Exist Gründerstipendium (Bild: Shutterstock)

EXIST-Gründerstipendium: So kriegt man die Fördermittel

Wie gelangt man an die Fördermittel des EXIST-Gründerstipendiums? Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen? Wie lange dauert das Procedere? Hier gibt es die Antworten auf diese und weitere wichtige Fragen.

Ein Gastbeitrag von Daniel Sennewald, foodable

EXIST als Anfangsfinanzierung für StartUps

Die ersten Finanzierungsrunden sind typischerweise sehr teuer für ein StartUp. In anderen Worten: viele Unternehmensanteile für vergleichsweise wenig Kapital.

Ein staatliches Programm wie EXIST bietet dahingegen den Vorteil, dass das Kapital komplett „kostenlos“ ist. Es müssen keine Unternehmensanteile ausgegeben werden, um die Finanzierung zu erhalten.

Das EXIST-Gründerstipendium ist das wohl hochdotierteste Stipendium für Gründer in Deutschland. Mit bis zu 140.000 Euro in einem Zeitraum von einem Jahr unterstützt der Staat Innovatoren bei der Realisierung ihrer Vorhaben.

Darüber hinaus ist das Stipendium in der Gründerszene eine bekannte Größe. Und es stellt damit einen guten Stempel für ein junges Unternehmen dar, welcher dessen Seriosität unterstreicht. StartUps, die EXIST erhalten haben, sind bereits einmal unter die Lupe genommen worden. Damit kann das Stipendium auch für eine zweite Finanzierung ein erster Türöffner sein.

Warum gibt es solche Fördermittel-Programme überhaupt?

StartUps scheinen erst in den letzten Jahren in Mode gekommen zu sein. Die konstante Erneuerung der Unternehmenslandschaft durch neue und innovative Gründungen ist jedoch ein sehr gut dokumentiertes Phänomen. Ebenso wie der positive Einfluss, den diese Erneuerung auf die Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze eines Landes hat. 

Daher setzen Regierungen Programme wie EXIST auf, um junge Gründer zu fördern und zu unterstützen.

Dieser Gedanke findet sich auch konkret in der Zielsetzung des Programms: Die Anzahl und der Erfolg Technologie-orientierter und wissensbasierter Unternehmensgründungen zu erhöhen.

Diese Anforderungen müssen für die Förderung erfüllt sein

Es gibt ein paar Grundvoraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit man sich mit einem Gründungsvorhaben für das Stipendium bewerben kann. Alle Bedingungen lassen sich hier insbesondere im Dokument zu den Förderrichtlinien nachlesen.

Einige der Kriterien, die Unternehmungen häufig für eine Bewerbung ausschließen, sind: die Partner-Forschungseinrichtung, der Absolventen- oder Gründungsstatus.

Bewerber müssen mit einer Forschungseinrichtung zusammenarbeiten, die über ein Gründer-etzwerk verfügt, um damit das Vorhaben unterstützen zu können. Somit kommt nicht jede Universität als Partner in Frage.

Was beim EXIST-Antrag noch zu beachten ist

Ein Mitglied eines Teams darf auch mit einer qualifizierten Berufsausbildung gefördert werden. Ansonsten richtet sich das Stipendium an Absolventen oder Studierende von Hochschuleinrichtungen. Es können nur Studierende gefördert werden, die mindestens die Hälfte ihres Studiums abgeschlossen haben.

Darüber hinaus darf der letzte Bildungsabschluss oder die letzte versicherungspflichtige Tätigkeit an einer Forschungseinrichtung der Fördernehmer maximal fünf Jahre zurückliegen. Wobei auch hier eine Ausnahme für maximal ein Team-Mitglied gilt.

Außerdem darf das Unternehmen bei Bewerbung noch nicht gegründet sein. Eine Gründung während der Förderphase ist demgegenüber häufig. So haben auch wir nach etwa vier Monaten der Förderphase unsere Gründung angestoßen.

So wird eine Bewerbung bewertet

Neben den grundsätzlichen Voraussetzung zielt das Stipendium auf eine bestimmte Kategorie von Unternehmungen: „Bei den Gründungsvorhaben sollte es sich um innovative technologieorientierte oder wissensbasierte Projekte mit signifikanten Alleinstellungsmerkmalen und guten wirtschaftlichen Erfolgsaussichten handeln.“ 

Damit sind bereits ein Teil der Bewertungskriterien angeschnitten, die über den Erfolg einer Bewerbung entscheiden. Im Wesentlichen werden drei Bereiche bewertet: Innovation, Markt und Team. 

Insgesamt gibt es 13 Punkte zu erreichen:

    • 9 Punkte reichen für eine erfolgreiche Bewerbung. Das bedeutet, man hat grundsätzlich auch eine Chance auf eine Förderung, wenn das Vorhaben in einem Bereich weniger stark aufgestellt ist.
    • Ab 7 Punkten kann die Bewerbung nochmals überarbeitet und für einen zweiten Versuch innerhalb eines Monats wieder eingereicht werden.

Der Bewerbungsaufwand

Der deutlich aufwendigste Teil der Bewerbung ist die Ideenskizze. Dabei handelt es sich um ein Dokument, das einem Businessplan sehr stark ähnelt. Im Grunde genommen setzt es nur etwas andere Schwerpunkte und gibt eine bestimmte Struktur vor.

Mit zirka 25 Seiten liegt die Schwierigkeit hier oft nicht darin den Inhalt zu füllen, sondern vielmehr darin, die gesamte Planung unterzubringen. Um die geforderten Aspekte überzeugend darlegen zu können sind eine sehr klare Argumentationsstruktur und prägnante Formulierungen zwingend notwendig. Und benötigen daher einen großen Teil des Zeitaufwands.

Wie lange die Bewerbungsphase dann dauert, unterscheidet sich je nach möglicher Zeit, die in das Verfassen der Ideenskizze investiert werden kann, Vorwissen und Recherche zu Markt und Rahmenbedingungen.

Ideenskizze und Businessplan sind wichtig

Eine Ideenskizze kann somit in wenigen Wochen abgabefertig sein oder aber auch in mehreren Iteration ein paar Monate dauern. Es geht immerhin um bis zu 140.000 Euro!

Eine Bewerbung profitiert natürlich auch von einem kritischen Betreuer, der genau hinschaut, bevor die Bewerbung abgeschickt wird. So haben wir auch ein paar Iterationen mehr gemacht, als wir am Anfang erwartet hatten bevor das Dokument abgeschickt wurde.

Die investierte Zeit ist in allerdings nicht verloren. Auch wenn ein Businessplan heute nicht mehr so üblich ist, wie noch vor ein paar Jahren, hilft er doch dabei, sich einmal strukturiert und detailliert über die verschiedenen Aspekte der Gründung Gedanken zu machen. Wir schauen auch noch regelmäßig in einzelne Teile der Ideenskizze rein oder verschicken sie an Partner als Gesprächsgrundlage.

Diese Dinge können den Bewerbungsprozess verzögern

Neben der Ideenskizze kann die Suche nach einer Partner-Universität und einem Betreuer sowie die Koordination dauern. Hier beschränkt sich der Aufwand zwar auf ein paar Telefonate und Mails, allerdings hat das eigene Anliegen bei dem Gegenüber nicht unbedingt die höchste Priorität. Daher kann sich die Kommunikation schon mal über ein paar Wochen hinziehen. Somit sollte der Prozess also möglichst früh nach der Entscheidung für eine Bewerbung angestoßen werden.

Wir hatten Glück, da wir einen guten Draht zu einer förderfähigen Partner-Uni hatten. Trotzdem haben wir nochmal innerhalb der Uni nach passenden Lehrstühlen geschaut und dadurch festgestellt, dass dieses Thema durchaus etwas Zeit in Anspruch nehmen kann.

Was ebenfalls wichtig ist: Letters of Intent

Gleiches gilt auch für die empfohlenen Letters of Intent (LOI). Dabei handelt es sich um rechtliche nicht-bindende Absichtserklärungen von potenziellen Kunden oder Partnern, die dem Bewertungsgremium als Indikator für eine bestehende Nachfrage dienen.

Für eine erfolgreiche Bewerbung sollte zumindest ein solcher LOI vorliegen.Bevor eine Reaktion von passenden Unternehmen kommt, der richtige Ansprechpartner gefunden ist, das Vorhaben überzeugend dargestellt und der LOI unterschrieben ist, können ebenfalls ein paar Wochen vergehen.

Als B2C-Unternehmen haben wir LOIs von potenziellen Multiplikatoren gesammelt. Hier sind mitunter mehrere Monate ins Land gegangen bis wir eine Unterschrift hatten. Auch weil Letters-of-Intents für unsere Multiplikatoren ein unbekanntes Dokument waren.

Wie lange muss man warten?

Nach Abgabe der Bewerbung wird diese von dem Entscheidungsträger geprüft. Diese Prüfung dauert üblicherweise zwei Monate. Anschließend dauert es allerdings noch einmal ein paar Wochen bis Geld ausgezahlt wird. Das Geld muss nämlich über die Universität an die Förder-Empfänger ausgezahlt werden und daher ein paar bürokratische Umwege nehmen.

Insgesamt sollte man also mit mindestens drei Monaten nach Einreichung der Unterlagen rechnen. Bei uns sind zwischen Einreichung der Unterlagen und Geld auf dem Konto fast sechs Monate vergangen. Dann wurde das Stipendium allerdings direkt für drei Monate ausgezahlt.

Fazit: Eine nicht zu unterschätzende Finanzierungsquelle

Insgesamt ist die Bewerbung für das EXIST-Stipendium eine gute Möglichkeit für eine erste Finanzierung. Darüber hinaus ist die Bewerbung eine sehr gute Aufgabe, um das Gründungsvorhaben noch einmal zu schärfen.

Ist das eigene Gründungsvorhaben grundsätzlich im Bereich Technologie-orientierter oder wissensbasierter Gründungen zu verorten und nicht durch das Fehlen grundsätzlicher Voraussetzungen blockiert, lohnt es sich in jedem Fall mal bei Universitäten nach einer möglichen Zusammenarbeit zu fragen!


Über den Autor:

Daniel Sennewald vom Foodable (Bild: Florian Beier, marekbeier.de)Daniel Sennewald ist einer der Gründer von foodable. Bei foodable ist er verantwortlich für die Entwicklung von Algorithmen, Backend und einigen strategischen Themen. Vor der Gründung des EXIST-geförderten StartUps studierte er Entrepreneurship, Wirtschaftswissenschaften und Soziologie.

 

Bilder: Pixabay, Florian Beier

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