur von der Unternehmensgröße abhängig, sondern vor allem vom Geschäftsmodell, regulatorischen Anforderungen und der Bedeutung bestimmter IT-Infrastrukturen für den Geschäftsbetrieb. Hier ein paar Beispiele:

  • Regulierte Branchen / Kritische Infrastruktur
    Unternehmen in bestimmten Branchen, wie beispielsweise der Finanzdienstleistung oder dem Gesundheitswesen, sind dazu verpflichtet bestimmte Informations- und IT-Sicherheitsstandards einzuhalten. Dazu zählen auch grundsätzlich alle Unternehmen und Organisationen im Bereich der Kritischen Infrastruktur (KRITIS). In diesen Bereichen gelten Penetrationstests als “must have”. Mit Inkrafttreten der NIS-2 Richtlinie der EU werden zukünftig noch deutlich mehr Unternehmen dazu verpflichtet gewisse Mindestanforderungen im Bereich der Cyber-Sicherheit zu erfüllen.

  • E-Commerce und Online-Dienstleister
    StartUps, deren Geschäft hauptsächlich online stattfindet (z.B. Onlineshops), sind besonders anfällig für Cyber-Angriffe. Pentests sind für solche Unternehmen unverzichtbar, um sicherzustellen, dass ihre Webseiten und Online-Services keine eklatanten ausnutzbaren Schwachstellen aufweisen.

  • Unternehmen mit besonders schützenswerten Daten
    Firmen, die viele sensible personenbezogene Daten verarbeiten oder besonders schützenswerte vertrauliche Informationen (Stichwort: Geschäftsgeheimnisse) haben, müssen aus Sicht des Risikomanagements ein besonderes Augenmerk auf präventive Sicherheitsmaßnahmen richten. In einem solchen Paket an Maßnahmen spielen ein fortlaufendes Schwachstellenmanagement und regelmäßige Penetrationstests eine unverzichtbare Rolle.

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Diese Vorteile haben Penetrationstests für dein StartUp

Bist du noch unsicher, ob sich dein junges Unternehmen wirklich mit Schwachstellenmanagement und Pentests beschäftigen sollte? Hier sind ein paar Gründe, die für die Umsetzung dieser Cyber-Sicherheitsmaßnahme sprechen:

🧱 Schwachstellen beseitigen – bevor sie ein Angreifer ausnutzt

Bevor ein „Cyber-Gangster“ die Möglichkeit hat, Schwachstellen auszunutzen, können diese durch Penetrationstests identifiziert und geschlossen werden. Das heißt, du handelst präventiv und wartest nicht auf den Eintritt des Krisenfalls.

💸 Vermeidung von existenzbedrohenden Kosten

Datenpannen, Produktionsstillstände, Erpressungssituationen durch Verschlüsselungstrojaner (Ransomware) und Diebstahl von geistigem Eigentum können teuer werden – sowohl durch direkte finanzielle Schäden als auch durch den damit einhergehenden Imageschaden. Frühzeitige Investitionen in präventive Penetrationstests können langfristig erhebliche Kosten sparen.

📜 Erfüllung regulatorischer Anforderungen

Für immer mehr Branchen und Unternehmen gibt es inzwischen spezifische regulatorische und gesetzliche Vorgaben hinsichtlich der Umsetzung von Informations- und IT-Sicherheitsmaßnahmen. Penetrationstests sind hierbei ein wichtiger Baustein – nicht nur für die Erfüllung der Anforderungen, sondern auch um mögliche Bußgelder aufgrund von Nichteinhaltung zu vermeiden.

🛡️ Aufbau einer Sicherheitskultur

Für ein StartUp ist es wichtig, von Beginn an eine Kultur der Sicherheit zu etablieren, insbesondere im Hinblick auf die IT-/Informationssicherheitsanforderungen von größeren Kunden. Penetrationstests sind ein elementarer Bestandteil dieser Kultur und zeigen, dass das dein Unternehmen Sicherheit ernst nimmt.

Windows 11 Security (Bild: Freepik)

Wie oft sollte ein Penetrationstest durchgeführt werden?

➡ Der Wert von Penetrationstests und auch von automatisiert durchgeführten Schwachstellenscans ergibt sich direkt aus ihrer Aktualität und Regelmäßigkeit. Mit anderen Worten: Die Ergebnisse können recht schnell an Relevanz verlieren, da sich das interne und externe Umfeld im fortlaufenden Wandel befinden.

➡ Um ein angemessenes Sicherheitsniveau aufrechtzuerhalten, ist die Regelmäßigkeit der Durchführung von entscheidender Bedeutung! Viele Unternehmen praktizieren mindestens halbjährliche Tests, abhängig von ihrer spezifischen Risikoexposition, der Gefährdung ausgewählter Teile der Infrastruktur (beispielsweise öffentlich erreichbare Web-Applikationen) und den allgemeinen Anforderungen ihrer Branche.

Wann ist ein Pentest sinnvoll?

Wichtige Faktoren bei der Planung von Schwachstellenscans und Penetrationstests sind:

🌐 Änderungen in der IT-Infrastruktur

Jedes Mal, wenn wesentliche Änderungen an der IT-Infrastruktur vorgenommen werden – zum Beispiel die Einführung neuer Anwendungen oder Sicherheitsmaßnahmen – sollten Penetrationstests durchgeführt werden. Warum? Jede Veränderung der Infrastruktur kann unbeabsichtigt zu neuen ausnutzbaren Schwachstellen führen.

🚀 Einführung neuer Dienstleistungen oder Produkte

Wenn dein Unternehmen neue Produkte oder Dienstleistungen einführt, die mit dem Einsatz neuer Applikationen oder einer Veränderung der IT-Infrastruktur einhergehen, sind automatisierte Schwachstellenscans und Penetrationstests frühzeitig in den Qualitätssicherungsprozess zu integrieren. Ziel dabei ist Sicherheitslücken zu beseitigen bevor ein Kunde das Produkt bzw. die Dienstleistung in Anspruch nimmt.

🔓 Nach einem Sicherheitsvorfall

Wenn dein Unternehmen bereits Ziel eines Cyber-Angriffs war oder sich nicht sicher ist, ob vielleicht eine Kompromittierung stattgefunden hat, ist es sehr zu empfehlen, nach der erfolgte Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen weitere Penetrationstests durchzuführen. So stellst du fest, ob die durchgeführten Verbesserungen auch wirklich greifen.

Fazit

Penetrationstests sind eine wichtige Maßnahme in der Cyber-Sicherheitsstrategie eines jeden Unternehmens, unabhängig von seiner Größe oder Branche. Diese proaktiv durchgeführten Tests ermöglichen es deinem StartUp, frühzeitig Sicherheitslücken zu identifizieren und zu schließen, bevor sie von Angreifern ausgenutzt werden können. So vermeidest Du potentiell schwerwiegende Folgen einer Kompromittierung, die für dein StartUp schnell existenzbedrohend sein können.

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Über den Autor:

Alexander Caswell ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Trovent Security GmbH. Angriffserkennung, Managed Detection, Schwachstellenmanagement, Penetrationstests und mehr – Trovent Security sichert die IT-Infrastruktur seiner Kunden zuverlässig ab. Das in Bochum ansässige Unternehmen bietet Cyber-Sicherheitslösungen zur Prävention, Detektion und Reaktion aus einer Hand.

Bilder: Freepik, TÜV Rheinland

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