Finanzkennzahlen (Bild: Adobe Firefly)

9 Finanz-Kennzahlen, die du als Unternehmer unbedingt kennen und im Blick haben musst

  • Letztes Update:1 Woche 
  • Lesezeit:6Minuten

Verringere das Risiko, dass dein Unternehmen in die Pleite rutscht, indem du die wichtigsten KPI ermittelst. Welche das sind, erfährst du hier.

Ein Gastbeitrag von Rebecca Troch / Counting the Apples

Agiere nicht im Finanz-Blindflug!

Als Gründer und erst Recht als Geschäftsführer eines Unternehmens ist es entscheidend, die Finanzen deines Unternehmens im Griff zu haben. Denn die meisten StartUps scheitern in den ersten Jahren an Geldnot und anderen finanziellen Engpässen.

Finanz-KPIs (Key Performance Indicators) helfen dir, fundierte Entscheidungen zu treffen, die finanzielle Gesundheit deines Unternehmens zu überwachen und langfristiges Wachstum zu sichern. Überwache daher kontinuierlich die folgenden eminent wichtigen Kennzahlen.

Umsatz

Der Umsatz ist wohl die Kennzahlen, die die meisten Unternehmer im Blick haben. Interessant ist hier zu sehen, wie du deine Einnahmen generierst und wie deine Einnahmequellen verteilt sind. Betrachte deinen Umsatzplan sowohl top-down anhand der festgelegten Ziele als auch bottom-up: Wie viele Produkte oder Dienstleistungen musst du verkaufen, um den Plan zu erfüllen und somit deine Ziele zu erreichen?

Wichtig: Mache deine Einnahmen keinesfalls von einer einzigen Quelle abhängig– egal ob es sich um Produkte, Dienstleistungen, Mitarbeiter oder Kunden handelt. Veränderungen auf dem Markt, eine rückläufige Nachfrage oder der Verlust eines wichtigen Kunden oder Mitarbeiters können deinen Umsatz und somit die Zukunft deines Unternehmens schnell gefährden.

Burn Rate

Wohin fließt dein Geld? Welche monatlichen Fixkosten hast du? Welche Ausgaben fallen nur ein- oder zweimal im Jahr an? Als Gründer musst du deine Gesamtausgaben im Blick haben und sicherstellen, dass du genug Geld für diese Ausgaben sowie für Steuern zurücklegst. Ermittle also deine sogenannte Burn Rate.

Hast du keinen Überblick über deine Ausgaben oder bist du regelmäßig knapp bei Kasse, kann ein Budget dir helfen. Analysiere anhand dessen, welche Ausgaben sich nicht gelohnt haben und keinen positiven Einfluss auf den Umsatz oder die Entwicklung deines Unternehmens hatten. So identifizierst du Fehlinvestitionen und lernst für die Zukunft aus ihnen.

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Gewinn

Aus der Differenz zwischen dem Umsatz und Ausgaben ergibt sich der Gewinn. Was bleibt am Ende wirklich übrig und wie möchtest du damit umgehen? Je nachdem, was deine Ziele sind, gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Profit zu nutzen.

Ist dir Sicherheit wichtig und du möchtest dein Unternehmen für „schlechte Zeiten“ wappnen, dann bilde erst einmal Rücklagen. Alternativ kannst du den Gewinn auch reinvestieren, um den Wachstum deines Unternehmens voranzutreiben oder an dich und/oder deine Mitarbeitenden auszahlen.

Return on Investment

Der Return on Investment, kurz ROI, zeigt an, wann eine Investition rentabel wird. Die Kennzahl hilft dir somit bei der Bewertung der Rentabilität von Projekten.

Gehe in zwei Schritten vor, um den ROI korrekt zu berechnen:

Einnahmen identifizieren
Erfasse alle Einnahmen aus dem betreffenden Projekt, Event oder Zeitraum.

Gesamtkosten ermitteln
Arbeite mit Kostenstellen, um sicherzustellen, dass die richtigen Einnahmen und Ausgaben zur Ermittlung der Gesamtkosten genutzt werden.


Möchtest du einen schnellen Überblick über den Return on Investment bekommen? Dann nutze hier unseren einfachen ROI-Rechner!

Return on Investment (ROI) Rechner

ROI-Rechner




Zeigt sich, dass ein Projekt nicht rentabel ist, ist es Zeit, sich davon zu trennen, um weitere Kosten zu vermeiden.

Working Capital & Cashflow Forecast

Das Working Capital und der Cashflow Forecast sind beide entscheidend, damit dein Unternehmen liquide bleibt. Als Working Capital bezeichnet man dabei das Umlaufvermögen abzüglich kurzfristiger Verbindlichkeiten. Mit diesem kannst du deine laufenden Betriebskosten (beispielsweise Löhne, Mieten, Lieferantenrechnungen) decken.

Der Cashflow Forecast ist eine Prognose der ein- und ausgehenden Geldströme deines Unternehmens. Mit einer konservativen und regelmäßig aktualisierten Planung kannst du finanzielle Engpässe proaktiv vermeiden. Zudem kannst du auf unerwartete Schwankungen in der Nachfrage oder Betriebsstörungen besser reagieren, ohne deine langfristigen Investitionen zu gefährden oder in Liquiditätsschwierigkeiten zu geraten.

Risikoanalyse

Eine regelmäßige Risikoanalyse ist entscheidend, um finanzielle Stabilität zu erreichen und zu halten. Zudem wird es dir leichter fallen, Entscheidungen zu treffen, wenn du alle potenziellen Risiken und ihre Auswirkungen kennst.

Erstelle hierfür eine Liste aller potenziellen Risiken, denen dein Unternehmen ausgesetzt sein könnte, und bewerte sie. Dies umfasst finanzielle Risiken wie Marktschwankungen, operative Risiken wie Produktionsausfälle, rechtliche Risiken wie Haftungsansprüche, Compliance-Risiken und viele mehr.

Entwickle anschließend für jedes Risiko eine geeignete Strategie, um es zu mindern oder im Ernstfall zu bewältigen. Mögliche Strategien sind zum Beispiel die Implementierung von Sicherheitsvorkehrungen, die Diversifizierung von Lieferanten oder die Absicherung gegen finanzielle Risiken.

Deckungsbeitrag

Der Deckungsbeitrag ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Verkaufspreis und den variablen Kosten pro Einheit. So findest du heraus, wie viel ein Produkt oder eine Produktlinie zur Deckung der Fixkosten deines Unternehmens beiträgt und ob es Gewinne generiert. Nur wenn du den Deckungsbeitrag kennst, kannst du eine fundierte Entscheidung treffen, welche Produkte du weiter fördern, modifizieren oder einstellen solltest.

Zudem kennst du dann auch den Spielraum für Preisänderungen und kannst die Kosteneffizienz optimieren. Und du kannst zum Beispiel die Material- und Arbeitskosten senken. Der Verkaufspreis muss dabei stets ausreichen, um die variablen Kosten zu decken und einen angemessenen Beitrag zur Deckung der fixen Kosten leisten.

Arbeitsproduktivität

KPIs wie Umsatz pro Mitarbeiter, Bruttogewinn pro Mitarbeiter oder Kosten pro Einheit helfen, die Effizienz der Arbeitskräfte zu bewerten und Engpässe in der Arbeitsproduktivität zu identifizieren. Ziel ist es, die Produktivität deines Unternehmens zu steigern, indem Abläufe optimiert werden. So generieren deine Mitarbeiter in einem bestimmten Zeitraum mehr Output, was deine Kosten senkt.

Zudem kann sich die Qualität deiner Produkte verbessern, denn deine Mitarbeiter haben mehr Zeit und Energie, um sich auf ihre Aufgaben zu konzentrieren. Das verringert die Fehlerquote und erhöht die Kundenzufriedenheit. Dadurch kannst du dich in einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld besser behaupten und Marktanteile gewinnen.

Kundenakquisitionskosten

Kundenakquisitionskosten (englisch: Customer Acquisition Costs, CAC) stellen Aufwendungen dar, die ein Unternehmen betreiben muss, um einen neuen Kunden zu gewinnen. Sie sind ein wichtiger KPI für die Effizienz des Marketing- und Vertriebsprozesses.

Ein niedriger CAC im Vergleich zum Lebenszeitwert eines Kunden (Customer Lifetime Value, CLV) zeigt an, dass das Unternehmen effektiv in der Kundenakquise ist. Sind deine Kundenakquisitionskosten zu hoch, ist es an der Zeit, dein Marketing und deinen Vertrieb genauer unter die Lupe zu nehmen.


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CAC Rechner

Customer Acquisition Costs (CAC) Rechner

Marketing-Ausgaben in Euro:

Anzahl der Neukunden:


Fazit: Finanzwissen ist ein Muss für Gründer

Sich mit Zahlen und Tabellen auseinander zu setzen, ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Aber als Gründer hast du keine andere Wahl, wenn du ein finanziell stabiles Unternehmen aufbauen willst.

Plane am besten jeden Monat einen fixen Termin in deinem Kalender ein, an dem du dich mit deinem aktuellen Umsatz, Ausgaben, Gewinn und dem Cashflow Forecast beschäftigst. Alle weiteren KPIs solltest du mir mindestens quartalsweise ansehen und dabei bewerten, ob dein Unternehmen finanziell noch auf dem richtigen Weg ist.

Über die Autorin:

Rebecca Troch ist Finanzexpertin und Virtual CFO. Nach fast 20 Jahren im Controlling und Finanzmanagement gründete sie 2018 Counting the Apples Consulting. Sie hilft Unternehmern und Gründern, ihre Zahlen endlich zu verstehen und faktenbasierte Entscheidungen zu treffen.


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Bilder: Freepik

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