Unternehmenskrise (Bild: Unsplash)

Wie erkennt man eine Unternehmenskrise?

Unternehmenskrise oder einfach nur eine Durststrecke? Die sogenannte “Früherkennungstreppe” hilft bei der Wahrnehmung.

Wann steckt ein Unternehmen in der Krise?

Diese Situation kennt jeder Gründer: Die Aufträge bleiben aus, die Kunden zahlen schlecht oder verspätet und überall sprießen Konkurrenten aus dem Boden. Ist diese Lage aussichtslos? Soll man das Handtuch werfen und seine Unternehmung beenden? Oder gilt die positive Devise “Augen zu und durch”? Immerhin gibt es überall Hochs und Tiefs.

Diese Fragen zu beantworten ist gar nicht so einfach. Gerade bei StartUps. Sie gehen ja mit innovativen, ganz neuen Geschäftsmodellen auf den Markt, dementsprechend fehlt es an Erfahrung und Marktwissen. Wer konnte vor 20 Jahren ahnen, dass ein soziales Netzwerk wie Facebook oder ein Videostreaming-Dienst wie Netflix wirklich bei den Menschen ankommen und für Milliarden-Umsätze sorgen?

Hätten Entrepreneure wie Steve Jobs, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg gleich nach ihren ersten Firmenkrisen aufgegeben, wäre die Welt heute eine andere. Andererseits: Selbst große, einst erfolgreiche Unternehmen wie Kodak, AOL oder Nokia können vom schnellen Wandel der Zeit hinweg gefegt werden.

Wie erkennt man eine Unternehmenskrise? Mit der “Früherkennungstreppe”!

Wann steckt ein StartUp oder auch eine Jahrzehnte alte Firma in der Krise? Wie erkennt man die Vorzeichen? Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Handeln, wann ist es vielleicht schon zu spät? Um das herauszufinden, gibt es die sogenannte “Früherkennungstreppe”.

Bei der “Früherkennungstreppe” handelt es sich um eine simple Checkliste. Mit ihr ermittelt man mittels Ja- und Nein-Fragen die Situation eines Unternehmens. Der Fragebogen gliedert sich in drei Teile, welche die jeweilige Phase wiedergeben:

  • Früherkennung
  • Späterkennung
  • Sehr-Späterkennung

“Früherkennungstreppe”: Anwendung und Bedeutung

So sieht die besagte Checkliste aus, mit der sich ganz leicht erkennen lässt, ob und wie tief ein Unternehmen in der Krise steckt:

Schaubild Früherkennungstreppe (Bild: BMWi)

So nutzt man die “Früherkennungstreppe”: Gründer, Manager und/oder Führungskräfte füllen den Fragebogen – ehrlich! – von oben nach unten aus, indem sie die Fragen mit “Ja” oder “Nein” beantworten. Aus den Ergebnissen der jeweiligen Zeile erkennen sie, wie dringlich manche Angelegenheiten sind.

Die Lesart dabei ist Folgende:

  • Werden Fragen mit “Ja” beantwortet, ist das in Ordnung. Es besteht in diesen Punkten keine direkte Gefahr oder Bedrohung für das Unternehmen.
  • “Nein” bedeutet, es gibt ein Problem.
  • Kommt ein “Nein” im ersten Drittel (“Früherkennung”) vor, muss nicht sofort gehandelt werden. Die Probleme sollten trotzdem nicht auf die lange Bank geschoben werden.
  • Bei einem “Nein” im Part “Späterkennung” gilt es, schnell zu handeln. Die Lage ist hier schon ziemlich angespannt.
  • Gibt es im Bereich “Sehr-Späterkennung” auch nur ein Häkchen bei “Nein”, so bedeutet das: roter Alarm! Das Unternehmen steckt in einer Krise, es muss unverzüglich gehandelt werden!

> “Früherkennungstreppe” als PDF herunterladen

Wie reagiert man auf die Ergebnisse?

Wenn ein Unternehmen reagiert statt agiert, steckt der Karren schon im Dreck – besonders in den Phasen “Späterkennung” und “Sehr-Späterkennung”.

In jedem Teil der “Früherkennungstreppe” gibt verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden können. Zum Beispiel:

Maßnahmen in der Früherkennung

  • Eine SWOT-Analyse mit den Stärken und Schwächen durchführen
  • Den Markt und die Mitbewerber genauer analysieren
  • Finanzen: die Liquidität prüfen
  • Die Produktentwicklung voranbringen
  • Die Vertriebs- und Marketing-Aktivitäten optimieren

> Tool-Tipp für die Konkurrenzanalyse

Maßnahmen in der Phase “Späterkennung”

  • Ein sofortiges Gespräch mit der Hausbank, dem Steuerberater und evtl. einem Wirtschaftsprüfer
  • Unnötige Kosten vermeiden und Sparmaßnahmen einleiten
  • Die Liquidität erhöhen, indem beispielsweise Ausgaben gestreckt werden
  • Durch gezielte Marketing- und Vertriebsmaßnahmen die Umsätze und/oder die Margen erhöhen

Maßnahmen bei der “Sehr-Späterkennung”

  • Externe Hilfe und Experten hinzuziehen
  • Mit der Bank oder den Investoren ein Sanierungskonzept entwickeln
  • Neue Finanzierungsarten wie Fördermittel oder Crowdfunding ausloten

> 8 Möglichkeiten, um ein StartUp zu finanzieren

Vorsorge statt Krise

Die beste Krisenbekämpfung ist, wenn erst gar keine Unternehmensbedrohung aufkommt. Prävention statt Aktionismus, lautet die Devise.

Damit keine Krise aufkommt und man sich so die “Früherkennungstreppe” sparen kann, muss vorausschauend gehandelt werden. Das bedeutet unter anderem:

  • Jedes Unternehmen benötigt ein Unternehmensziel und einen Businessplan. In StartUps sind zwar die klassischen Drei-Jahres-Pläne zwar kaum anwendbar, da das Geschäft zu schnell und wandelbar ausfällt, trotzdem benötigt auch ein junges Unternehmen eine Vision oder ein Konzept, das es befolgt.
  • Was macht die Konkurrenz? Wie agieren Unternehmen in anderen Branchen? Das ständige Über-den-Tellerrand-Hinausschauen gilt als fundamental wichtig.
  • Die Entwicklung von neuen Features ist zwar wichtig, trotzdem darf das nicht in einer “Featuritits” (dem Überfrachten eines Produktes mit Funktionen) enden. Eine agile Herangehensweise mit ständigen Verbesserungen und Marktanpassungen gilt als die bessere Herangehensweise.
  • Ein sauberer Überblick über die Finanzen ist das A und O. Ohne Geld geht nichts!

Buchtipps zum Thema Unternehmenskrise

Bilder: Unsplash, BMWi

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