Corona Geld Liquidität Selbstständige StartUps (Bild: Shutterstock)

Liquidität trotz Corona-Krise: die besten Tipps

Mit diesen Maßnahmen können Selbstständige, Freelancer, Gründer und StartUps die Corona-Krise finanziell meistern und überleben.

Corona-Krise: Die Liquidität ist wichtig

Das Coronavirus beeinträchtigt die Wirtschaft extrem. Aufträge brechen weg, Umsätze sinken drastisch und Einnahmen bleiben aus. In dieser Zeit ist es extrem wichtig, die Liquidität des eigenen Unternehmens zu bewahren. Egal ob es sich dabei um ein Klein- oder mittelständisches Unternehmen oder ein StartUp handelt. Auch Selbstständige und Freiberufler müssen jetzt einfache Wege finden, wie sie liquide bleiben können.

Die Bundesregierung hat umfangreiche staatliche Hilfen in die Wege geleitet. Doch bis das Geld auf dem Konto landet, kann es dauern. Zumal manche Typen von Unternehmen wenig bis gar nicht von den Hilfspaketen profitieren. Dazu kommt, dass einige Gelder nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind.

Kurzfristige Maßnahmen

Ein erster Schritt ist das Zurückgreifen auf die eigenen Rücklagen. Mit Hilfe dieser Finanzmittel kann es gelingen, eine schwere Unternehmenskrise wie die Insolvenz zu verhindern und zahlungsfähig zu bleiben. Doch nicht alle Unternehmer haben umfangreiche Rücklagen angehäuft.

Eine Möglichkeit für eine bessere Liquidität ist ein kurzfristiger Kredit. Viele Banken bieten gute Konditionen an, mit denen man an frisches Geld gelangt. Einen finanziellen Engpass kann ein Unternehmer so durch die Beantragung eines Ratenkredits ausmerzen. Und das in der Regel recht schnell, da die Beantragung online abläuft.

Geld aufzunehmen ist ein Weg zur Liquidität. Ein anderer ist, Sparmaßnahmen zu ergreifen, unnötige Ausgaben zu streichen und die Betriebsausgaben zu reduzieren!

So kann das funktionieren:

Externe Verträge prüfen

Viele StartUps arbeiten mit zahlreichen externen Dienstleistern zusammen, die zum Beispiel zusätzliche Tools, Ressourcen und Expertise bereitstellen. Solche Verträge sollten ohnehin immer auf Kosten und Nutzen überprüft werden, doch jetzt gilt diese Binsenweisheit mehr denn je.

Hier geht es aber ausdrücklich nicht darum, wegen Corona wichtige Dienstleistungen und Services aufzukündigen, um die eigene Liquidität zu bewahren. Häufig lassen sich andere Lösungswege finden, um gemeinsam Kosten zu reduzieren.

Finanzielle Absprachen für die Zeit während und nach der Krise helfen dabei, dauerhaft finanziell gesund zu bleiben und betriebsinterne Abläufe aufrecht erhalten zu können.

Die Mietkosten senken

Neue gesetzliche Regelungen sorgen dafür, dass Mietzahlungen aktuell gesenkt oder sogar ausgesetzt werden können, ohne dass deswegen automatisch eine Kündigung droht. Viele größere Unternehmen haben diese Strategie bereits erfolgreich für ihre stationären Läden angewandt.

Allerdings ist hier Fingerspitzengefühl gefragt. Ein persönliches Gespräch zwischen Mieter und Vermieter ist immer besser, als ein kommentarloses Einbehalten des Geldes. In vielen Fällen lässt sich gemeinsam eine Lösung finden.

Das gilt sowohl für Firmen, welche die Mietkosten für ihre Büroräume senken wollen, als auch für Freelancer, die die Miete für ihre Wohnung übergangsweise reduzieren möchten.

Mitarbeiter ins Home Office schicken

Die Arbeit im Home Office wird aktuell offiziell von der Bundesregierung empfohlen, um das Ansteckungsrisiko zu vermindern. Tatsächlich kann es für Unternehmer auch weitere Vorteile haben, ihren Angestellten die Arbeit von zu Hause zu ermöglichen:

    • weniger Betriebskosten für die Büroräume
    • Einsparung von Strom- und Heizkosten
    • keine Ausgaben für Verpflegung, Kaffee und andere Mitarbeiter-Benefits
    • keine Quarantäne für den gesamten Betrieb, sollte sich ein Mitarbeiter zuhause infizieren

Staatliche Unterstützung und Kredite von der KfW

Die Bundesregierung hat das umfangreichste Hilfspaket für die Wirtschaft in der Geschichte der Bundesrepublik aufgesetzt. Dazu zählen Maßnahmen wie Unterstützung der Kurzarbeit wie auch die Vergabe von KfW-Krediten.

So soll gewährleistet werden, dass Unternehmen ihre Liquidität bewahren und dementsprechend auch ihre Mitarbeiter weiter beschäftigen können. Doch: Die Beantragung der KfW-Kredite kann sehr zäh und kompliziert ausfallen.

Ansprechpartner suchen, Fragen stellen und Möglichkeiten ausschöpfen

Als erfolgreicher Unternehmer und als mündiger Bürger sollte man natürlich immer seine Rechte kennen. Die aktuelle Situation ist allerdings sehr dynamisch und bringt viele Neuerungen mit sich.

Deshalb sollte man jetzt nicht nur über Newsletter, Nachrichten-Seiten, RSS-Feeds und Social Media informiert bleiben. Es lohnt sich definitiv, bei den zuständigen Ämtern und Behörden nachzufragen und nicht zu verzagen, sollte man nicht direkt die gewünschten Informationen erhalten.

Steuern einsparen

Unternehmer und Freiberufler sollten sich momentan mehr denn je darüber informieren, wie sie Steuern sparen und welche Kostenpunkte sie von der Steuer absetzen können. Auch der Umzug ins Home Office kann sich für Angestellte bezahlt machen.

Darüber hinaus hat das Bundesfinanzministerium einige steuerliche Erleichterungen angeschoben, die sich in der Corona-Krise positiv auf die Liquidität auswirken sollen: Steuerzahlungen können unter Umständen zinslos gestundet und die Vollstreckung von Steuerschulden ausgesetzt werden.

Geld zurück vom Finanzamt

Viele Unternehmer zahlen hohe Beiträge für die Umsatzsteuer oder die Einkommensteuer bereits im Voraus an das Finanzamt – und haben so erhebliche Kosten.

Um zu gewährleisten, dass die Unternehmen zahlungsfähig bleiben, haben sich einige Bundesländer dazu entschieden, ihren Finanzämtern in bestimmten Fällen zu erlauben, diese Steuer-Vorauszahlungen zurück zu erstatten.

Zudem ist es ratsam, die Vorsteuer gleich bei seiner monatlichen und quartalsweisen Umsatzsteuervoranmeldung abzuziehen und nicht bis zum Jahresausgleich zu warten.

Firmenfahrzeuge und andere zusätzliche Ausgaben

In einer normalen wirtschaftlichen Lage sind Firmenfahrzeuge sinnvolle Investitionen und dienen bei weitem nicht nur der Repräsentation vor den Kunden. Doch aktuell können sie in den meisten Fällen eh nicht genutzt werden.

Deshalb ist es sinnvoll, mit der KfZ-Versicherung zu sprechen, ob die eingetragene Kilometerzahl angepasst werden kann. Wer jetzt schon absieht, dass sein Business über einen längeren Zeitraum unter angepassten Bedingungen funktionieren muss, sollte überlegen, die Fahrzeuge vorerst komplett abzumelden.

Sollten Autos und andere Benefits eher der Belohnung und Motivation dienen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, solche Methoden vorübergehend zu pausieren. Schließlich hat ein geregeltes Einkommen und ein Job für die meisten Menschen derzeit ohnehin die oberste Priorität

Betriebskosten senken

Auch hier geht es nicht darum, blindlings Kündigungen vorzunehmen, über die man sich im Nachhinein ärgert. Vielmehr geht es um gesetzliche Möglichkeiten und um die Kulanz der Anbieter.

Vielleicht ist es möglich, vorübergehend oder dauerhaft in einen günstigeren Tarif zu wechseln. Auch eine Stundung der Zahlungen ist aktuell möglich. In jedem Fall lohnt es sich, den Support der jeweiligen Anbieter zu kontaktieren.

Ein StartUp, dessen Mitarbeiter aktuell alle von zuhause arbeiten, braucht schließlich nicht so viel zu bezahlen, wie für ein Büro im Hochbetrieb.

Neue Geschäftsfelder erschließen

Der Markt verändert sich während der Pandemie extrem und wird wohl auch für lange Zeit nicht in die Form zurückkehren, an die wir uns zuvor jahrelang gewöhnt hatten. Wer darauf vorurteilsfrei und schnell reagiert, ist klar im Vorteil.

Deshalb empfiehlt es sich, eine Aufstellung der verfügbaren Potenziale und Ressourcen vorzunehmen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Folgende Fragen sind für Unternehmer jetzt wichtiger denn je:

    • Kann ich auch andere Produkte herstellen, die aktuell gefragter sind?
    • Erschließt sich mir durch die neue Situation ein neuer Kundenkreis?
    • Muss ich unternehmerische Ziele anpassen? Oder ist ein Business Pivot nötig?
    • Reicht es eventuell schon die Marketing-Strategie zu ändern, um mein Produkt während der Corona-Pandemie relevant zu halten?

Handel und Vertrieb digitalisieren

StartUps stehen ohnehin für moderne und agile Arbeitsweise. Wer wäre also besser dafür geeignet, in der Krise eine Chance als ein junges und dynamisches Unternehmen zu erkennen? Die Innenstädte werden wohl auch auf lange Sicht sehr viel leerer bleiben als vor der Verbreitung des Virus. Deshalb muss spätestens jetzt der Fokus auf Digitalisierung und E-Commerce gelegt werden.

Wer moderne Versandwege erschließt, einen Onlineshop startet und so die Konsequenzen des Lockdown umgehen kann, hat vielen deutschen Unternehmen einen Schritt voraus. So kann der Absatz stabil gehalten oder sogar gesteigert werden.

Versicherungen: Einsparungen vornehmen

Versicherungen sind auf ihre Kunden angewiesen. Auch an ihnen geht die Krise nicht spurlos vorbei. Deshalb verhält sich die Versicherungs-Branche aktuell durchaus kulant und schafft Möglichkeiten zu Einsparungen, die vorher nicht denkbar waren.

Aus diesem Grund sind jetzt zwei Vorgehensweisen sinnvoll. Zum einen sollte jeder Freiberufler und Unternehmer mit dem zuständigen Sachbearbeiter besprechen, ob er kurzfristig in einen günstigeren Tarif wechseln kann.

Zum anderen sollte man jetzt genau überprüfen, welche Kosten die Versicherung aktuell schon übernimmt und ob man hier nicht neue finanzielle Mittel erhalten kann. Bei einer Betriebsschließungsklausel wäre das zum Beispiel der Fall.

Reduzierung der Krankenversicherung prüfen

Für Versicherte in einer gesetzlichen Krankenversicherung gibt es aktuell die Möglichkeit, monatlich bares Geld zu sparen. Der Monatsbeitrag lässt sich teils erheblich auf ein Minimum reduzieren.

Viele Krankenversicherungen haben direkt auf der Startseite ihres Web-Angebots alle aktuellen Corona-Informationen zusammengestellt. So oder so empfiehlt sich derzeit ein Anruf bei der eigenen Versicherung, um alle Möglichkeiten zu überprüfen

Kreditkosten reduzieren

Eine Hausbank hat wenig bis gar nichts davon, wenn ihre Kunden die Corona-Krise wirtschaftlich nicht überstehen. So können die Schulden schließlich unter Umständen gar nicht mehr beglichen werden.

Dementsprechend haben viele Finanzinstitute die Möglichkeit geschaffen, Kreditzahlungen auszusetzen oder zu reduzieren, ohne dass dadurch Mehrkosten entstehen.

Auch hier heißt es: Kontakt aufnehmen, Ansprechpartner ausfindig machen und die größtmöglichen Vorteile sichern!

Entscheiden und handeln, aber immer rational

Die Corona-Pandemie und der damit einhergehende Lockdown sowie die Kontakt-Beschränkungen schaffen eine Situation, die so bisher noch nie dagewesen ist. Es gibt also keine hundertprozentige Anleitung, die jetzt den richtigen Weg garantiert.

Dennoch ist Panik auch während der Krise nie ein guter Ratgeber. Deshalb ist jetzt zwar schnelles Handeln angebracht, Entscheidungen sollten trotzdem überlegt und rational getroffen werden. So kann es gelingen, trotz Corona Liquidität zu erhalten und unternehmerische Erfolge nicht zu gefährden.

In jedem Fall ist es jetzt unablässig, zu versuchen, alle verfügbaren Möglichkeiten auszuschöpfen und deshalb kein Telefonat mit Sachbearbeitern und Kundenbetreuern zu scheuen. Und sich auch von möglichen Warteschleifen nicht abschrecken zu lassen. Wer sein Unternehmen neu ausrichtet, könnte am Ende sogar von der Krise profitieren.

Informiert bleiben und Chancen erkennen

Um auch während Corona liquide zu bleiben, müssen sich Unternehmen genauso regelmäßig über neue Entwicklungen informieren wie Freiberufler und Selbständige. Wer jetzt nicht sämtliche Möglichkeiten kennt, die sich zum Erhalt der Liquidität bieten, gerät möglicherweise in Schwierigkeiten.

Zum Glück kann man jetzt aber auf staatliche Hilfen und die Kulanz vieler Dienstleister bauen. So lässt sich an vielen Stellen jede Menge Geld sparen.

Außerdem ist jede Krise auch eine Chance, so abgedroschen es klingen mag. Neuen Geschäftsfeldern sollten sich Unternehmer derzeit nicht verschließen und einen noch stärkeren Fokus auf die Digitalisierung legen.

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