Start-Finish (Bild: Pixabay)

Kein Vorankommen? So löst man die „StartUp-Handbremse“

Kleine, junge Unternehmen können und wollen ganz anders wie große, etablierte Unternehmen agieren. Das ist gut so. Trotzdem treten viele StartUps auf der Stelle und erreichen nicht das, was sie erreichen möchten oder sollten. Woran liegt das?

Ein Gastbeitrag von Matthias Pauers

Typische Fehler von StartUps  – so kann man sie vermeiden

StartUps sind die Speedboote unter den Unternehmen: Sie agieren pfeilschnell und überholen die „alten Tanker“ links und rechts. Dieses Bild herrscht im Allgemeinen vor. Doch leider stimmt das nicht immer. Viele innovative Unternehmen werden mit erstklassigen Ideen gegründet, doch sie kommen einfach nicht voran. Das kann verschiedene Gründe haben. Ich nenne hier ein paar klassische Fehler und verrate, wie man sie beseitigen kann.

Perfektionismus bremst aus

Wer ein Unternehmen gründet, der möchte alles besser und anders machen als die Konkurrenz. Eine überragende Qualität und bahnbrechende Features sollen zum Erfolg führen. Diese hochgesteckten Ziele sind gut – doch oft können sie gar nicht erfüllt werden.

Ein häufiger Grund dafür ist, dass der Gründer und sein Team zu perfektionistisch ans Werk gehen. Alles soll mindestens 110%ig, am besten 200%ig umgesetzt werden. Und das ab dem ersten Tag. Deswegen wird fleißig konzeptioniert, entwickelt, verbessert und zwischendrin alles Mögliche über den Haufen geworfen und neu angegangen. Währenddessen tickt die Uhr.

Das Ergebnis ist, dass das Produkt viel später als gedacht auf den Markt gebracht wird – das kennen sicherlich viele Gründer. Oder im schlimmsten Fall kommt es nie zum Release, weil man sich zu sehr verzettelt.

Deswegen mein Rat: Schmeißt den Perfektionismus über Bord! Meist reichen 80% oder nur 60% von dem, was man sich als Ziel gesetzt hat. Es ist sinnvoller, rechtzeitig mit einem abgespeckten, aber funktionierenden Produkt zu starten (Stichwort: Minimum Viable Product), als in Perfektion zu sterben.

Kenne deine Kunden

Mit dem Perfektionismus geht meist ein weiterer Fehler einher: Man verliert den Fokus – und damit auch den Blick auf die angepeilte Zielgruppe. Tickt diese wirklich so, wie man es selbst denkt oder durch Marktstudien herausgefunden hat? Meistens tritt hier große Ernüchterung ein. Denn viele Menschen agieren komplett konträr zu dem, wie sie über ein Thema sprechen. Oder sie stören sich an Kleinigkeiten, was ebenso dazu führt, dass ein Produkt nicht Fuß fassen kann.

Somit bin ich, wie schon beim vorherigen Punkt angemerkt, ein Fan des Minimum Viable Product. Mit einem MVP kann man nach einer recht kurzen Entwicklungszeit sehen, ob man auf dem richtigen Weg ist. Durch das Feedback der ersten Testkunden ist es möglich, das Konzept anzupassen. Denn man sollte immer an eine Weisheit denken: „Der Wurm muss dem Fisch schmecken, und nicht dem Angler.“

Zu stark auf die Finanzen fokussiert

Damit ein StartUp nicht in einer Liebhaberei endet, muss es ein Geschäftsmodell besitzen. Mitarbeiter, Dienstleister, Banken und Investoren möchten Geld sehen, ohne geht es nicht. Deswegen wird gerade in Deutschland viel Wert auf einen Businessplan gelegt. Das ist auch gut so.

Aber nur auf die Zahlen zu schauen, bringt nichts. Man muss sich immer bewusst werden, warum man ein Unternehmen gegründet hat: Weil man mal eine Vision hatte. Somit ist zwar ein betriebswirtschaftliches Denken verknüpft mit fachlichen Know-How wichtig, trotzdem sollte man immer zu Innovationen bereit sein.

Man muss nicht alles können

Der typische StartUp-Gründer kennt sich mit Software-Entwicklung, Marketing, Finanzen und PR aus, zudem kümmert er sich nebenher um HR und die Geschäftsführung. Er ist quasi die eierlegende Wollmilch-Sau in Personalunion. Dieses Bild herrscht meistens vor. Aber es ist falsch.

Nicht jeder Mensch kann alles können. Wir alle besitzen gewisse Neigungen und Fähigkeiten, die sollten wir nutzen und perfektionieren. Zudem hat ein Tag nur 24 Stunden, wovon man nicht alle mit Arbeiten verbringen sollte.

Somit rate ich jedem jungen Gründer, gerade wenn er noch unerfahren ist, sich für unterschiedliche Themengebiete Spezialisten zu suchen. Das können entweder dauerhafte Mitarbeiter werden (z.B. fürs Marketing) oder externe Dienstleister wie ein Steuerberater sein. Zudem ist es hilfreich, wenn man sich zwischendurch Unterstützung holt, um seine Scheuklappen-Sicht abzulegen. Berater oder Coaches wie wir von Teamprove sorgen dafür, dass Fehler in der Entwicklung oder Probleme im Team erkannt und gelöst werden. Es gibt nichts Ärgerliches wie eine Idee, die aufgrund interner Probleme nicht vorankommt und somit das ganze Unternehmen gefährdet!

Nicht starrköpfig am Kurs festhalten

Das vorhin genannte innovative Denken kann sich auf das Produkt beziehen, das man auf den Markt bringen will, aber auch auf das eigene Handeln. Wenn man durch Recherchen, Kundenfeedback und andere Kanäle feststellt, dass das ursprüngliche Konzept nicht greift, muss es geändert werden.

Das können kleine Anpassungen sein, aber auch ein radikaler Kurswechsel. Dieser sogenannte Pivot sorgt unter Umständen dafür, dass man sich nur auf ein Feature konzentriert oder plötzlich eine komplett neue Zielgruppe anspricht. Hauptsache, der neu eingeschlagene Weg birgt mehr Hoffnung auf Erfolg als der alte.

Fazit

Dass StartUps aus jungen und kreativen Menschen bestehen, bedeutet nicht zwangsläufig, dass man damit Erfolg hat. Kleine wie auch große Unternehmen können die gleichen Fehler machen, die einen ausbremsen oder gar scheitern lassen. Dass es nicht soweit kommt, ist es ratsam, gewisse Probleme und Hindernisse von Anfang an zu umschiffen. Ich hoffe, ich konnte dafür einige spannende Anregungen geben.


foto-pauers-matthiasÜber den Autor:

Matthias Pauers ist Coach für Software-Entwicklung und greift mit seiner Firma Teamprove gerne StartUps und Business Angels unter die Arme. Denn als Fußball-Fan weiß er, worauf es ankommt: auf Kommunikation, Teamwork und agile Methoden, um schnell zum Ergebnis zu kommen.

2 Kommentare

  1. Kenne deinen Kunden << diesen Spruch sollten sich Startups jeden Tag an den Spiegel nageln. Denn viele Gründer scheinen das schnell zu vergessen!

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