Unternehmenskrise erkennen und abwenden - Tipps und Tricks (Bild: Freepik)

Wie erkennst du eine echte Unternehmenskrise? Wie beseitigt man die Ursachen?

  • Letztes Update:3 Tagen 
  • Lesezeit:6Minuten

Ist es eine Unternehmenskrise oder einfach nur eine Flaute? Mit diesen Tipps kannst du eine echte Krise rechtzeitig wahrnehmen und überwinden.

Frage: Wann steckt ein Unternehmen wirklich in der Krise?

Diese Situation kennt jeder Gründer: Die Aufträge bleiben aus, die Kunden zahlen verspätet, und überall sprießen Konkurrenten aus dem Boden. Ist diese Lage aussichtslos? Solltest du das Handtuch werfen und deine Unternehmung beenden? Oder gilt die positive Devise „Augen zu und durch“?

Im StartUpWissen Podcast erklärt der Finanz- und StartUp-Experte Carsten Lexa, woran du eine handfeste Unternehmenskrise erkennst. Und er gibt wichtige Ratschläge, wie du passende Maßnahmen einleiten kannst, um die wirtschaftliche Schieflage zu überwinden.

Hinweis: Die Folge kannst du auch bei Apple Podcast, Google Podcasts, Spotify, Deezer, Podigee und über Alexa bzw. Amazon Echo anhören.

Definition: Was ist eigentlich eine Unternehmenskrise?

Für das, was eine Unternehmenskrise ausmacht, hat Carsten Lexa zwei Definitionen. Zum einen gibt es eine betriebswirtschaftliche Betrachtung: Eine Firma rutscht in die Krise, wenn das Fortbestehen gefährdet ist.

Zum anderen kannst du eine juristische Definition bemühen: Eine Unternehmenskrise besteht, wenn Dritte dir kein Geld mehr geben möchten. Das heißt, Lieferanten verweigern dir einen Kredit oder Investoren wie Business Angels geben deinem StartUp keine weitere Finanzspritze.

Die Folge: Es entsteht eine mangelnde Liquidität, die dann in eine Liquiditätskrise führt. Es droht eine Insolvenz und unter Umständen ein Unternehmenszusammenbruch. Damit steckt deine Firma in einer waschechten Krise.

Beispiele: Was sind Ursachen für eine Unternehmenskrise?

Es gibt verschiedene Gründe, warum ein StartUp, eine mittelständische Firma oder gar ein Konzern in eine Krise rutscht. Zum einem können sogenannte exogene Schocks die Krisenursachen sein. Dazu zählen äußere, recht spontane Ereignisse wie Kriege oder Pandemien. Auch wichtige Geschäftskontakte oder Absatzmärkte, die unerwartet wegbrechen, sorgen schnell für eine Krisensituation.

In der Regel bahnen sich Unternehmenskrisen langfristig an. So können viele unbezahlte Rechnungen oder Lieferengpässe darauf hindeuten, dass eine kritische Situation aufzieht. Daraus entstehen Liquiditätsengpässe und unter Umständen eine Liquiditätskrise.

Eine Liquiditätskrise, welche im schlimmsten Fall zu einer Insolvenz führt, ist eine häufige Ursache für eine Unternehmenskrise. In dieser Situation kann es vorkommen, dass Banken oder Investoren sich zurückziehen und damit die Lage noch schlimmer machen.

Früherkennungstreppe: Wie sehen die Krisenstadien eines Unternehmens aus?

Wann steckt dein StartUp in der Krise? Wie erkennt man die Vorzeichen? Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Handeln, wann ist es vielleicht schon zu spät? Um das herauszufinden, gibt es die sogenannte Früherkennungstreppe.

Bei der Früherkennungstreppe handelt es sich um eine simple Checkliste. Mit ihr ermittelst du die Situation deines Unternehmens. Der Fragebogen gliedert sich in drei Teile, welche die jeweilige Unternehmenskrise-Phase wiedergeben:

  • Früherkennung
  • Späterkennung
  • Sehr-Späterkennung

Die Checkliste kannst du beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWi) kostenlos herunterladen:

> Download: Früherkennungstreppe (PDF)

Krisenursachen: Wie nutzt man die Früherkennungstreppe?

Schau dir zuerst das Schaubild genau an. Dann füllst du die neun Fragen – ehrlich! – von oben nach unten aus, indem du sie klar mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortest.

Schaubild Früherkennungstreppe (Bild: BMWi)

Und so wertest du dann die Ergebnisse der Früherkennungstreppe aus:

  • Hast du alle Fragen mit „Ja“ beantwortet, dann besteht in diesen Punkten keine direkte Gefahr oder Bedrohung für dein StartUp.
  • „Nein“ bedeutet, es besteht ein Problem. Kommt ein „Nein“ im ersten Drittel („Früherkennung“) vor, musst du nicht sofort handeln. Die Probleme solltest du trotzdem nicht auf die lange Bank schieben.
  • Bei einem „Nein“ im Part „Späterkennung“ gilt es, schnell zu handeln. Die Lage ist hier schon ziemlich angespannt.
  • Gibt es im Bereich „Sehr-Späterkennung“ auch nur ein Häkchen bei „Nein“, so bedeutet das: Roter Alarm! Dein Unternehmen ist in einer echten Krise, es muss unverzüglich gehandelt werden!

6-Phasen-Modell: Was steckt hinter dieser Methode?

Neben der Früherkennungstreppe des Wirtschaftsministeriums kannst du auch das 6-Phasen-Modell verwenden, welches zum Beispiel die IHK Regensburg so darstellt:

Schaubild Unternehmenskrise erkennen (Bild: IHK Regensburg)

Wie du siehst, zeigt es eigentlich nur 5 Phasen der Krise, die letzte Stufe ist dann die Insolvenz. Diese Phasen der Unternehmenskrise lauten:

  • Stakeholder-Krise
  • Strategische Krise
  • Rentabilitätskrise
  • Ertragskrise
  • Liquiditätskrise

Je mehr Krisenursachen sich in deinem Unternehmen anhäufen, desto brenzliger wird die Situation. Von Phase zu Phase schrumpft dein Handlungsspielraum dahin und der Handlungsbedarf wächst. Findest du keine Lösungen, münden die verschiedenen Ursachen der Unternehmenskrise in einer wirtschaftlichen Schieflage – und dein StartUps steht auf der Schwelle zum Exitus.

Handlungsempfehlungen: Welche Maßnahmen lösen eine Unternehmenskrise?

Wenn ein Unternehmen reagiert statt agiert, steckt der Karren schon im Dreck. Doch wenn du rechtzeitig Maßnahmen gegen die (drohende) Krise ergreifst, hast du die Chance, das Schlimmste abzuwenden. Das gilt besonders, wenn dein StartUps gemäß der Früherkennungstreppe sich in den Phasen “Früherkennung” und “Späterkennung” steckt.

Hier ein paar Ratschläge, wie du in den ersten Phasen der Unternehmenskrise agieren kannst:

  • Nimm dir deinen Businessplan zur Brust und überprüfe nochmals genau dein Geschäftsmodell. Gibt es für deine Produkte wirklich einen Markt? Wer ist deine Zielgruppe, wer nicht?
  • Führe eine SWOT-Analyse durch, indem du die Stärken und Schwächen deines Unternehmens analysierst.
  • Überprüfe deine Strategie für Marketing und Vertrieb: Sorgt das “Smarketing” für genügend Kunden und Umsatz? Hast du alle Elemente des Marketing-Mix mit seinen 4P durchdacht?
  • Umsatz, Gewinn, Cashflow und CAC: Hast du alle relevanten Kennzahlen zur Hand und im Griff? Oder gibt es Lücken bei der Erfassung wichtiger KPI?
  • Laufen alle Prozesse in deinem Unternehmen reibungslos? Stimmt die Effizienz oder werden Ressourcen wie Manpower und Budgets verschwendet?
  • Frage dich auch, ob in deinem StartUp essentielle Tools fehlen, um die gerade genannten Aspekte zu durchleuchten oder Mängel zu beseitigen.

Befindet sich dein Unternehmen in der Phase „Späterkennung“, kannst du beispielsweise so die Unternehmenskrise beseitigen:

Sieht es so aus, als würde dein StartUp scheitern? Steckt dein Unternehmen in der Phase der „Sehr-Späterkennung“? Eine mögliche Rettung wäre so möglich:

  • Ziehe externe Hilfe und Experten, beispielsweise Unternehmensberater, hinzu. Erarbeite ein Konzept, wie die Insolvenz oder gar die Pleite abgewendet werden kann.
  • Entwickle mit der Bank oder anderen Geldgebern ein Sanierungskonzept. Denke dabei über neue Finanzierungsarten nach.
  • Vielleicht kann ein Business Pivot, ein radikaler Kurswechsel, dir helfen, die Krise zu überwinden.

Unternehmenskrise: Was ist der beste Weg?

Prävention! Lasse erst gar keine Krise aufkommen, dann musst du auch den harten Weg der Lösung nicht gehen.

Wie ist das möglich? Erarbeite ein sauberes Konzept, bevor du mit deinem StartUp loslegst. Erstelle eine Business Model Canvas, verfeinere es über die Jobs To Be Done-Methode und entwickle ein MVP. Gieße alles in einen Businessplan, den du von Experten durchleuchten lässt.

Bist du am Markt, dann bleibe stets am Ball! Pflege keinen Laissez-faire-Stil, sondern halte die Zügel fest im Griff. Und habe immer alle relevanten Kennzahlen im Blick, lasse dich dabei nicht von Vanity-Metriken blenden.

Und: Hinterfrage stets, wie dein Unternehmen heute und morgen Geld verdienen soll. Musst du vielleicht Anpassungen beim Geschäftsmodell oder bei der Positionierung vornehmen? Ist es unter Umständen sinnvoll, fokussierter zu arbeiten oder Growth Hacking auszuprobieren? Unternimm alles, was sinnvoll erscheint, um eine Unternehmenskrise zu vermeiden!

Was bietet der StartUpWissen Podcast?

Unser Podcast richtet sich wie StartUpWissen.biz an Selbstständige, Gründer, Unternehmer und StartUp-Mitarbeiter. In kurzen Episoden von 20 bis 30 Minuten Länge beleuchtet unser Chefredakteur Jürgen Kroder zusammen mit jeweils einem Gast verschiedene Aspekte des Unternehmertums.

Sie reden über ungewöhnliche Geschäftsmodelle und über die vielen, vielen Herausforderungen der Selbstständigkeit. Das Ziel jeder Folge ist es, deinen Horizont zu erweitern, dir neue Inspirationen zu geben und zugleich wichtige Tipps zu vermitteln.

Wie entstand das Podcast-Format?

Der StartUpWissen Podcast ist eigentlich keine neue Idee, sondern eine Weiterentwicklung des USP Marketing Podcast. Den startete Jürgen spontan im Frühjahr 2020, passend zum Beginn der Corona-Pandemie. Aus dem grob skizzierten Konzept wurde eine Podcast-Serie, die es auf 40 Folgen brachte.

Doch im Laufe der Zeit ging die Grundidee, sich mit den Gästen hauptsächlich über den USP und über Marketing-Themen zu unterhalten, verloren. Somit war klar: Eine Anpassung des Konzeptes musste her! Gesagt, getan: Der USP Marketing Podcast ging in Rente und der StartUpWissen Podcast war geboren.

Die besten Folgen des USP Marketing Podcast wie auch alle Folgen des StartUpWissen Podcast findest du unter www.startupwissen.biz/podcast

Hinweis: Die Folge kannst du auch bei Apple Podcast, Google Podcasts, Spotify, Deezer, Podigee und über Alexa bzw. Amazon Echo anhören.

Bilder: Freepik, BMWi, IHK

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