Krise und Chance (Bild: Pixabay)

Eine Krise ist noch lange keine Katastrophe!

Eine Krise ist nichts Ungewöhnliches. Sie ist ein Weckruf. Und eine gute Chance für wichtige Veränderungen.

Ein Kommentar von Felix Nawroth, fachkraftmangel.io

Krisen gab es schon immer

Die Geschichtsbücher aller Nationen sind voll mit Berichten über die unterschiedlichsten Krisen. Es hat sie schon immer gegeben. Und es wird sie auch in Zukunft weiterhin geben. Krisen gehören zum Leben dazu und sind im Grunde nichts Besonderes.

Allerdings haben wir in Deutschland in den letzten beiden Jahrzehnten keine wirkliche Phase erlebt, die sich mit den aktuellen Corona-Ausmaßen vergleichen lässt. Aus diesem Grund fühlt es sich so an, als ob man so etwas zum ersten Mal erlebt. Dennoch: Eine Krise ist noch lange keine Katastrophe!

Was ist eine Krise?

Denkt man über das Wort “Krise” nach, kommt einem alles Mögliche Negative in den Sinn. Bekannte Bewältigungsstrategien funktionieren nicht mehr. Die Lage wird als vollkommen ausweglos angesehen. Dabei bedeutet das griechische Wort „Krisis“ im Kern so viel wie “Wendepunkt” oder auch “Entscheidung”.

Deshalb kann eine Krise als entscheidende Wendung angesehen werden, an der sich eine schwierige Situation auf eine bisher unbekannte Art und Weise auflösen wird. Und auch die aktuelle Pandemie wird sich auflösen. Denn das haben alle Krisen gemeinsam und unterscheiden sich somit von einer Katastrophe: sie sind zeitlich begrenzt.

Was tun in einer Krise?

Auf diese Frage gibt es bedauerlicherweise kein allgemeingültiges Rezept. Von klein auf erlernt die menschliche Psyche verschiedene Muster für die Bewältigung von Problemen. Treten bereits erlebte Ereignisse erneut auf, so greift man unbewusst auf die bereits erlernten Lösungen zurück.

Für die aktuelle Corona-Krise fehlt jedoch solch eine Musterlösung. Aus diesem Grund fühlt man sich überfordert und sogar hilflos. Man weiß nicht, was genau zu tun ist und hat Angst vor dem Unbekannten.

Allerdings gibt es verschiedene Werte und Anker, die einem bei der Bewältigung einer Krise helfen. Einerseits ist es wichtig, das Risiko der Situation sachlich zu bewerten. Dazu sollte man prüfen, welche Informationen tatsächlich vorhanden sind. Und wie seriös die Quellen sind, aus denen sie stammen. Hingegen eine unreflektierte Verbreitung aller auftretenden Informationen führt zu Verunsicherung und Panikmache.

Andererseits sind die Bewahrung und Ausstrahlung von Ruhe eine große Hilfe für andere und für einen selbst. Dadurch hilft man sich selbst und seinen Mitmenschen die Situation zu bewältigen und die erforderliche Klarheit zu erlangen. Wichtig ist dabei jedoch nicht in Verharmlosung und Ignoranz gegenüber der Krise abzurutschen.

Was kommt nach der Krise?

Auf diese Frage wird es kaum eine zufriedenstellende Antwort geben, die morgen nicht schon überholt ist. Was man aber sagen kann, ist, dass es unterschiedliche Risiken gibt, die man betrachten kann.

Zum einen sind da die wirtschaftlichen Risiken. Es ist davon auszugehen, dass es einzelne Unternehmen und wirtschaftliche Konzepte nach der Krise so nicht mehr geben wird. Denn die staatlichen Hilfsmaßnahmen sind zwar umfangreich und vielseitig, aber eben auch keine Vollkasko.

Zum anderen gibt es in einer Pandemie immer medizinische Risiken. Das darf man bei einer vollständigen Betrachtung nicht ignorieren. Es werden Menschen, möglicherweise sogar aus dem eigenen Umfeld, ihr Leben verlieren.

Außerdem gibt es noch die gesellschaftlichen Risiken. Man kann nicht abschätzen, welche Auswirkungen, die bisher getroffenen und noch zu treffenden Maßnahmen auf die Gesellschaft hat. Die Folgen von Beschränkungen und Isolation sind nicht eindeutig absehbar. Möglichweise haben wir in neun Monaten ein Kapazitätsproblem auf den Geburtenstationen oder es folgen sehr hohe Scheidungsraten.

Risiken schaffen auch große Chancen

Da Krisen vorübergehen, wird es definitiv eine Zeit danach geben. Die neu erlernten Erfahrungen werden bisher unbekannte Möglichkeiten aufzeigen. Neue wirtschaftliche Konzepte und Geschäftsideen werden aufkommen und vorhandene ersetzen.

Die größte Chance bilden jedoch die gesellschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Wie Michio Kaku in seinem Buch „Die Physik der unsichtbaren Dimensionen“ beschreibt, hinken wir als Gesellschaft derzeit unserer technologischen Entwicklung hinterher. Das bedeutet, dass wir technisch zwar die Möglichkeit hätten weitaus mehr zu realisieren als bisher, wir als Gesellschaft aber noch nicht in der Lage sind, damit verantwortungsvoll umzugehen.

Dieses Ungleichgewicht lässt sich gut am Beispiel des Walkmans beschreiben. Die meisten werden sich noch daran erinnern, wie dieser nach einiger Zeit vom Discman abgelöst wurde. Mit dem Aufkommen des MP3-Players ging allerdings auch dessen Zeit zu Ende. Und heute ist es nicht mehr vorstellbar ein extra Gerät zu haben, nur um Musik zu hören. Man hat sich daran gewöhnt, auf sämtliche Musik immer und überall einfach mit dem Handy zugreifen zu können. Dennoch denken wir beim Thema Schule immer noch an Kreide, Polylux und TV-Rollwagen.

Auch die Telearbeit, oder auch mobile Arbeit genannt, ist ein anschauliches Beispiel für dieses Ungleichgewicht. Die aktuelle Situation zeigt, wie gut verteilte Arbeit und Abstimmungen in Telefon- und Videokonferenzen funktionieren können. Seit Jahren ist es technisch möglich eine solche Arbeitsweise umzusetzen. Dennoch wird nach wie vor an festen Arbeitszeiten und Anwesenheitspflicht festgehalten.

Die Chancen nutzen

Wichtig ist, sich nach der Krise noch daran zu erinnern. Nicht zu vergessen, wie viel Zeit man dazu gewinnt, wenn der tägliche Arbeitsweg ausbleibt. Wie viel Freiheit und Selbstbestimmung man dadurch dazugewonnen hat. Sicherlich kann dies im ersten Moment auch überfordernd wirken, aber nur, weil die richtigen Strategien dafür noch nicht entwickelt sind. In den kommenden Wochen wird uns aber nichts anderes übrigbleiben, als diese wertvollen Strategien zu lernen. Diese nachhaltig einzusetzen liegt dann allerdings bei jedem Einzelnen.

Der studierte Theologe und parteilose kulturpolitische Sprecher im sächsischen Landtag, Frank Richter, schrieb dazu am 31.03.2020 in einem Artikel der Freie Presse folgendes:

„Ich provoziere, weil ich befürchte, dass wir zur Tagesordnung übergehen werden, wenn der letzte Corona-Erkrankte gestorben und der letzte Corona-Überlebende immunisiert sein wird. Ich befürchte, dass wir danach weitermachen werden wie bisher. Und dass wir es möglicherweise noch gedankenloser, hemmungsloser und rücksichtsloser tun werden. […] Wir werden endlich wieder weniger Zeit haben füreinander, für die Großeltern, Kinder und Enkel. Und wir werden keinen einzigen Gedanken auf die Frage verschwenden, wie wir unsere politische und ökonomische Ordnung befreien können aus der Zwangsjacke eines immerwährenden Wachstumswahns.“

Krise kann ein produktiver Zustand sein. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen!


Über den Autor:

Felix Nawroth ist Autor des Blogs fachkraftmangel.io. Er befasst sich mit den Themen Fachkräftemangel und Wandel des Arbeitsmarktes. Die daraus gewonnenen Erfahrungen fließen direkt in sein Gründungsvorhaben mit ein. Bis Ende 2019 war er als Ingenieur in der Automobilbranche tätig.


Vermittle dein Wissen bei uns!


Bist du ein Experte in einem Fachgebiet? Pushe dein Image und werde Gastautor! Veröffentliche bei StartUpWissen.biz einen kostenlosen Gastbeitrag, um eine große Zielgruppe anzusprechen.

> Gastbeiträge einreichen: mehr Infos

Bild: Pixabay

Kommentar hinterlassen